Früher verkaufte sie Kleidung. Doch seit ihrem Unfall kümmert sie sich um den Webauftritt des Kleidungsshops. Wie Sie das bei der Bewerbung formuliert, steht unter Punkt 3.

Ein wenig brummt noch der Kopf, aber endlich ist die Weiterbildung geschafft und es gilt die Traumstelle zu finden, die nun der Lohn der Mühen sein soll. Natürlich kann jeder sich innerbetrieblich nach einer Position umsehen, die den neuen Qualifikationen entspricht, aber realistischer ist es, einen kompletten beruflichen Neustart in einem neuen Betrieb zu wählen. Natürlich können auch private Gründe ausschlaggebend dafür sein, den Beruf zu wechseln. Neuer Arbeitgeber. Neuer Beruf. Neues Leben. Aber wie soll’s ins Bewerbungsschreiben?

1.

„Die drei ist meine Glückszahl: Nach meiner dreijährigen Ausbildung habe ich drei Jahre Berufserfahrung gesammelt und den Arbeitgeber gewechselt. Anschließend stand die Fortbildung auf meinem Karriereplan, die ich nun erfolgreich abgeschlossen habe. Möchten Sie nun mein 3. Arbeitgeber – und damit auch mein Einstieg in meinen neuen Beruf sein?“

Diese Formulierung zeigt in wenigen Worten den Werdegang auf und verpackt ihn witzig mit der Glückszahl „3“. Strebsamkeit kommt hier sehr gut zur Geltung, nur könnte es sein, dass der Personalreferent sich fragt: Und was kommt nach uns? Klären Sie auf, dass der 3. Arbeitgeber Ihre „finale Wirkungsstätte“ sein soll.

2.

„Suchen Sie in meinem Lebenslauf nicht nach einer Ausbildung zum Grafiker – diese habe ich nicht absolviert. Dennoch habe ich die letzten zehn Jahre in einem Verlag als Mediengestalter und Leiter der Grafikabteilung gearbeitet. Meine grafischen Werke habe ich Ihnen beigelegt. Ich würde mich freuen, auch in Ihrem Betrieb mich um die grafischen Werke kümmern zu dürfen – ohne das entsprechende Ausbildungs-Zertifikat in den Händen zu halten.“


Ein klein wenig ist das die Geschichte der Selfmade-Karriere, denn dieser Bewerber hat sich nicht mittels Aus- und Weiterbildung qualifiziert, sondern rein über praktische Erfahrungen. Besonders Unternehmen, die nicht nur die Arbeitskraft, sondern auch Erfahrung mit ins Unternehmens-Boot holen wollen, freuen sich über diese Quereinsteiger-Bewerbungen.

3.

„Ursprünglich habe ich einem Bekleidungsfachgeschäft Einzelhandelskauffrau gelernt. Doch seit einem Motorradunfall bin ich auf den Rollstuhl angewiesen – und konnte mich im Laden nicht mehr fortbewegen. Da der Laden in punkto Internet gänzlich schlecht aufgestellt war, habe ich mich hinter meinen Computer geklemmt und Homepage und Webshop entworfen – und so den Absatz extrem gesteigert. Die Pflege von Homepage und Webshop kann meine Chefin nun selbst übernehmen, allerdings würde ich gerne nun Ihre Online-Aktivitäten in die Hand nehmen – und habe mich sehr gefreut, als ich ihre Stellenanzeige als Online-Managerin gelesen habe.“

Diese Formulierung zeigt, wie ein Jobwechsel durch einen persönlichen Schicksalsschlag bedingt werden kann. Natürlich kann auch eine Krankheit, eine Allergie gegen eine Produktionsart oder einen Produktionsrohstoff Grund dafür sich, sich beruflich neu zu orientieren. Wie dieses Beispiel zeigt, ist es auch hier empfehlenswert, die ganze Geschichte zu erzählen – das hilft dem Personalreferenten die Gründe zu verstehen.

4.

„Meine beiden Söhne sind heute 4 und 6 Jahre alt, besuchen den Kindergarten und die Schule – und ich freue mich, endlich wieder ins Berufsleben einsteigen zu können. Während der Elternzeit habe ich hauptsächlich gejobbt: Ich habe in einem Gastronomiebetrieb gekellnert und im Supermarkt kassiert. Nun bin ich auf Ihre Stellenanzeige als Teilzeitkraft in Ihrem Indoor-Spielplatz aufmerksam geworden: Da ich gerne mit Kindern beisammen bin, sehr viel Freude habe, außergewöhnliche Geburtstagsfeiern zu organisieren und in den letzten Jahren auch Erfahrungen in der Gastronomie sammeln durfte, bringe ich sicherlich jede Menge Rüstzeug mit, mich als Allrounderin im Indoor-Spielplatz einzubringen – auch wenn ich ursprünglich einmal OP-Schwester gelernt habe.“

Dieses Beispiel macht deutlich, welche Möglichkeiten eine Mutter nach der Elternzeit hat, wenn sie nicht mehr in ihren erlernten Beruf zurück will oder kann: Sie nutzt ihre temporären Beschäftigungen im Rahmen der Elternzeit, um sich nun um eine neue, berufliche Herausforderung zu bemühen.

5.

„Die letzten vier Jahre war ich aufgrund privater Umstände nicht erwerbstätig. Ich habe meine kranke Großmutter gepflegt, die nun ihrer Erkrankung erlegen ist. In meinem alten Beruf möchte ich nicht mehr zurückkehren. Als Altenpflegerin würde ich ständig meine Großmutter vor Augen sehen, deswegen strebe ich einen beruflichen Neustart an. Um mich zu qualifizieren, habe ich bereits einige BWL-Seminare und Computerkurse besucht und würde mich freuen, bei Ihnen als Bürokraft die nötige Praxiserfahrung sammeln zu können.“

Auch dieses Beispiel beschreibt eindrucksvoll, warum es so wichtig ist, die private Geschichte zu erzählen. Gerade im Pflegebereich sind Fachkräfte Mangelware. Wer sich bewusst gegen diese Branche entscheidet, muss einen triftigen Grund haben – und dieser liegt im Privaten begründet.

“Nice to have” statt Zwang

Nach der Elternzeit gehen nur wenige Mütter zurück in ihren erlernten Beruf. Viele vollziehen einen Berufswechsel.

Zu erklären, warum man den Beruf wechseln möchte, ist kein Zwang. Wer nur im Lebenslauf dokumentiert, wann er welche Aufgaben erfüllt hat – ohne berufliche Schwankungen zu kommentieren – lässt die Frage im Grunde fürs Vorstellungsgespräch offen. Den Grund zu nennen, ist ein „Nice to have“ – und keine Verpflichtung. Bedenkt man allerdings den Servicecharakter, den ein Bewerbungsschreiben erfüllen sollte, so kommt es doch sehr gut an, dem Personalreferenten in einigen persönlichen Worten zu erläutern, warum es zum Wechsel des Berufs kam – oder kommen soll.

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41 Fragen aus dem Einstellungstest

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