Auch wenn Sie liebend gerne lauthals schreien würden „nein, danke“, so sollten Sie sich bei der Formulierung der Absage der Bewerbung genau überlegen, wie Sie den Rückzug der Bewerbung begründen.

Wohl kaum jemand schreibt – auf der Suche nach einer Arbeitsstelle – nur eine Bewerbung, wartet (oft wochen- und monatelang) auf eine Rückmeldung und stürzt sich erst nach einer Absage in die nächste Stellensuche. Natürlich wissen auch die potentiellen Arbeitgeber, dass ein Bewerber nicht nur einen einzelnen Betrieb anspricht. Im schlimmsten Fall kommen Absagen aus allen Richtungen. Im besten Fall kommen mehrere Ladungen zum Vorstellungsgespräch – und mehrere Zusagen. Dann heißt es, zunächst einmal abzuwägen, welches Unternehmens es werden soll – und wie (möglichst diplomatisch) dem Mitbewerber um die Stelle als Arbeitgeber abgesagt werden kann. Tipps für dieses vergleichsweise positive Dilemma finden Sie in diesem Beitrag.

Warum wird eine Absage nötig?

Die eingangs dargestellte Szene ist nur eine von vielen Möglichkeiten, eine Bewerbung zurückziehen zu müssen: Sie haben sich für einen anderen Arbeitgeber entschieden. Ebenso legitim ist sicherlich der Grund, sich doch für ein (weiterführendes) Studium oder den Besuch einer weiterführenden Schule entschieden zu haben – auch das ist letztlich ein Grund, der beruflich bedingt ist, denn die Anstellung wird dem Beruf des Schülers bzw. Studenten vorgezogen. Daneben gibt es noch viele private Gründe, die dazu bewegen können, keine neue Stelle anzutreten, wie beispielweise ein Umzug, eine Schwangerschaft, ein Pflegefall, eine Krankheit und viele weitere persönliche Schicksale (positiver oder negativer Natur).

Formulierungsratgeber: So wird richtig abgesagt

Zahlreiche Gründe können bedingen, dass die Zukunftsaussichten sich plötzlich ändern. Diese sollten dem Arbeitgeber offen dargelegt werden.

Eins vorweg: Eine Bewerbung zurückzunehmen ist im Grunde genommen nicht verwerflich. Viel schlimmer ist es, das Unternehmen hinhalten zu wollen, eine Stelle nur zum Schein anzutreten (um dann noch in der Probezeit wieder zu kündigen) oder eine Zusage einfach nicht in die Tat umzusetzen. Dann, so können Sie sich sicher sein, brauchen Sie sich in diesem Betrieb nicht noch einmal zu bewerben. Das Argument „später erinnert sich keiner mehr daran“ gilt im Übrigen nicht, denn, wer ein falsches Verhalten an den Tag legt, der bleibt im Gedächtnis eines Personalreferenten.

Und auch größere Betriebe haben eine Möglichkeit gefunden, sich technisch an die Bewerber erinnern zu lassen, oder warum glauben Sie, dass in Online-Formularen meist die Frage steht, ob Sie sich schon einmal im Unternehmen beworben haben?

Folgende Formulierungen können Sie verwenden, um eine Bewerbung (schriftlich oder mündlich) zurückzuziehen.

„Heute ist es an mir, mich bei Ihnen für das Interesse an meiner Bewerbung zu bedanken. Gleichsam möchte ich Ihnen hiermit mitteilen, dass ich aufgrund des Angebots eines anderen Unternehmens mich dazu entschlossen habe, dort künftig als XXX zu arbeiten. Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen, doch aktuell scheint es mir die Arbeitsstelle zu sein, die meinen Fähigkeiten und Qualifikationen am besten entspricht.“

„Vielen Dank für das Interesse an meiner Person und für das freundliche Gespräch am XXX in Ihrem Betrieb. Bereits im Vorstellungsgespräch hatte ich Ihnen von einem zweiten Gespräch berichtet, was nun letztlich auch zur Zusage zur ausgeschriebenen Stelle geführt hat. Nach reiflicher Überlegung habe mich dazu entschieden, diese Zusage anzunehmen. Daher möchte ich meine Bewerbung in Ihrem Haus hiermit zurückziehen.“

„Sehr gerne hätte die Stelle in Ihrem Betrieb angenommen, doch aus privaten Gründen ist mir dies aktuell leider nicht mehr möglich. Aufgrund eines plötzlichen Pflegefalls in der Familie, der vorübergehend zuhause betreut werden muss bis eine geeignete Pflege organisiert ist, habe ich nun keine Kapazitäten mehr frei. Ich hoffe auf ein berufliches Wiedersehen mit Ihnen, denn ich weiß, dass ich mich bei Ihnen sehr wohlgefühlt hätte.“

„Drei Jahre im Ausland leben oder die Stelle in Ihrem Betrieb annehmen? Das war die Frage, die ich mir stellen musste, als mein Mann eine Anstellung in Kanada angeboten bekam. Heute möchte ich Ihnen meine Entscheidung mitteilen: Ich werde die nächsten drei Jahre in Kanada verbringen. In diesem Zusammenhang möchte ich meine Bewerbung heute zurückziehen.“

Bewerbung zurückziehen? Das gehört dazu!

In der Form ähnelt der Rückzug einer Bewerbung ein wenig dem Bewerbungsschreiben selbst: Neben Ihrem Namen, Ihrer Anschrift und Ihren Kontaktdaten muss natürlich der Name und die Anschrift des Empfängers sowie das Datum auf das Absageschreiben. Im Betreff steht die Stelle, auf die Sie sich beworben haben. Nach der persönlichen Anrede folgt die eigentliche Absage. Das Schreiben endet mit einer Grußformel sowie einer Unterschrift. Inhaltlich betrachtet, gehört es zum guten Ton, sich zu bedanken, ein bis zwei Gründe für die Absage zu nennen und freundlich zu bedauern, dass nichts aus der geschäftlichen Beziehung geworden ist.

Zwei Gründe, die Bewerbung ordentlich zurückzuziehen

Natürlich gibt es keine schriftlich fixierte Verpflichtung, eine Bewerbung offiziell zurückzuziehen – aber eine moralische gibt es in jedem Fall. So sprechen letztlich zwei Gründe dafür, eine Bewerbung ordentlich zurückzuziehen:

1.) Fairness. Wer seine Bewerbung offiziell zurückruft, der handelt fair – und zwar dem Unternehmen gegenüber, das sich die Bewerberauswahl in der Regel nicht gerade leicht macht. Doch auch Mit-Bewerbern gegenüber ist dieses Verhalten nur fair, denn Sie machen die Stelle frei für einen anderen.

2.) Zukunft. So abgedroschen die Floskel „man sieht sich im Leben immer zweimal“ auch klingen mag – auch im Berufsleben ist das natürlich möglich. Und so ist es nur sinnvoll, den Betrieb ordentlich und ehrlich zu informieren, dass Sie die Bewerbung zurückziehen möchten. Vielleicht müssen Sie später eine geschäftliche Partnerschaft mit diesem Betrieb eingehen oder sich sogar noch einmal bewerben – dann macht es nur Sinn, sich „im Guten“ zurückgezogen zu haben.

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