Selbst wenn pure Langeweile der Grund ist, dass Sie sich nach beruflichen Alternativen umsehen, sollten Sie dies dem neuen Arbeitgeber nicht sagen.

Die aktuelle Arbeit langweilt und es muss endlich eine neue Aufgabe her. Soviel zum Status Quo. Doch selbst wenn das so ist, ist bei der Formulierung Diplomatie gefragt, denn nur wer es schafft, den „alten“ Arbeitgeber als Meilenstein zu verkaufen, der zur Suche nach neuen Herausforderungen befähigt hat, wird vom potentiell „neuen“ Arbeitgeber die Chance bekommen, sich zu beweisen. Die Kunst dabei liegt darin, zu erklären, dass Sie bereit sind für Neues – ohne dabei „Altes“ schlechtzureden.

Unabhängig davon, ob Sie sich aus gekündigter oder ungekündigter Stellung heraus bewerben, gilt: Über Ex-Arbeitgeber wird nicht hergezogen. Das heißt, selbst wenn Geschäftsmethoden und Mitarbeiterführung noch so unerträglich waren, langweilen Sie Ihren potentiell neuen Arbeitgeber nicht mit Hasstiraden. Grundsätzlich haben Sie in diesem Fall immer zwei Möglichkeiten:

  1. Entweder Sie schweigen und schreiben zu Ihrem Ex-Arbeitgeber gar nichts in Ihrem Bewerbungsschreiben oder
  2. Sie picken sich die positiven Seiten heraus und konstruieren daraus Sätze, die zeigen, was Sie dort gelernt haben.

Warum Lästern im Bewerbungslauf ein No-Go ist? Das ist schnell erklärt, denn jeder Bewerber der lästert, könnte auch über den potentiell neuen Arbeitgeber später einmal schlecht reden, wenn sich die Wege trennen. Und das will jedes Unternehmen verhindern.

Besser keine 0-8-15-Floskeln

Sätze wie

ich stelle mir die Stellung als XXX besonders spannend vor“, „in diesem Bereich würde ich mich gerne einmal ausprobieren“, „diese Aufgabe reizt mich ganz besonders

oder

dieser Aufgabenbereich wäre für mich eine ganz spezielle Herausforderung

habe zwei Dinge gemein: Sie zeigen, dass die neue Stelle eine neue Herausforderung wäre und – sie werden den Personalreferenten sicherlich zu Tode langweilen.

So werden „Herausforderungen“ pfiffig formuliert

Die Kunst besteht darin, in nur ein bis maximal drei Sätzen deutlich zu machen, was bisher das Arbeitsleben bestimmt hat – und was künftig das Arbeitsleben bestimmen soll. Dabei sollten Sie das Wort „Herausforderungen“ im Grunde komplett meiden, denn das Resultat ist dabei offen und kein Unternehmen möchte das Risiko wagen, dass der neue Angestellte an einer Herausforderung scheitert.

  • Wer nach einer Ausbildung zum Koch, eine Weiterbildung zum Diätkoch absolviert hat und nun eine neue berufliche Stellung sucht, könnte dies so formulieren: „Auf hoher See habe ich mich nie gesehen, dennoch wollte ich Koch lernen und habe mich anschließend im Bereich Diätkost spezialisiert. Mit Kenntnissen zu Nährwerttabellen und Diätvorschriften fühle ich mich gut gerüstet für einen Einsatz in der Küche Ihrer Kurklinik.“
  • Wer nach einer Ausbildung zum Glaser sich vom Fassadenbau zum Fahrzeugbau umorientieren möchte, könnte Folgendes schreiben: „Das Glas nicht gleich Glas ist, weiß ich bis dato zumindest theoretisch – nun soll die Praxis folgen. Nach drei Jahren als Glaser im Fassadenbau möchte ich nun für klare Sicht auf der Straße sorgen.“
  • Wer eine Ausbildung zum Fliesen-, Platten- und Mosaikleger absolviert hat und nun die Stelle wechseln will, könnte dies wie folgt formulieren: „Nach dem erfolgreichen Abschluss meiner Ausbildung habe ich mich zunächst auf das Fliesen von großen Flächen spezialisiert, um die bisher gelernten Fähigkeiten noch besser einüben zu können. Mit der Zeit habe ich immer mehr Gefallen an filigranen Arbeiten mit Mosaiksteinen gefunden. Da das Ihr Spezialgebiet ist, würde ich mich freuen, in Ihrem Betrieb diese Profession ausüben zu können.“

Das Erfolgsgeheimnis lautet also: Persönlichkeit + Kreativität = die optimale Formulierung

Welche Gründe sprechen für einen Wechsel des Arbeitsplatzes?

Die Tatsache, dass in diesem Artikel nur der Grund „eine neue Herausforderung zu suchen“ in eine passende Formulierung gebracht wurde, muss allerdings nicht heißen, dass dies der einzige Grund ist, den Job zu wechseln. Mit Blick auf die folgende Grafik zeigt sich, dass eher andere Gründe für einen Jobwechsel ausschlaggebend sind: Schlechte Bezahlung und schlechtes Arbeitsklima sind die Anführer der Gründe, sich um eine neue Stelle zu bemühen. Der Arbeitsweg, die Entwicklungsmöglichkeiten, die Verantwortung und eine bessere Work-Life-Balance liegen weit abgeschlagen dahinter.

Statistik: Was wären für Sie Gründe für einen Arbeitsplatzwechsel? | Statista

Wann kommt die Wahrheit ans Licht?

Obgleich eingangs der Ratschlag stand, nicht schlecht über ehemalige Arbeitgeber zu sprechen, soll dies noch lange nicht heißen, dass in Bewerbungsschreiben oder im Vorstellungsgespräch gelogen werden darf. Der beste Tipp ist, das Thema auszuklammern und nicht anzusprechen. So vermeiden Sie, lügen zu müssen oder schlecht über den Arbeitgeber sprechen zu müssen. Werden Sie direkt vom Personalreferenten auf etwaige Gerüchte zu Arbeitsklima etc. angesprochen (die vielleicht in der Branche bekannt sind), antworten Sie am besten diplomatisch und wählen eine der folgenden Formulierungen:

  • „Ich habe mich damals bewusst für die Stelle als XXX in diesem Betrieb entschieden, weil es zu meiner damaligen beruflichen Qualifikation gepasst hat. Nun bin ich dieser entwachsen und suche nach einer adäquaten Stellung.“
  • „Das, was ich persönlich in diesem Betrieb erreichen wollte, habe ich auch geschafft. Ich suchte nach einem beruflichen Einstieg und konnte hier erste Praxiserfahrungen machen – auch um zu erkennen, wohin mich mein beruflicher Weg führen soll.“
  • „Sicherlich wird viel gemutmaßt, doch für mich gesprochen, war die Zeit im Unternehmen eine Erfahrung, die mich weitergebracht hat.“

Bildnachweis: Jeanette Dietl/fotolia.com

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