Belastbarkeit hat zwei Komponenten: die Physische und die Psychische.

Die meisten Unternehmen wünschen sich (branchenunabhängig) belastbare Mitarbeiter. Der einfachste Weg, um zu zeigen, dass Sie die Stellenanzeige aufmerksam gelesen haben, ist, zu schreiben: „Ich bin belastbar.“ Doch diese Formulierung ist ebenso langweilig wie einfach. Und das heißt: Eine Story muss her. Diese Geschichte muss Ihre Belastbarkeit deutlich machen – und idealerweise in Bezug zur Stelle stehen. Wie das funktioniert, zeigt der folgende Beitrag.

„Meine Glückszahl scheint die zwei zu sein, denn beim Schreiben meines Lebenslaufes ist mir selbst aufgefallen: Eine einzelne Aufgabe hatte ich nur selten im Leben. Während Schule und Ausbildung kümmerte ich um meine kleineren Geschwister, da mein Vater früh verstorben ist. Nach dem Ende der Lehre engagierte ich mich privat in der Jugendbildung des ortsansässigen Sportvereins und vor drei Jahren habe ich die Fachwirt-Weiterbildung an der Abendschule begonnen. Nun möchte ich die dabei erworbenen Fähigkeiten in Ihrem Betrieb unter Beweis stellen.“

Dieser Passus, der so in einer Bewerbung stehen könnte, zeigt, was „Belastbarkeit“ bedeuten kann, ohne das Wort auch nur einmal zu nennen. Diese wenigen Zeilen geben einen Einblick in das private Familienleben, die Hobbys und die berufliche (Weiter-) Qualifikation und vor allem die enorme Belastbarkeit des Bewerbers. So wirken Sie als Bewerber authentisch – und belastbar.

„Wahrscheinlich wurde mir die Freude am Umgang mit älteren Menschen bereits in die Wiege gelegt. Meine Mutter pflegte ihre Mutter und ich half ihr regelmäßig dabei. Für mich war es selbstverständlich, die Ausbildung zur Altenpflegerin zu machen. Auch wenn ich keinen Dienst habe, lasse ich mir gern etwas für die älteren Menschen einfallen. Erst kürzlich konnte ich den Plan verwirklichen, die Schüler und Schülerinnen der örtlichen Grundschule zum Vorlesen im Altenheim zu bewegen. Aus privaten Gründen werde ich nun aus meinem Heimatort wegziehen und würde mich freuen, mich in Ihrem Heim um die ältere Bevölkerung kümmern zu können.“

Auch diese Formulierung zeigt: Das Wort „Belastbarkeit“ findet sich nirgends und doch implizieren die Worte der Bewerberin, dass sie ihren Beruf über alles liebt und sich dafür über die Maßen engagiert. Nicht nur der Beruf per se, sondern auch das außerberufliche Engagement setzen Belastbarkeit in jedem Fall voraus.

„Belastbarkeit“ ist nicht in den Top-10

Blickt man auf das Top-10-Ranking der Soft Skills so wird keiner das Wort „Belastbarkeit“ finden. Kommunikationsfähigkeit, Selbstbewusstsein und Einfühlungsvermögen sind die Top-3. Danach folgen Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit, analytische Kompetenz, Vertrauenswürdigkeit, Selbstdisziplin, Konfliktfähigkeit und Durchsetzungsvermögen. Der Grund: „Belastbarkeit“ wurde lange Zeit vorausgesetzt als Grundeigenschaft. Dass „Belastbarkeit“ eine Eigenschaft ist, die immer wichtiger wird und deswegen auch explizit herauszustellen ist, zeigt ein Blick auf diese Grafik: Diese Berufsgruppen hatten die meisten Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von Burn-out-Erkrankungen. Das kann auch bedeuten, dass die Belastbarkeit nicht ausreichend ausgereift war oder nicht kontinuierlich gepflegt wurde.

Statistik: Berufsgruppen mit den meisten Arbeitsunfähigkeitstagen aufgrund von Burn-out-Erkrankungen* im Jahr 2011 (je 1.000 AOK-Mitglieder) | Statista

Physische und psychische Belastbarkeit

Neben der soeben diskutierten psychischen Belastbarkeit, gibt es auch eine weitere Komponente zu bedenken: die physische Belastbarkeit. Der Unterschied liegt sowohl in der Branche als auch in der Hierarchiestufe. Je höher die Position ist, desto psychisch anstrengender wird ein Job. Angehende Führungskräfte müssen also ihre psychische Belastbarkeit deutlich machen. Das klappt zum Beispiel

  • mit einem Nachweis über ein erfolgreich absolviertes Führungskräftetraining.
  • mit einer Information zum psychischen Ausgleich (Yoga, Meditation, Kampfsport …).
  • mit Praxiserfahrung.

Physische Belastbarkeit ist hingegen in körperlich anspruchsvollen Branchen wichtig. Das bedeutet, dass besonders vermeintliche „Schwächere“ zeigen müssen, dass sie den physischen Belastungen gewachsen sind. Hier einige Beispiele.

  • Eine Frau, die sich als Maurerin bewirbt, muss nachweisen können, dass Sie physisch in der Lage ist, schwere Tätigkeiten auszuführen. Wer bereits in dem Beruf arbeitet, hat hier die besten Voraussetzungen. Wer sich hingegen um eine Ausbildungsstelle bewirbt, muss mit sportlichen Nachweisen zeigen, dass die physische Belastbarkeit in jedem Fall gegeben ist.
  • Eine Person, die sich als Dachdecker bewirbt, muss nicht nur schwindelfrei sein, sondern auch präzise und kraftvoll in luftigen Höhen arbeiten können. Tipp: Bieten Sie Ihrem potentiellen Wunsch-Arbeitgeber doch einen Probearbeitstag an. So kann er sich von Ihren „artistischen“ Fähigkeiten überzeugen.
  • Ein angehender Tischler sollte nicht nur eine Passion für den Werkstoff Holz besitzen, sondern auch mit dem teils sehr schweren Material hantieren können. Natürlich kann sich in der Praxis eine Arbeitsteilung herauskristallisieren, die beispielsweise Frauen einen Arbeitsplatz an der CNC-Maschine reserviert, aber zumindest in der Ausbildung muss auch eine Auszubildende zur Tischlerin Holz zur Maschine oder zur Weiterverarbeitung bewegen.
  • Auch ein Mechatroniker braucht immer noch Kraft – auch wenn durch die Vermischung der Berufe Mechaniker und Elektroniker die weniger physisch anstrengende elektrotechnische Komponente einen großen Rahmen einnimmt, so braucht der Mechaniker im Mechatroniker Kraft, um Bauteile zu befördern oder an der fertigen Konstruktion anzubringen.

Tipp: Wer Praxiserfahrung nachweisen kann, der hinterlässt beim Personalreferenten nur selten Zweifel über die physische Belastbarkeit. Auch sportliche Aktivitäten zeugen davon, dass ein trainierter Bewerber sich um die Stelle bemüht, den auch die physischen Belastungen nicht abschrecken.

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