Martin hat drei Leidenschaften: Grafik, IT und Disposition. Er bewirbt sich daher auf drei ganz unterschiedliche Ausbildungen.

„Bei der Bewerbungsmappe kommt es auf den Inhalt an.“ Diesen tollen und dabei nichtssagenden Tipp hört wohl jeder regelmäßig, der sich um einen Job bemüht. Doch was der richtige Inhalt ist, lässt sich nur schwer sagen und ist darüber hinaus auch noch abhängig vom jeweiligen Job. Genau aus diesem Grund heißt die zweite Überschrift dieses Beitrags auch „drei Jobs, drei Mappen“. Martin hat sich nämlich auf drei ganz unterschiedliche Ausbildungsberufe beworben – mit jeweils unterschiedlichen Inhalten in der Bewerbungsmappe. Eins sei vorweg verraten: Die Mühe hat sich gelohnt, denn Martin hatte am Ende die große Auswahl, welchen Ausbildungsplatz er annehmen wollte, denn er erhielt nach drei ganz unterschiedlichen Mappen und drei Vorstellungsgesprächen auch drei Zusagen.

Bewerbung Nummer 1: Martin bewirbt sich als Mediengestalter

Martin war schon immer kreativ, doch in der Schule hat sich das nur selten in den Noten niedergeschlagen. Vielmehr hat Martin immer schon gerne gekritzelt und durch ein Zeichenbrett, das er an den Computer anschließen konnte, auf seine Art seine Kreativität ausgelebt. Für seine Bewerbung als Mediengestalter hat er sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Er hat eine eigene Schrift kreiert, die er sukzessive in den Überschriften seiner Bewerbungsmappe verwendet hat. Das hat er zum Inhalt der Bewerbungsmappe gemacht:

  • ein Deckblatt mit Bewerbungsfoto
  • ein Bewerbungsschreiben
  • ein Lebenslauf
  • eine Dritte Seite
  • ein aktuelles Schulzeugnis
  • Zeugnisse über Praktika in einem Verlag und einer Medienagentur
  • Arbeitsproben

Das Besondere dieser Bewerbung war sicherlich die Dritte Seite. Diese ist für einen angehenden Auszubildenden eigentlich unüblich, doch Martin wusste, wie er diese Seite inhaltlich passend füllen konnte – er berichtete, wie seine eigene Schrift entstanden ist. Bei den Arbeitsproben legte er eine kleine Auswahl an Gestaltungen bei: eine Geburtstagskarte, ein Layout der Schülerzeitung, ein Scribble für eine Homepage. So konnte Martin auch zeigen, dass er sich mit den Anforderungen des Jobs auseinandergesetzt hat, denn diese liegen sowohl im Digitalen als auch im Printbereich.

Bewerbung Nummer 2: Martin bewirbt sich als Elektroniker für Informations- und Systemtechnik

Martin hat Innovationsgeist. Für ihn ist es eine Herausforderung, die heimische Technik im Keller seines Vaters zu optimieren und alle möglichen Finessen und Raffinessen einzubauen. Selber kleine Programme zu schreiben, die dann Mamas Hausarbeiten erleichtern, ist Martins neueste Erfindung. Wie er diese zum Beruf machen kann, weiß er auch schon: als Elektroniker für Informations- und Systemtechnik. Diese Unterlagen hat er zum Inhalt der Bewerbungsmappe gemacht:

  • ein Bewerbungsschreiben
  • ein Lebenslauf mit Bewerbungsfoto
  • ein aktuelles Schulzeugnis
  • ein Zeugnis über ein Praktikum in einem IT-Betrieb

Diesmal ist Martins Bewerbungsmappe Inhalt viel übersichtlicher, denn er weiß: Bei seinem Wunschberuf kommt es nun auf klare Fakten an und bei seinem Wunschbetrieb wird er – wenn die Bewerbung gefällt – zum Einstellungstest geladen, der viel aussagekräftiger ist, als ein paar Schulnoten in meist praxisfremden Schulfächern.

Bewerbung Nummer 3: Martin bewirbt sich als Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung

Die Disposition von Gütern reizt Martin sehr.

Martins Papa ist Lkw-Fahrer. Gelernt hat er diesen Beruf nicht, doch da er in seinem gelernten Beruf als Maler und Lackierer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, fährt er seither Lkw. Das macht ihm Spaß, denn Martins Vater fährt gerne und kommt gut bei den Kunden, die er regelmäßig beliefert. Seine Fahraufträge bekommt er von einem Disponenten. Dort durfte Martin bereits ein Schnupperpraktikum machen. Der Job gefällt ihm sehr und kommt seiner Leidenschaft für Erdkunde und Straßenkarten sehr entgegen. So sieht Martins Bewerbungsmappe jetzt aus:

  • ein Bewerbungsschreiben
  • ein Lebenslauf mit Bewerbungsfoto
  • ein aktuelles Schulzeugnis
  • ein Zeugnis über das Schnupperpraktikum
  • ein Zertifikat über die erfolgreiche Teilnahme am Schulprojekt „Schulfirma“ und am Erkunde-Wettbewerb der 9. Klassen

Im Projekt „Schulfirma“ war Martin derjenige, der sich um die Finanzen gekümmert hat. Das zeigt sich im Übrigen auch in seinen Noten, denn in Mathematik und Rechnungswesen ist Martin richtig gut. Beim Erdkunde-Wettbewerb ging es darum, eine Wegstrecke von Berlin nach Dubai zu kreieren – ohne dafür technische Geräte zu benutzen, sondern lediglich mithilfe von Karten.

Machen Sie Details Ihres Lebens zum Bewerbungsmappe Inhalt

Auch wenn das auf den ersten Blick recht kryptisch klingt, so ist es doch genau das, was Martin in seinen drei Bewerbungen getan hat. Er hat kleine Details aus seinem Leben gepickt, diese belegt durch Zertifikate oder Praxisbeispiele und dadurch für jeden Ausbildungsberuf eine eigene Bewerbung geschaffen, die dem Unternehmen zeigt: Martin weiß um die Berufsspezifika und bringt das Wichtigste mit – und das ist Passion für den Job. Weitere Beispiele könnten dies sein:

  • Wer sich als Tierpfleger bewirbt, kann sein ehrenamtliches Engagement im Tierheim erwähnen.
  • Wer sich als Kindertagesmutter in einer getragenen Einrichtung bewirbt, kann natürlich neben der pädagogischen Fachqualifikation auch die eigenen Kinder als Referenz nennen.
  • Wer Fotograf werden möchte, sollte natürlich eigene Aufnahmen als Arbeitsproben beilegen.
  • Wer als Animateur anheuert, sollte zumindest regelmäßig trainieren und im besten Fall auch eine Gruppe betreuen, um zu zeigen, dass nicht nur Sport, sondern auch Teamwork sein Fall sind.

Bildnachweis: Martin Lehotkay/fotolia.com, Arsel/fotolia.com

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