Wer umzieht, sollte dies auch im Bewerbungsschreiben  erwähnen.

Wie viele Kilometer vom eigenen Wohnort hin zur Arbeitsstelle zumutbar, zulässig oder gar rechtmäßig sind, löst in Diskussionsrunden regelmäßig Chaos aus. Warum? Weil ein Weg der 40 Kilometer lang ist, in 30 Minuten oder aber in 90 Minuten zurückgelegt werden kann. Das hängt zum einen vom Fortbewegungsmittel ab und zum anderen auch von den Arbeitszeiten. Nur in einem Punkt sind sich Arbeitsrechtler einig: Das Problem des Arbeitsweges ist Sache des Arbeitnehmers. Wer sich nun aber entscheidet, aufgrund eines Jobs umzuziehen und einen neuen Job zu suchen, weil er umgezogen ist, sollte dies auch in die Bewerbung schreiben. So klappt’s mit der passenden Formulierung.

Wie bereits erwähnt gibt es zwei Personengruppen, die ihren Umzug zum Thema in ihrer Bewerbung machen sollten.

  1. Bewerber, die für den Job umziehen würden
  2. Bewerber, die umgezogen sind (bzw. umziehen werden) und einen neuen Job suchen

Zunächst steht nun die Gruppe derer im Fokus, die für den Job umziehen würden (1). Es ist nicht unüblich, dass gerade Absolventen eines Hochschulstudiums, die vielleicht sogar des Studiums wegen ihre Heimat verlassen haben, sich fern ab von dem Universitätsstandort oder der alten Heimat bewerben. Das ist nichts Schlimmes, im Gegenteil: Bewerber können dies nutzen, um eine persönliche Note ins Bewerbungsschreiben einzubringen, wie die folgenden Beispiele zeigen:

„Um genau zu sein trennen mich aktuell 287 Kilometer von dem Ort, an dem ich geboren wurde, denn für das Maschinenbaustudium bin ich umgezogen. Anfangs war es zwar emotional schwer, doch es hat mich auch weitergebracht. Noch weiter würde ich natürlich auch für meinen Traumjob gehen, den ich in Ihrer Stellenbeschreibung gefunden habe, deswegen ist ein Umzug für mich kein Schreckgespenst, sondern wieder ein Schritt vorwärts.“

„26 Jahre an einem Ort – jetzt reicht’s! Verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich ist meine Bewerbung bei Ihnen nicht Mittel zum Zweck, um meinen Heimat- und Geburtsort zu verlassen, aber es ist der richtige Grund, wegzugehen. Deswegen sehe ich einem Umzug gelassen und sogar positiv entgegen.“

„Erst Pendler. Dann Umzug. Und jetzt nochmal! Mit dieser kurzen Beschreibung wollte ich Ihnen sagen, dass ich zu Beginn meiner Ausbildung noch bei meinen Eltern gewohnt habe und täglich 76 Kilometer zur Arbeitsstelle gefahren bin. Nach eineinhalb Jahren Ausbildung erfüllte ich mir den Traum von der ersten eigenen Wohnung. Ob es nun weitere 76 Kilometer voran geht oder das neue Ziel 124 Kilometer (im Übrigen genau die Entfernung, die mich gerade von Ihrem Standort trennt) weit entfernt liegt, ist im Moment nebensächlich, denn mir geht es um diese Stelle in Ihrem Unternehmen.“

Bye, bye, Autobahn – jetzt wird wohnortnah gearbeitet

Wer täglich lange Strecken bis zur Arbeitsstelle zurücklegen muss, raubt sich selbst freie Zeit.

Viele Gründe können einen zu einem Umzug bewegen. Sei es der Liebe wegen, sei es der Sesshaftigkeit und der Anschaffung einer eigenen Immobilie wegen … Gründe für einen Umzug gibt es genug. Und natürlich tun sich all diejenigen leichter, die im gewohnten Umfeld bleiben können, doch ist das eben nicht immer möglich. Neben dem Neustart in einem neuen Zuhause oder einer neuen Stadt muss natürlich auch das Berufliche geklärt sein. Viele frisch Umgezogene nehmen lange Fahrtstrecken auf sich – und merken die Anstrengung stundenlanger Autobahnfahrten oft erst, wenn im neuen Zuhause Ruhe eingekehrt ist und der letzte Karton ausgeräumt ist. Dann steht das Projekt Arbeitsstelle auf dem Plan. Wer sich bewirbt, weil er umgezogen ist (oder in naher Zukunft umziehen möchte), kann die folgenden Formulierungen in der Bewerbung nutzen:

„Seit gut acht Wochen lebe ich nun schon in meiner neuen Heimat, die ich durchaus liebgewonnen habe und von der ich gerne mehr erleben möchte. Das kann ich allerdings nicht verwirklichen, wenn ich weiterhin drei Stunden täglich auf der Hin- und Rückfahrt zu meiner Arbeitsstelle verbringe. Der langfristige Plan, mich beruflich umzuorientieren, stand also fest und als erster Schritt in diese Richtung habe ich mich gezielt nach freien Stellen in Ihrem Unternehmen umgesehen – und eine gefunden, die zu meinem Qualifikationsportfolio passt.“

„Ausbildung. Berufspraxis. Weiterbildung. Berufspraxis. Immobilienkauf. Lange Zeit habe ich meine Zeit nur in die Aus- und Weiterbildung investiert. Nun habe ich meine Traumimmobilie gefunden – die leider zu weit weg liegt von meiner bisherigen Arbeitsstelle. Da ich zum XX.XX. umziehen werde, sende ich Ihnen bereits heute meine Initiativbewerbung mit der Bitte um Prüfung hinsichtlich einer Stelle in Ihrem Haus.“

„Mit 36 Jahren sesshaft werden zu wollen, bezieht sich bei mir nur auf den privaten Sektor. Da ich zurück in Richtung meiner alten Heimat möchte, bewerbe ich mich heute um die Stelle als XXX bei Ihnen. Denn damit könnte ich gleich zwei Dinge erreichen: Umziehen in meine Heimat und beruflich wieder durchstarten.“

Warum so viele Worte um den Jobwechsel verlieren? Weil Arbeitgeber von Natur aus kritisch sind und gerne wissen, warum sich ein Arbeitnehmer ohne ersichtlichen Grund einen neuen Job sucht. Darum sollten Sie den neuen Arbeitgeber von Ihren Umzugsplänen berichten.

Bildnachweis: science photo/fotolia.com, Alexandra GI/fotolia.com

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