Vom Blaumann in den Anzug – doch wie kann das formuliert werden?

Wer nach der Schule eine Ausbildung beginnt ist noch recht jung. Viele können in diesem Alter noch gar nicht abschätzen, was es bedeutet, bis ins Rentenalter in einem Beruf tätig zu sein. Wer nach Abschluss der Ausbildung oder nach den ersten Jahren Berufspraxis bereut, sich für den Beruf entschieden zu haben, muss nicht bis zum Rentenalter unglücklich mit seinem Beruf sein – sondern kann sich weiterbilden oder eine weitere Ausbildung machen. Im Bewerbungsschreiben stehen natürlich beide Ausbildungen im Lebenslauf – doch wie wird ein Branchenwechsel im Bewerbungsschreiben formuliert?

Aus der aktuellen Xing-Umfrage geht hervor: 83 Prozent der Erwerbstätigen sind „eigentlich“ zufrieden im Job. Doch das Wörtchen „eigentlich“ verrät schon, dass auch 53 Prozent nach einem erfüllteren beruflichen Alltag streben und 34 Prozent sogar offen sind für einen Neuanfang. Was sie sich dabei wünschen zeigt diese Infografik:

Infografik: Arbeiten und Leben in Deutschland 2015 | Statista

34 Prozent sind bereit für den Neustart, doch wie sagen Sie’s dem Neuen?

Wer sich gedanklich auf den Neustart einstellt, der hat sich bereits mit den Möglichkeiten befasst, die sich in diesem Zusammenhang auftun …

  • Soll eine zweite Ausbildung angeschlossen werden, die vielleicht verkürzt werden kann?
  • Soll eine Weiterbildung absolviert werden, die für neue Aufgaben und eine neue Position rüstet?
  • Würde ein Studium helfen, sich weiterzuentwickeln?

… und in aller Regel wurde bereits einer der Wege eingeschlagen, um eine Qualifikation zu erreichen, die dem Traumjob ein gutes Stück näher kommt. So können Sie Ihren Werdegang im Bewerbungsschreiben verpacken:

SituationFormulierungsratgeber
Sie haben eine kaufmännische Ausbildung absolviert und anschließend festgestellt, dass sie nicht für Büroarbeit geschaffen sind. Die Folge: Sie haben eine Umschulung zum Heilpraktiker gemacht und abgeschlossen. Nun suchen Sie eine feste Anstellung.„Ich glaube es war vor einigen Jahren der größte Trend in meiner Klasse, Bürokauffrau zu werden – und natürlich habe auch ich mich um eine entsprechende Ausbildungsstelle bemüht und diese auch bekommen. Nach der Übernahme wurde mir klar: Diesen Job kann ich nicht bis zur Rente machen. Deswegen habe ich mich dafür entschieden, noch einmal zu starten – diesmal in meinem Traumberuf: Heilpraktiker. Die Ausbildung werde ich in drei Monaten beenden – und anschließend würde ich mich freuen, in Ihrer Praxis tätig sein zu dürfen.“ Tipp: Geben Sie die wahren Wechselgründe Ihrem neuen Arbeitgeber ruhig preis. Nur so kann er sich ein Bild davon machen, warum sie sich um-entscheiden. Und wer die Berufswahl als „Jugendsünde“ empfindet wird noch lange nicht als „Job-Hopper“ abgestempelt.
Sie haben eine Ausbildung zum Hotelfachmann absolviert, doch die Hotellerie war keine Punktlandung, weil ihnen dabei die Herausforderung fehlt. Sie jobbten fortan in einer Fast-Food-Kette und möchten nun den Wiedereinstieg im Bereich Systemgastronomie schaffen – und zwar in der Technik.„Zugegeben, es wäre kein kompletter Branchenwechsel, denn nur zu oft wird Hotellerie und Gastronomie in einem Atemzug genannt. Nach meiner Ausbildung zum Hotelfachmann merkte ich schnell, dass ich nicht der ‚Anwender‘ bin, sondern eher der Tüftler. Und auch in der Systemgastronomie reizte mich das ‚wie‘ mehr als das die bloße Tatsache, dass etwas so ist. So besuchte ich noch einmal die Schule und absolvierte eine Ausbildung zum Techniker der Lebensmitteltechnik mit Schwerpunkt Systemgastronomie. Kann ich nun meine Position am Grill gegen eine in der Betriebsstätten-Konzeption tauschen?“ Tipp: Es wirkt authentisch und persönlich, wenn Sie erklären, welche Gründe Sie zum Wechsel veranlasst haben. Wer im Bewerbungsschreiben die Gründe für einen Branchenwechsel nicht offen formuliert, wird sicherlich im Vorstellungsgespräch danach gefragt.
Sie haben eine typische „Mädchenlehre“ absolviert, können aber mit Haarschere und Tönung rein gar nichts anfangen, sondern schrauben lieber Autos und Motorräder zusammen.„ESP, ASR und ABS sind für mich keine Fremdworte – sondern Fachbezeichnungen der Komponenten, die ich gern auf ihre Funktionalität prüfe. Endlich habe ich davon auch meine Eltern überzeugt, die mich einst dazu überredet haben, Friseurin zu lernen. Nachdem ich Ihre Stellenanzeige gelesen habe, in der sie eine /-n Auszubildenden zum /zur Mechatroniker /-in suchen, habe ich meine Chance nun wahrgenommen, die Haarschere endlich gegen Schraubenschlüssel zu tauschen.“  Tipp: Diese Formulierung nimmt Details aus dem späteren Wunschberuf ganz bewusst auf, um zu zeigen: Ich habe mich mit dem Beruf wirklich auseinandergesetzt und weiß jetzt, was ich will.
Sie arbeiten seit zehn Jahren als Bäcker in einem Großbetrieb – nun hat eine Mehlallergie ihren Traumberuf wahrlich zunichte gemacht. Auf der Suche nach Traum Nummer 2 sind sie auf den Mangel an Kinderbetreuungspersonal aufmerksam geworden.„Traumberuf, Klappe die 2.te könnte man meine Story nennen. Nachdem ich zehn Jahre als Bäcker glücklich war, musste ich mich nun aus gesundheitlichen Gründen umorientieren. Gerne möchte ich in einem Praktikum bei Ihnen für mich ausloten, ob ich als Kinderpfleger ebenso viel Spaß haben könnte wie als Bäcker.“ Tipp: Natürlich können auch gewichtige persönliche Gründe wie eine Krankheit oder eine Veränderung der Lebensumstände Auslöser für einen Branchenwechsel sein. Das ist nicht verwerflich – wenn es richtig erklärt wird.

Bildnachweis: Robert Kneschke/fotolia.com

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