Flexibilität kann ein Tugend sein, aber Achtung, dass Sie sich nicht als „angestellter Mülleimer“ verkaufen.

Offensichtlich scheint es ungeschriebene Gesetze zu geben, welche Worte man in einem Bewerbungsschreiben förmlich verwenden muss, damit das Schreiben von Erfolg gekrönt ist. Belastbarkeit. Motivation. Erfahrung. Teamfähigkeit. Flexibilität. All diese Worte scheinen ebenso wichtig zu sein, wie der richtige Ansprechpartner in der Anrede. Doch diese Schlagworte haben noch etwas anderes gemeinsam: Sie haben alle zwei Seiten – und können dem Bewerber positiv oder auch negativ ausgelegt werden. Wie das verhindert werden kann, soll dieser Beitrag klären.

Jedes vermeintlich wichtige Schlagwort braucht eine Erklärung. Das ist das A und O beim Schreiben einer Bewerbung. Das bedeutet: Belastbarkeit, Motivation, Erfahrung, Teamfähigkeit und Flexibilität sind nur dann wertig in einer Bewerbung, wenn eine Formulierung der Ausprägung folgt bzw. aufgezeigt wird, wie sich diese in der Praxis zeigt. Eine Story eben. Diese ermöglicht es nämlich darüber hinaus, diesen wichtigen Schlagworten Persönlichkeit einzuhauchen.

Sie halten diese „Wortklauberei“ für übertrieben? Dann lesen Sie sich die folgende Tabelle sorgsam durch, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Fragen Sie mit einem Schlagwort ohne „Story“ beim Personalreferenten auslösen.

Das SchlagwortDie Bedeutung
Motivation: „Ich bin motiviert.“Liest ein Personalreferent diesen Satz in einer Bewerbung, so ist er sich einer Tatsache sicher: Der Bewerber weiß wohl um die ungeschriebenen Gesetze der besten Schlagworte für ein Bewerbungsschreiben – mehr aber auch nicht. Denn, für was soll der Bewerber denn über alle Maßen motiviert sein? Für eine unbekannte Stelle? Für neue Aufgaben? Schwierig, „ins Blaue“ hinein motiviert zu sein.Tipp: Anstelle das „leere“ Wort „Motivation“ zu verwenden, sollten Bewerber besser ihre Motivation ausdrücken – in Form einer sehr gut geschriebenen Bewerbung und sorgsam zusammengestellter Bewerbungsunterlagen.
Belastbarkeit: „Ich bin belastbar.“Wüsste der Personalreferent nichts von der Hitliste der vermeintlichen besten Schlagworte in einem Bewerbungsschreiben, könnte er Belastbarkeit auch so deuten: Der Bewerber ist ein Mensch, bei dem physische und psychische Dinge ohne groß nachzufragen abgeladen werden könnte – er wird diese dann schon erledigen, er schafft alles weg. Möchten Sie wirklich als dieser „angestellte Mülleimer“ fungieren? Nein?Tipp: Dann erklären Sie dem Personalreferenten, inwiefern Sie belastbar sind.
Erfahrung: „Ich bin erfahren.“Der Klassiker: Erfahrung! Natürlich ist es wichtig, Erfahrungen gesammelt zu haben, denn Menschen, die bereits Erfahrungen gemacht haben, haben ein bestimmtes Reaktions- und Entscheidungsrepertoire, auf das sie verlässlich zurückgreifen können, ohne jedes Mal wieder neu die Vor- und Nachteile eruieren zu müssen. Wichtig ist aber zu sagen, welche Erfahrungen Sie gemacht haben und vor allem wie Sie diese für die neue Stelle nutzen möchten.Tipp: Werfen Sie einen Blick auf das Anforderungsprofil im Stelleninserat. Haben Sie bereits „Erfahrungen“ in den dort genannten Tätigkeiten, schreiben Sie diese in einem Satz nieder.
Teamfähigkeit: „Ich bin teamfähig.“Wenn ein Personalreferent nicht ohnehin schon zig Bewerber zur Auswahl hätte, würde er sich vielleicht fragen, inwiefern Sie überhaupt teamfähig sind. Das heißt: Können Sie ein Team führen oder neigen Sie dazu „mitzulaufen“? Im schlimmsten Fall vermittelt das Wort „Teamfähigkeit“ ohne Erläuterung aber vor dem Hintergrund der restlichen Bewerbungsunterlagen den Eindruck, dass Sie unfähig sind, selbstständig und eigenverantwortlich zu arbeiten. So bekommen Sie die Stelle sicherlich nicht.Tipp: Bestimmt gibt es in Ihrem Privatleben oder sogar im Beruf Beispiele dafür, wie Sie Ihre Form der Teamfähigkeit ausgelebt haben. Und genau diese Beispiele müssen ins Bewerbungsschreiben – und zwar anstelle oder direkt in Verbindung mit dem Schlagwort „Teamfähigkeit“.
Flexibilität: „Ich bin flexibel.“Flexibilität kann heißen, dass es der Personalreferent bei Ihnen mit einem Ja-Sager zu tun hat, der ohne eigene Meinung ein Meister darin ist, sich anzupassen. Und genau diese Art von „flexibler“ Person gefällt einem Unternehmen absolut nicht. Flexibel kann aber auch heißen, dass der Bewerber es beherrscht, den Arbeitsrhythmus an aktuelle Gegebenheiten anzupassen und bereit ist, zu untypischen Arbeitszeiten auch außerhalb des Arbeitsplatzes aktiv zu werden.Tipp: Lassen Sie den Personalreferenten nicht selbst das Rätsel lösen, denn dann ist die Chance 50:50, dass er Sie in einem komplett falschen Licht sieht. Beschreiben Sie ihm, was Flexibilität für Sie bedeutet.

Darum ist „Flexibilität“ eine solch wichtige Eigenschaft

Es scheint sich ein „Generationenwechsel“ im Bereich der Schlagworte abzuzeichnen, die wichtig für ein Bewerbungsschreiben sind. Einst lagen Loyalität und Stabilität hoch im Kurs, doch scheinen diese „alten“, verlässlichen Werte und Eigenschaften immer weniger wichtig zu sein, schließlich gilt es, sich als Arbeitnehmer schnell anpassen zu können – denn Märkte ändern sich, Anforderungen ändern sich und auch Berufe ändern sich. Und wenn das passiert, möchte das Unternehmen nicht wieder eine komplett neue Mitarbeitermannschaft suchen müssen, sondern von flexiblen Mitarbeitern verlangen können, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen.

Heute sind andere Werte gefragt als noch vor einigen Jahren.

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Zugegeben, vielleicht ist diese Situation etwas überspitzt dargestellt, aber auch darin liegt ein nicht ganz kleiner Funke an wenn auch trauriger Wahrheit. Beispiel gefällig? Vor Jahren noch schien der Bezug und die Identifikation mit einem Arbeitgeber ein hohes Gut zu sein. Mitarbeiter, die lange im Betrieb sind, wurden geschätzt – ihrer Loyalität und ihrer Erfahrung wegen. Bewirbt sich ein Mitarbeiter, der mehr als zehn Jahre bei einem Arbeitgeber gearbeitet hat, nun anderweitig, so kommt das oftmals gar nicht mehr so gut an – und er wird als unflexibel und unmotiviert abgestempelt.

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