Ein Duales Studium verbindet Theorie und Praxis, bedeutet aber auch: zwei Bewerbungen, zwei Einstellungstests, zwei Ausbildungsstränge.

Was ist eigentlich beim Lebenslauf Duales Studium das Besondere? Eine einfache Frage, die eine doch so weitreichende Antwort nach sich trägt, denn: Das Besondere an einem Lebenslauf Duales Studium ist eigentlich, dass zwei Lebensläufe nötig sind, um sowohl einen Studienplatz als auch einen Ausbildungsplatz zu bekommen, denn das Duale Studium vereint beides: die praxisnahe Ausbildung im Betrieb und die theoretische Ausbildung der Fachkenntnisse im Rahmen eines Studiums.

Wer sich auf ein Duales Studium bewirbt, muss sich darüber klar sein, dass dieser Weg ein „Weg hoch 2“ ist. Während andere eine Ausbildung ODER ein Studium absolvieren, passiert im Dualen Studium beides. Im Semester-Block-System werden praktische Inhalte wie im Rahmen einer dualen Ausbildung im Betrieb vermittelt. Im nächsten Block, dem Theorie-Block, geht es an die Hochschule, an der entsprechende Fachthemen theoretisch beleuchtet werden. Übersetzt auf den Schritt vor dem eigentlichen Dualen Studium heißt das: Wer sich für ein Duales Studium bewerben möchte, muss einen Arbeitgeber finden, der ihn in der Hälfte der regulären Ausbildungszeit praktisch ausbildet (und theoretisch unterstützt) sowie die Freiheiten schafft, um in jedem zweiten Semester die Hochschule zu besuchen (an die auch eine Bewerbung geschickt werden muss).

Was ist die richtige Reihenfolge?

So manch einer mag sich nun zu Recht fragen, was denn nun an erster Stelle steht: die Bewerbung beim Betrieb oder die Bewerbung an der Hochschule? Grundsätzlich ist beides möglich, jedoch auch beides mit Risiken verbunden. Wer sich zuerst an einer Hochschule bewirbt und auch zugelassen wird, dann aber keinen betrieblichen Ausbildungsplatz findet, hat ebenso wenig etwas vom Studienplatz, wie wenn dieser bereits via Vertrag in der Tasche ist und der-/diejenige keine Zulassung zum Studium erhält. Ergo: Der „Weg hoch 2“ beinhaltet auch zwei Zitterpartien. Und diese Zitterpartien folgen zwei Bewerbungen mit zwei Lebensläufen und im schwierigsten Fall sogar zwei Einstellungstests.

Tipp: Studienberater an Hochschulen halten oft Kontakt zu Betrieben, die die praktische Ausbildung anbieten und kennen die Regelungen, welche Reihenfolge ganz individuell am schnellsten zum Erfolg führt. Ein Beratungsgespräch ist hierbei in jedem Fall sinnvoll.

Diese Unterlagen müssen in die Bewerbungsmappe

Die folgende Übersicht zeigt, wie sich die Bewerbung aufbaut, die an die Hochschule geschickt wird, und wie die Bewerbungsmappe aussieht, die an den Betrieb geschickt wird.

Bewerbungsmappe an den BetriebBewerbungsmappe an die Hochschule
  • Bewerbungsschreiben
  • Lebenslauf Duales Studium
  • Zeugnisse (Beruf, Schule, Praktika)
  • Zertifikate, Bescheinigungen, etc.
  • + ggf. Immatrikulationsbescheinigung der Hochschule
  • Lebenslauf Duales Studium
  • Abiturzeugnis (oder andere Hochschulzugangsberechtigung)
  • + ggf. Ausbildungsvertrag mit dem Betrieb

Grundsätzlich gilt auch hier: Senden Sie die Unterlagen an die Hochschule oder den Betrieb, die von der Stelle auch gefordert werden. Das heißt, dass die Bewerbungsmappe durch individuelle Wünsche durchaus noch veränderbar ist, was so viel bedeutet wie: Wünscht sich das Unternehmen einen ausformulierten Lebenslauf, bekommt der Betrieb diesen auch. Fordert die Firma explizit noch ein extra beigelegtes Motivationsschreiben, müssen Sie auch dieses anfertigen, um einen Chance auf den Ausbildungsplatz zu haben. Ähnliches gilt auch bei der Hochschule: Fordert eine Hochschule spezielle Praktika-Nachweise, müssen diese in jedem Fall beiliegen.

Duales Studium – seit wann gibt es das eigentlich?

Das Duale Studium ist eine Option für all diejenigen, die über eine Hochschulzugangsberechtigung verfügen und Theorie und Praxis kombinieren wollen.

Das Duale Studium ist nicht etwa ein Novum des 21. Jahrhunderts, sondern vielmehr eine Reaktion auf den Boom an Gymnasien und Hochschulen. Die Zahl der Abiturienten stieg, die Zahl der Studenten stieg, die Sorge der Betrieb um qualifizierte Fachkräfte stieg ebenso. Die Idee war also, auf alle drei Entwicklungen zu reagieren. Das erste Gedankengerüst dazu entstand bereits 1972 und nannte sich das „Stuttgarter Modell“, da die Idee vom Weltkonzern Daimler-Benz eingereicht wurde, der seinen Sitz in Baden-Württemberg hat. Die Folge waren erste Berufsakademien, die bereits im Jahr 1974 entstanden. Das Resultat: Die Plätze an den Berufsakademien waren heißbegehrt, allerdings hatten sie ein Manko, denn die Abschlüsse waren nicht mit denen kongruent, die klassische Studenten an Universitäten und Hochschulen erwerben konnten.

Erst im Jahr 1995 wurde der Abschluss dem von Fachhochschulabsolventen gleichgesetzt, was ein kleiner Schritt in Richtung Akademisierung war. Im Jahr 2009 dann schlug endlich die finale Stunde der Akademisierung: Aus den baden-württembergischen Berufsakademien, die mittlerweile einige Nachahmer in anderen Bundesländern hatten, wurden Duale Hochschulen, an denen ein Bachelor-Abschluss erreicht werden konnte, der immerhin international anerkannt war. Heute, nur wenige Jahre nach dem Durchbruch in Baden-Württemberg, wird die Möglichkeit eines Dualen Studiums vielerorts angeboten. Das System folgt dabei grundsätzlich dem der USA.

Auch ein Blick in die Zahlen zeigt, dass das Duale Studium zum wahren Dauerbrenner geworden ist: Zwischen 2006 und 2011 hat sich die Zahl der Studienangebote verdoppelt, der Höchststand war laut wegweiser-duales-studium.de im Jahr 2014 mit 1.500 Angeboten. Die Zahl der Betriebe, die eine Duale Studienmöglichkeit anbieten, wuchs auf 40.000 an (im Jahr 2011). Ähnliches zeigt sich auch bei den Studentenzahlen, die im Jahr 2014 bereits bei 95.000 lag. Spannend wird nun zu beobachten sein, ob es einen Wettkampf zwischen Dualen Hochschulen und Universitäten geben wird, denn wenn die Erstsemester ausbleiben, wird sich das Studienangebot entsprechend anpassen müssen, um wettbewerbsfähig zu sein.

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