Wer die Karriereleiter erklimmen will, muss den Personalreferenten begeistern. „Interesse am Job“ darf dann keine Floskel mehr sein, sondern muss gelebt werden.

Jedem Bewerber, der diese Worte in die Bewerbung schreibt, möchte der Personalreferent am liebsten zurufen: „Das hoffe ich doch – sonst hätten Sie sich ja wohl nicht beworben.“ Nicht selten macht sich Resignation bei denjenigen breit, die die Aufgabe haben, kreative Mitarbeiter zu finden, denn plumpe Formulierungen sprechen nicht gerade für die Kreativität der Bewerber. Der Personalreferent wünscht sich, das Interesse des Bewerbers zu spüren – am besten in jedem Wort, das er in das Bewerbungsschreiben tippt. Ein Personalreferent verrät in diesem Beitrag, was für ihn Interesse eines Bewerbers bedeutet, und plaudert dabei ein wenig aus dem Nähkästchen der Personalsuche.

Beginnen wir mit einem Negativbeispiel. Welches sind in Ihren Augen die schlimmsten interessebekundenden Formulierungen, die Sie lesen mussten?

Personalreferent: Natürlich sind alle plumpen Sätze für mich persönlich ganz furchtbar. Das heißt Sätze wie „ich interessiere mich für die Stelle als …“ oder „mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen …“ oder „ich interessiere mich für eine Mitarbeit in Ihrem Betrieb …“ gehören sicherlich auf die Hitliste der ungeschicktesten Bewerbungsschreiben. Emotionslos, abgeschrieben, nicht authentisch, desinteressiert. So nenne ich diese Sätze und damit verbanne ich die Bewerbung sofort auf den Absagestapel – ohne überhaupt weiterzublättern.

Also kämpfen Sie in Ihrem Betrieb nicht um jeden Mitarbeiter?

Personalreferent: Doch, in jedem Fall. Aber wir suchen langfristige Mitarbeiter und wenn ich von Beginn der Bewerbung an schon nicht überzeugt bin von dem Bewerber, dann brauche ich mit ihm auch nicht in das weitere Bewerbungsprozedere zu gehen. Wir suchen lieber länger und finden so den besten Bewerber. Das ist allerdings von Betrieb zu Betrieb verschieden. Manche Unternehmen winken auch vermeintlich passende Bewerber durch und geben ihnen eine Chance in der Praxis. Wenn es nicht passt, dann wird das Arbeitsverhältnis eben in der Probezeit wieder gekündigt. Da dies unserer Firmenphilosophie widerspricht, suchen wir lieber länger nach den passenden Mitarbeitern.

Wie muss also Interesse bekundet werden, damit eine Bewerbung es auf den Einladen-zum-Vorstellungsgespräch-Stapel schafft?

Personalreferent: Am besten ist, wenn das Wort „Interesse“ gar nicht erst vorkommt, sondern ich beim Lesen des Bewerbungsschreibens „Interesse“ fühle, anstatt zu lesen.

Das ist doch sicherlich ein vergleichsweise hoher Anspruch, oder nicht? Wie soll ein Bewerber denn wissen, wie Sie persönlich gestrickt sind und wie er Sie „berühren“ kann?

Personalreferent: Das genau soll er eben nicht, denn er soll sich nicht überlegen, wie er bei mir ankommt, sondern er soll authentisch sein. Wer nicht authentisch ist, mich aber persönlich anspricht, der wird zwar im ersten Schritt weiterkommen, aber spätestens im Vorstellungsgespräch scheitern, wenn es gilt, Persönlichkeit zu zeigen. Daher ist es in jedem Fall sinnvoll, persönliches Interesse zu zeigen anstatt zu versuchen „jemanden“ (wie in diesem Fall mir) zu gefallen.

Und was wirkt dabei am besten? Die Unterstreichung der Qualifikationen oder die persönliche Story?

Vieles kann der Personalreferent aus dem Lebenslauf und den Zeugnissen eines Bewerbers lesen, nur die persönliche Story, die muss ins Bewerbungsschreiben.

Personalreferent: Das ist nun wirklich abhängig vom Personalreferenten, allerdings wage ich zu behaupten, dass die persönliche Story im Bewerbungsschreiben schon sehr gut ankommt. Denken Sie nur einmal an den Trend, eine „Dritte Seite“ einzuführen. Nichts anderes als den Inhalt einer „Dritten Seite“ wünsche ich mir auch im Bewerbungsschreiben. Interesse und Persönlichkeit sind die Dinge, die ins Bewerbungsschreiben gehören. Zeugnisse etc. können dann immer noch nachgelesen werden.

Haben Sie einige Best-practice-Beispiele?

Personalreferent: Sicher. Diese Formulierungen haben mir gezeigt, dass der Bewerber sich wirklich um den Job bemüht und auch weiß, worauf er sich einlässt.

„Mag sein, dass mein Lebenslauf etwas sprunghaft anmutet, doch im Grunde habe ich mich immer in einer Branche bewegt und bin lediglich zwischen Theorie und Praxis hin- und hergeswitcht: Nach der Ausbildung in meinem Traumberuf Gesundheits- und Krankenpfleger suchte ich eine für mich passende Weiterbildungsoption. Das Studium des Pflegemanagements bot mir dabei die gewünschten Inhalte. Nun habe ich auch dieses abgeschlossen und freue mich auf die Herausforderung als Stationsleiterin in Ihrem Krankenhaus.“

„Um ehrlich zu sein, war ich während der Schulzeit nicht gerade strebsam. Als ich in die Lehre kam, war ich froh, endlich arbeiten zu dürfen. Meine Ausbildung zur Hotelfachfrau habe ich mit Auszeichnung abgeschlossen und einige Jahre im Beruf gearbeitet. Auf der Suche nach einer brancheninternen Weiterbildung bin ich auf die Möglichkeit aufmerksam geworden, Fachlehrerin zu werden. Auch hier konnte ich Erfolge verzeichnen. Nun möchte ich in die Praxis einsteigen und bewerbe mich deswegen als Fachkraft für Hotellerie in Ihrem Bildungsinstitut.“

„Die Büffelei hat nun endlich ein Ende. Nach meinem Abschluss am Wirtschaftsgymnasium, habe ich BWL mit Schwerpunkt Tourismus studiert. Nun steht auf meinem Karriereplan, Auslandserfahrungen zu sammeln. Mein Traum: In Ihrem Hotel das Thema Customer Relationship Management zu betreuen.“

Das heißt, dass es Ihnen im Bewerbungsschreiben nicht darauf ankommt, in möglichst geballter Form viele Informationen zu erhalten?

Personalreferent: Nein, auf keinen Fall. Viel wichtiger ist es mir, zu sehen, wie der Bewerber tickt und was ihn bewegt. Die persönliche Story hilft mir dabei mehr als ein kurzer Abklatsch der Highlights aus den Zeugnissen. Das Bewerbungsschreiben muss von Interesse zeugen und ist nicht die Zusammenfassung der kompletten Bewerbungsmappe, wie manche wohl irrtümlicherweise glauben.

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