Wer sich Notizen macht, kennt sich so gut, um zu wissen, dass die erfassten Informationen so am schnellsten wieder verfügbar sind.

Was so lustig klingen mag, ist im Grunde trauriger Ernst für viele Personalreferenten. Nur zu oft fühlen sie sich beim Lesen einer Bewerbung an das Thema „Keyword-Optimierung“ erinnert. Warum? Weil wichtige Schlagworte vergleichsweise sinnlos oder emotionslos aneinandergereiht werden, wie diese Beispiel zeigt: Ich habe Interesse an der Stelle als XX, habe Kommunikationsstärke, habe Auffassungsgabe, habe Organisationsgeschick, habe …“ So langweilen Sie den Personalreferent ohne Ende. Das heißt nun, dass es nicht nur Ihre Aufgabe ist, Ihre Unterlagen zusammenzutragen, sondern auch, die für Ihre Person wichtigen Schlagworte zum Thema zu machen – und das heißt nicht zwingend, dass sie sie Wort für Wort verwenden müssen.

Bye, bye, langweilige Sätze voller Keywords – und hallo, pfiffige Formulierungsidee für wichtige Eigenschaften wie die Auffassungsgabe. Wie Sie an alternative Formulierungen kommen, ist am Anfang die größte Herausforderung, doch genau dazu gibt es den ultimativen Tipp: Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen des Wortes „Auffassungsgabe“ und schlagen Sie einmal im Wörterbuch nach, was sich genau und im Detail dahinter verbirgt. Folgendes werden Sie dabei herausfinden:

  • Die Auffassungsgabe bedeutet übersetzt „Informationsverarbeitung“, gemeint ist also die Tätigkeit, die es ermöglicht, Informationen, die einem aktiv oder passiv zu teil werden, aufzunehmen.
  • Die Sensoren mithilfe derer erfasst bzw. aufgefasst werden kann, sind alle Sinnesorgane: Ohren, Augen, Finger, Mund und Nase.
  • Zur Auffassungsgabe gehört aber auch die Zuordnung der Information. Wurde diese aufgenommen, muss mittels Analyse oder Erfahrung entschieden werden, was damit passiert oder (technischer ausgedrückt) wo die Information abgespeichert wird.
  • Vom Speicherort hängt auch immer ab, inwiefern Informationen langfristig verfügbar sind. Wer also ein gutes Speichersystem hat, der kann Informationen punktgenau abrufen und sich diese an der entsprechenden Stelle wieder zunutze machen.

Hätten Sie gedacht, dass so viele einzelne Punkte hinter dem Begriff „Auffassungsgabe“ stecken? Nutzen Sie dieses Detailwissen nun, um eine gute Formulierung für Ihr Bewerbungsschreiben zu finden.

Formulierungsratgeber „Auffassungsgabe“

Damit Sie sehen, dass Sie die eingehende Recherche nicht „umsonst“ gemacht haben, beziehen sich die folgenden Formulierungen auf die eingangs gelisteten Definitionen:

„Ich bin ein sehr wissbegieriger Mensch, der neue Informationen gerne aufnimmt, rasch einsortiert und so langfristig verfügbar macht. In der Praxis zeigt sich das an zweierlei: Ich habe immer einen kleinen Notizblock in der Tasche, denn man weiß ja nie, welche neuen Informationen man wann bekommt und – ich bin ein Recherchefreak und muss zur nächstbesten Gelegenheit nachschlagen, was ich eventuell nicht verstanden habe.“

„In Ihrer Stelleanzeige stand, dass Sie sich über MS Office Kenntnisse freuen würden. Gerne möchte ich auf dieses Detail kurz eingehen. MS Word ist mein tägliches Brot. Dazu habe ich auch eine Schulung belegt. MS Excel hat mich persönlich interessiert, hier verfüge ich über gute Kenntnisse, die aber auf dem Prinzip ‚Learning-by-doing‘ fußen. Und MS Power Point … daran habe ich mich noch nicht gewagt, allerdings würde ich dies gerne ändern, eine Schulung besuchen oder die Möglichkeit haben, mir das Programm selbst anzueignen.“

„Interesse, aber keine Neugier. Service, aber keine Übertreibung. Das sei die richtige Mischung für eine Sekretärin erklärte man mir einst. Diese Eigenschaften habe ich mir zu meinem beruflichen Motto gemacht und bin seither sehr erfolgreich damit.“

„Zugegeben, ich bin ein Seminar-Typ. In der Vergangenheit war es oft so: Eine Herausforderung sollte gemeistert werden, ich suchte nach einer Lösung. Diese war oft technisch bedingt und so fahndete ich nach einer passenden IT-Lösung. Ich wählte die sinnvollste Variante aus, besuchte eine Schulung und baute des Rätsels Lösung so in unseren Geschäftsablauf ein, das wir nun mehr Qualität bei weniger Aufwand gewährleisten können.“

Die Verwandtschaft der „Auffassungsgabe“

Wer seine „Auffassungsgabe“ zum Thema im Bewerbungsschreiben machen möchte, muss immer auch eins bedenken: Welche Kenntnisse und Fähigkeiten sind darüber hinaus dem Personalreferenten noch wichtig? Einige sind der Auffassungsgabe ohnehin recht ähnlich:

Wer wissbegierig ist, ist das in der Regel nicht nur während der Ausbildung, sondern auch bei einer Weiterbildung.

  • Die Lernbereitschaft ist auch eine Eigenschaft, die in engem Zusammenhang mit der Auffassungsgabe steht. Wer sich schwertut, Theorien zu pauken, wird herausarbeiten, dass seine Auffassungsgabe in der Praxis besonders gut ist.
  • Auch wenn im Rahmen einer Bewerbung grundsätzlich besser von Herausforderungen als von Problemen gesprochen wird, so ist die Verwandtschaft der „Auffassungsgabe“ zum „problemlösenden Denken“ doch gegeben. Wer Probleme mit seinen Sensoren erfassen kann und beherrscht, diese zu lösen, kann sich mit beiden Eigenschaften schmücken.
  • Wie lange die Informationen, die aus der Auffassung heraus resultieren, später verfügbar sind, hängt mit dem Speicherort und der Gedächtnisleistung zusammen. Das heißt auch, dass ein organisierter „physischer“ oder „psychischer“ Speicher in engem Zusammenhang mit der Auffassungsgabe stehen, denn wer Informationen nur aufnimmt, ohne sie in die passende Schublade zu schieben, wo er sie später auch wieder findet, der kann seine Auffassungsgabe nur geringfügig nutzen.

Grundsätzlich gilt bei der Eigenschaft „Auffassungsgabe“ ähnlich wie bei anderen Eigenschaften: Bringen Sie diese in einer Geschichte oder detailliert formuliert ins Bewerbungsschreiben. Die bloße Aufzählung ist wenig attraktiv für einen Personalreferenten und zeugt nicht gerade von Ihrer Kreativität.

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