Es gibt mindestens genauso viele Tipps zum Formulieren von Bewerbungen wie es Warnungen davor gibt, Formulierungsratgeber zu nutzen.

Dabei hat beides irgendwie seine Berechtigung. Im Idealfall sollten Formulierungsratgeber inspirieren und Ideengeber sein – Abschreiben ist jedoch tabu. Wie Formulierungshilfen helfen können, soll dieser Beitrag klären.

Die Situation kennt sicherlich jeder: Das weiße (in der Regel digital vorliegende) Blatt Papier, auf das eigentlich das Bewerbungsschreiben getippt werden sollte, will sich nicht füllen. Und das obgleich es zig Themen gibt, die Sie Ihrem künftigen Arbeitgeber mitteilen wollen, aber Sie wissen nicht wie. Schnell und einfach wird dann das Internet nach Formulierungshilfen durchforstet – und ohne viel zu suchen, werden unzählig viele Formulierungen ausgegeben, die doch sehr gut klingen. Nun ist die Verlockung groß aus diesem Satz-Wirrwarr ein Bewerbungsschreiben anzufertigen.

Warum Sie genau dieser Versuchung widerstehen müssen, erklärt sich schnell: Hat der Personalreferent den Verdacht, dass Ihre Bewerbung gar nicht Ihr Werk ist, wird er als erstes die Suchmaschine bemühen, nach vermeintlich wertigen Sätze suchen – und diese auch finden. Und was bedeutet das für den Bewerbungslauf? Nicht zwingend das Aus, aber als „kreativer Kopf“ sind Sie nun sicherlich aus dem Rennen.

Wie funktioniert Inspiration durch Formulierungshilfen?

Gelesen haben Sie das bestimmt schon oft: „Lassen Sie sich von Formulierungen inspirieren!“ Aber wie das in der Praxis funktionieren soll, ist unklar. Dabei gibt es ein paar ganz simple Tricks, wie Sie Formulierungshilfen sinnvoll nutzen können:

1.) Nutzen Sie Teilsätze, die Sie dann mit einer persönlichen Note erweitern. Ein Beispiel:

„Ich bin teamfähig – und beweise diese seit vier Jahren als Mitglied im Sportverein.“
Der erste Teil („ich bin teamfähig“) ist der Part des Satzes, der in vielen Formulierungshilfen auftaucht. Der erweiterte Teil des Satzes liefert den persönlichen (!) Beweis.

2.) Nutzen Sie Schlagworte und formen Sie daraus Sätze für Ihr Bewerbungsschreiben. Ein Beispiel:

„Seit sieben Jahren leite ich die örtliche Tanzgruppe. So kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass ich Teamfähigkeit auch in der Praxis leben kann.“
Auch hier ist das Schlagwort „Teamfähigkeit – nur der Satz ist individuell gestaltet und mit persönlichen Inhalten ausgestattet.

3.) Schreiben Sie so, als würden Sie eine (Kurz-) Geschichte erzählen.

Das heißt, dass Sie die Worte wählen, die in Ihrem normalen Vokabular auch vorkommen. Nichts klingt unwirklicher, als wenn beispielsweise ein angehender Azubi schreibt:

„Kommunikationsfähigkeit und Führungsqualitäten konnte ich als Chef der Schülerfirma unter Beweis stellen.“
Authentischer wäre:
„Beim Projekt ‚Schülerfirma‘ habe ich gelernt, dass gemeinsame Planung und Austausch wichtig sind.“

Formulierungshilfen sind oft nach einem ganz klassischen Argumentationsschema aufgebaut und folgen dem These-Argument-Fazit-Modell. Wer dieses Grundmodell von Formulierungen ableitet, kann es mit eigenen Inhalten füllen.

4.) Passen Sie Musterformulierungen auf den jeweiligen Betrieb an.

Die Standardfloskel

„… deswegen möchte ich mich in Ihrem Betrieb bewerben …“
wirkt eindrucksvoller, wenn sie zum folgenden Satz wird:
„… deswegen möchte ich mich in Ihrem Malerbetrieb bewerben, der als Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet wurde …“.
Warum? Weil der Satz zeigt, dass Sie sich mit dem Betrieb auseinandergesetzt haben und auch für Sie (als künftiger Azubi) interessante Informationen gefunden haben.

Warum nicht einfach vorgefertigte Formulierungen nutzen?

Diese Frage ist recht einfach zu beantworten: Der Personalreferent und der Betrieb möchte Sie kennenlernen und nicht prüfen, wie gut Ihre Recherchequalitäten sind. Wer ein 0-8-15-Bewerbungsschreiben aus einem Bewerbungsratgeber abschreibt, der kann von Glück reden, wenn der Personalreferent einfach gelangweilt weiterblättert und seinen inhaltlichen Fokus auf Lebenslauf und Zeugnisse legt. Andere wiederum sortieren nach dem Bewerbungsschreiben aus – und dann würde ein nicht personalisiertes Bewerbungsmuster ganz schnell auf dem Absagen-Stapel landen.

Um die Bewerbung in die nächste Runde zu katapultieren, sollten Sie die folgenden Fehler meiden:

Fehler in Rechtschreibung, Grammatik oder Satzbau sind in der Bewerbungsmappe tabu.

  • Rechtschreibfehler (im Text und beim Namen des Ansprechpartners) sind ein K.O.-Kriterium, denn Personalreferenten deuten diese als schlampiges Arbeitsverhalten. Auch Grammatik und Satzbau müssen selbstverständlich einwandfrei sein.
  • Halten Sie Profile in sozialen Netzwerken aktuell, denn diese werden immer häufiger von Personalreferenten zu Recherchezwecken genutzt. Auch Online-Auftritte und Blogs nehmen eine immer größere Rolle ein.
  • Wer nach dem Prinzip verfährt „das Wichtigste kommt am Schluss“, hat oft verspielt, bevor der Personalreferent zu Ende gelesen hat. Tipp: Setzen Sie Ihr Hauptargument gleich nach den Einleitungssatz.
  • Argumente statt Berichte sind die Erfolgsformel. So ist es wenig sinnvoll, alle bisherigen beruflichen Stationen aufzuführen, wenn diese nicht argumentativ als Eignung für die zu besetzende Stelle dargestellt werden.
  • Fakten statt Allgemeinweisheiten gehören in eine Bewerbung, womit wieder der Bogen zu Formulierungshilfen deutlich wird: Fakten sind persönlich, Allgemeinweisheiten werden aus Formulierungsratgebern abgeschrieben.
  • Wer sich selbst über die Maßen in den Himmel lobt oder andersherum negativ über sich selbst schreibt, der kommt im Bewerbungsmarathon nicht weiter.

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