Wer „ab sofort“ verfügbar ist, impliziert Not und schwächt den eigenen Verhandlungsspielraum.

Nicht selten steht in den Stelleninseraten von Unternehmen, dass die Stelle „ab sofort“ zu besetzen ist. Doch was bedeutet das eigentlich? Sicherlich nicht, dass Sie mit dem Bewerbungsschreiben gleich verfügbar sein müssen, jedoch könnte eine lange Kündigungsfrist zum Hemmschuh werden. Was einerseits Sicherheit bietet, könnte als immer dann schwierig werden, wenn Sie „ab sofort“ den Job wechseln sollen. Wie Sie dieses Thema im Bewerbungsschreiben formulieren, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Sicherlich gibt es auch die Option, dass Sie sich nicht aus einer ungekündigten Stellung heraus bewerben, sondern plötzlich arbeitslos wurden oder nach einer befristeten Stelle nicht gleich eine Folgeanstellung gefunden haben. Dann sind Sie wahrlich „sofort“ verfügbar. Doch das klingt doch etwas sehr gehetzt und panisch – und bietet nicht gerade die besten Voraussetzungen, um ein adäquates Gehalt auszuhandeln. Erläutern Sie lieber, dass Sie sich derzeit in der Bewerbungsphase befinden – das heißt nämlich auch, dass Sie nicht nur an einer Stelle dran sind. Mögliche Formulierungen könnten sein:

  • „Vor vier Wochen endete meine befristete Anstellung. Aktuell bin ich in Gesprächen mit potentiellen Arbeitgebern und würde auch Sie gerne in diesem Kreis wissen. Verfügbar wäre ich daher auch direkt mit Vertragsunterzeichnung.“
  • „Leider kündigte mein bisheriger Arbeitgeber sehr kurzfristig einige Mitarbeiter, zu denen auch ich zähle. Für die Übergangszeit sind wir freigestellt, so dass wir jederzeit bei einem neuen Arbeitgeber zur Probe arbeiten könnten. Gerne möchte ich auch Ihnen dies anbieten und würde mich freuen, von Ihnen zu hören.“

„Ab sofort“ kann auch kurzfristig bedeuten

Allein der Button impliziert schon, dass ein baldiger Einstieg gewünscht ist. Nachfragen ist auch eine Option.

Äußerst selten geht’s im Bewerbungsablauf so schnell, dass Sie heute eine Bewerbung schreiben und morgen schon den Arbeitsvertrag vorgelegt bekommen. Selten bedeutet allerdings nicht, dass es nicht möglich ist. Gerade in den Branchen, in denen Fachkräfte Mangelware sind oder in denen Probearbeit einen höheren Stellenwert hat als das geschriebene Wort, kann es auch recht schnell losgehen im neuen Job.

Wechseln wir nun einmal die Seite: Ein Personalreferent schreibt in das Stelleninserat „ab sofort zu besetzen“. Das bedeutet, dass er nicht erst in einem halben Jahr Unterstützung braucht, sondern umgehend. Das bedeutet für Sie als Bewerber, dass Sie mit einer langen Kündigungszeit von über drei Monaten durchaus schlechte Karten haben, den Job zu bekommen. Handelt es sich allerdings um Ihren Traumjob, ist es natürlich nicht verboten, um die Stelle zu kämpfen. Möglich wären dazu die folgenden Formulierungen:

  • „Gerne würde ich im persönlichen Gespräch erfahren, was Sie unter einem sofortigen Arbeitsbeginn verstehen. Meine Kündigungsfrist beträgt aktuell drei Monate zum Quartalsende. Da ich meinen Vorgesetzten in meine Jobwechsel-Pläne eingeweiht habe, wäre es allerdings durchaus denkbar, die vertragliche Bindung vor Ablauf der Kündigungsfrist zu lösen.“
  • „Ich will ehrlich sein: Ich bin nicht sofort verfügbar, denn ich habe eine Kündigungsfrist von sechs Monaten. Da ich aber ohnehin gerade dabei bin umzuziehen und mein Arbeitgeber meine Wechselambitionen kennt, wäre es sicherlich möglich, hier eine Regelung zu finden, die beiden Parteien entgegenkommt.“

Motivation vs. Übermotivation

Es ist in gewisser Weise eine Gradwanderung, denn was für den einen Ausdruck der Motivation ist, ist für den anderen wiederum „over the top“ und schreckt ab. Sätze wie „ich könnte sofort bei Ihnen anfangen“ oder „ich bin sofort einsatzbereit“ oder „ich stehe Ihnen ab sofort zur Verfügung“ können auch leicht wie eine Drohung wirken. Da Sie nie wissen, wer die Bewerbung liest und wie die von Ihnen gewählten Worte ankommen, sollten Sie bei der Wahl der Formulierung souverän und diplomatisch vorgehen.

Formulierungstipps für die baldige Verfügbarkeit

Wenn Sie durch die Befristung Ihres aktuellen Jobs oder das Ende Ihrer Schulzeit, Ihrer Ausbildung oder Ihres Studiums genau wissen, wann Sie verfügbar sind, können Sie dies auch so in Ihrer Bewerbung angeben. Mögliche Formulierungen sind dann:

  • „Mein aktuelles Arbeitsverhältnis endet aufgrund einer auslaufenden Befristung zum XX.XX. Anschließend würde ich meine Fähigkeiten und Qualifikationen gerne in den Dienst Ihres Unternehmens stellen.“
  • „Zum XX.XX. werde ich meine Ausbildung abschließen. Gerne würde ich gleich anschließend in die Praxis in Ihrem Betrieb starten.“

Sonderfall „freiberuflich“

Oft entscheiden sich freiberuflich oder selbstständig Tätige um und wünschen sich wieder einen Einstieg ins geregelte Arbeitsleben mit Sozialversicherung und direkten Kollegen. Manchmal ist es auch ein Teilzeitjob, den Sie anstreben, um die monatlichen Kosten zu decken – und gleichzeitig sich selbstständig zu verwirklichen. Alles legitim. Und der Vorteil ist: Selbstständige sind aktiv im Job, sind aber gleichzeitig auch sehr kurzfristig verfügbar – und das dürfen sie natürlich auch sagen.

  • „Aktuell betreue ich auf selbstständiger Basis einige Projekte, deswegen könnte ich auch kurzfristig den von Ihnen ausgeschriebenen Teilzeitjob antreten.“
  • „Da ich aktuell vertraglich nicht gebunden bin, könnte ich kurzfristig die von Ihnen ausgeschriebene Stelle als XXX besetzen. Gerne würde ich mit Ihnen in einem persönlichen Gespräch klären, ob und inwiefern ich meiner Selbstständigkeit außerhalber Ihrer Geschäftszeiten auch weiterhin nachgehen kann.“

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