Schulische und berufliche Zeugnisse. Das ist den meisten klar. Doch was ist mit Zertifikaten erworbener Zusatzqualifikationen?

Diese machen die Beantwortung der Frage, welche Zeugnisse in die Anlage einer Bewerbung sollen, nicht unbedingt einfacher – ganz im Gegenteil. Deswegen soll Ihnen mit diesem Artikel eine kleine Hilfestellung zu den wichtigsten Zeugnissen in den Anlagen einer Bewerbung gegeben werden.

Zunächst jedoch etwas Unerwartetes: Wussten Sie eigentlich, dass es sieben verschiedene Formen von Zeugnissen gibt, die einem Menschen im Laufe seines Lebens ausgestellt werden können? Diese sollen in der folgenden Übersichtstabelle einmal näher erläutert werden.

Der Klassiker: ein Zeugnis mit Noten oder Punkten. Diese Zeugnisvariante kennt jeder, denn bereits in der Grundschule gab es Noten und spätestens in der vierten Klasse beginnt der Run nach guten Noten, denn in vielen Bundesländern steht dann die Entscheidung an, auf welche weiterführende Schule das Kind gehen wird. Allerdings gibt es auch später noch Zeugnisse mit Noten – sowohl in der Ausbildung als auch im Studium.
Das Raster-Zeugnis ist ein Zeugnis per Einschätzungsbogen. Weder das Ausstellen noch das Deuten eines Raster-Zeugnisses ist einfach, daher bedarf es einiges an Übung und Interpretationsideen, um die darin vermerkte „indirekte Benotung“ zu deuten.
Das Baustein-Zeugnis ist im Geschäftsleben heute gängige Praxis. Auch wenn sich jeder Arbeitnehmer ein individuelles Zeugnis wünscht, so sind die meisten beruflichen Zeugnisse doch nach einem Baustein-Schema erstellt. Neben dem Baustein „über die Firma“, wird der Baustein „Tätigkeitsbeschreibung“ gesetzt. Anschließend folgt – ähnlich wie unter „Sonstiges“ – ein kurzes Lob über Besonderheiten bzw. eine positionsspezifische Bewertung. Die Zeugnisse werden in Form von speziellen Worten wiedergegeben, die sich in den kleinsten Nuancen unterscheiden.
Der Bewertungsbericht ist eine freie Form des Zeugnisses. Oft wird der Bewertungsbericht verbal ausgesprochen. Studenten kennen sie aus dem direkten Gespräch mit dem Professor. Dabei zeigt sich, dass die Bewertung des Professors bei Elitestudiengängen weitaus höher angesehen ist.
Das Leistungsportfolio eines Schülers oder Studenten dokumentiert statt zu bewerten. Je freier die Lernform ist, desto stärker machen auch Leistungsportfolios Schule, die dokumentieren, welche Fortschritte die Person gemacht hat – ohne mit einer Ziffernote oder einer verbalen Bewertung die Leistung zu klassifizieren.
Die Selbstbewertung erfordert eine große Reflexionsgabe. Menschen, die wenig Selbstbewusstsein haben, neigen dazu, sich schlechter zu bewerten, als sie sind. Menschen mit einem übersteigerten Selbstbewusstsein, würden sich tendenziell besser bewerten.
Die Bewertung im Gespräch. Meistens tritt diese Form der Bewertung bei Schülern oder Auszubildenden auf. Dann werden Eltern zum Gespräch geladen und bekommen eine Mitteilung über die Leistungen des Kindes.

Welche Zeugnisse sind aussagekräftig und schaffen es in die Anlagen der Bewerbung?

In Anbetracht der Fülle an Zeugnisformen, sieht es doch nun vergleichsweise leicht aus, nun die „richtigen“ auszuwählen, die Ihnen schriftlich vorliegen und die in die Anlagen der Bewerbung kommen sollen. Grundsätzlich gilt:

  • Das aktuellste Arbeitszeugnis ist Pflicht in den Anlagen einer Bewerbung.
  • Zurückliegende Arbeitszeugnisse können, müssen aber nicht beigefügt werden.
  • Schulzeugnisse (und dann auch nur das Abschlusszeugnis des höchsten schulischen Abschlusses) sind nur bei der Bewerbung auf ein Praktikum oder eine Ausbildungsstelle relevant.

Tipp: So wählen Sie Ihre Zeugnisse aus – die Zeugnis-Challenge

Je kleiner der Zeugnisordner ist, desto leichter fällt die Auswahl, welche Zeugnisse mitgeschickt werden.

Wenn Sie alle Zeugnisse zusammengetragen haben, lassen Sie Ihre Leistungsbewertungen eine Art Challenge absolvieren. Die Frage ist: Welche Zeugnisse sind aussagekräftig? Welche Zeugnisse schaffen es in die Anlagen einer Bewerbung? Das heißt, dass Sie zunächst die Zeugnisse auf den „rein in die Bewerbung“-Stapel legen, die Sie mitschicken müssen. Das ist immer das aktuellste Zeugnis (Arbeits- oder Schulzeugnis), das sie erhalten haben.

Und nun beginnt die Challenge: Alle Zeugnisse, auf die Sie persönlich stolz sind (und auf die Sie auch in punkto Leistungsbewertung stolz sein können), kommen auf den „rein in die Bewerbung“-Stapel. Zusätzlich dürfen noch alle Zeugnisse und auch Zertifikate dazu, die inhaltlich gut zur Stelle passen, auf die Sie sich bewerben. Hält sich der „rein in die Bewerbung“-Stapel noch im überschaubaren Rahmen, können Sie die Anlagen der Bewerbung in die Bewerbungsmappe packen oder alternativ digitalisieren und samt Lebenslauf und Bewerbungsanschreiben an Ihren Wunscharbeitgeber schicken.

Haben Sie zu viele Zeugnisse für Ihre Bewerbungsmappe auserkoren, müssen Sie nun wieder welche aussortieren. Idealerweise sortieren Sie nach der Aktualität der Zeugnisse: Die ältesten Zeugnisse sind im Zweifelsfall für den Personalreferenten am uninteressantesten.

Welche Zeugnisse, kommen in die Anlagen der Bewerbung, wenn ich …

... mich nach dem Studium bewerbe?
Das Abiturzeugnis, das Abschlusszeugnis der Universität oder Fachhochschule, Praktika-Bescheinigungen oder gegebenenfalls Zeugnisse über eine im Vorfeld abgeschlossene Berufsausbildung.

... mich nach der Ausbildung bewerbe?
Das Abschlusszeugnis der Ausbildung, das letzte Schulzeugnis und gegebenenfalls Zertifikate über zusätzlich absolvierte Kurse während der Ausbildung.

... mich als Berufserfahrener bewerbe?
Das Abschlusszeugnis der Ausbildung (falls diese noch nicht länger als fünf Jahre zurückliegt), ein aktuelles Arbeitszeugnis und gegebenenfalls Zertifikate über etwaige Zusatzqualifikationen.

... mich als Abiturient bewerbe?
In der Regel ist nicht der Ausgangspunkt ausschlaggebend, sondern eher das Ziel. Das Abiturzeugnis ist natürlich in jedem Fall beizulegen. Wer sich um eine Ausbildungsstelle bewirbt, sollte klar machen, dass er sich gut überlegt hat, nach der theoretischen Schulausbildung, praktisch zu arbeiten. Praktika-Bescheinigungen helfen diesen Punkt zu untermauern.

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Bildnachweis: Gina Sanders/fotolia.com, Marco2811/fotolia.com

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