Wer sich beruflich weiterentwickeln will, kann dies ruhig in die Bewerbung schreiben. Über den Chef zu lästern ist hingegen tabu.

Ihr Vorgesetzter ist ein Rindvieh. Ihre Kollegen sind fies und gemein. Das Gehalt ist nicht mehr als Schmerzensgeld und die Arbeitszeiten sind unterirdisch – kurz gesagt: Sie haben einen ganzen Blumenstrauß voller Gründe, um Ihren Job zu hassen und wechseln zu wollen – doch diese Gründe schreiben Sie bitte NICHT in das Bewerbungsschreiben, dass Sie an Ihren Wunsch-Arbeitgeber richten. Denn dieser bekommt sonst nämlich Angst – Angst vor Ihnen und davor, dass Sie einmal genauso schlecht über ihn reden, wie Sie es jetzt über ihren aktuellen Arbeitgeber tun. Grundsätzlich gilt: Sie sollten Ihren Jobwechsel sachlich begründen – aber kein böses Wort dabei verlieren.

Kein Wort darüber zu verlieren, warum Sie sich um einen neuen Job bemühen (und sich laut Lebenslauf) in einer ungekündigten Stellung befinden, macht die schon von Natur aus skeptischen Personalreferenten noch viel misstrauischer, denn sie fragen sich: Warum möchte jemand seinen Job wechseln? Dafür gibt es gute Gründe, die so auch ruhig ins Bewerbungsschreiben dürfen, und die Gründe, die besser verschwiegen werden.

Gründe für den WechselFormulierungen
Sie haben in dem Betrieb gelernt, in dem Sie arbeiten und sind auch übernommen worden. Nun ist es an der Zeit, ein anderes Unternehmen kennenzulernen. Ihr Vorgesetzter kennt Ihre Wechselpläne.„Bei der Firma XXX habe ich meine Ausbildung zur XXX absolviert. Anschließend wurde ich übernommen. Nun ist es Zeit für mich, ein anderes Unternehmen kennenzulernen. Gerne möchte ich meine weiteren beruflichen Schritten in Ihrem Betrieb gehen.“
Der Vorgesetzte hat gewechselt – und mit ihm die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Sie haben zwar (noch) eine Stelle, doch inhaltlich werden Sie langfristig damit nicht glücklich werden.„Die Arbeit als Kraftfahrzeugmechatroniker für Pkw bereitet mir seit Jahren große Freude. Mit viel Elan habe ich sogar die Weiterbildung zum Kraftfahrzeugtechnikermeister absolviert. Nun plant mein Arbeitgeber eine Fokussierung auf den Nutzfahrzeug-Bereich. Da ich auch weiterhin im Pkw-Bereich tätig sein will, richte ich meine Bewerbung explizit an Sie.“
Sie pendeln täglich zwischen ihrer derzeitigen Arbeitsstelle und ihrer neuen Eigentumswohnung 50 Kilometer einfach – also 100 Kilometer am Tag. Das mag nicht schlimm sein, aber nun haben Sie eine Stelle bei einem Betrieb gefunden, die nur zehn Minuten Fahrzeit von Ihnen entfernt liegt.„Im Grund genommen macht es mir nichts aus, morgens und abends nach XXX zu fahren, obgleich das für mich jeweils 50 Kilometer Fahrtzeit sind. Doch Ihr Betrieb liegt nun mal fast um die Ecke – und bietet mir darüber hinaus noch eine berufliche Entwicklungsmöglichkeit. Grund genug, meine Bewerbung heute an Sie zu richten.“
Sie haben die Ausbildung zum Sattler in einer Fahrzeugsattlerei absolviert. Auch die Weiterbildung zum Meister der Sattlerei und Feintäschnerei haben Sie mit links gemeistert. Nun möchten Sie diese Weiterbildung zum Meister auch praktisch umsetzen.„Meine Aus- und Weiterbildung haben ich in einem Sattlerei-Fachbetrieb absolviert. Diese war fast schon traditionell geprägt. Nun möchte ich als Meister in der Kraftfahrzeugindustrie aktiv werden – und dies gerne in Ihrem Unternehmen.“
Privates und Berufliches sollte getrennt werden. Doch manchmal klappt das nicht. Heute sind sie verheiratet mit ihrer Abteilungsleiterin – und möchten diese ungute Situation gerne auflösen.„Ich bin Vater von zwei Töchtern und verheiratet mit meiner Abteilungsleiterin. Uns selbst bereitet dies keine Probleme, aber vielen anderen ist es ein Dorn im Auge. Grund genug für mich, mich nach einem anderen Job umzusehen – und siehe da: Die von Ihnen angegebenen Qualifikationsanforderungen könnte ich gut umsetzen.“

Erklärung ohne Rechtfertigung

Begründung ja. Rechtfertigung nein.

Wie diese Beispiele zeigen, liegt der Fokus darauf, zu erklären, warum Sie wechseln – und nicht darauf, sich zu rechtfertigen. Das müssen Sie nämlich nicht, denn ein Jobwechsel ist legitim und schließlich freut sich das Unternehmen ja auch grundsätzlich darüber, dass Sie sich als qualifizierte Fachkraft um eine Stelle im Betrieb bemühen. Mit den folgenden Tipps klappt auch Ihre ganze individuelle Formulierung:

  • Wenn Sie sich beruflich weiterentwickeln wollen, dann geben Sie dies so in Ihrer Bewerbung an.
  • Wenn die ausgeschriebene Stelle genau die Perspektive bietet, die Sie sich wünschen, dann sagen Sie dem Personalreferenten dies.

Vorsicht Falle!

Wenn Sie sich auf eine befristete Stelle bewerben, verzichten Sie besser auf Formulierungen wie „langfristige Zusammenarbeit“. Auch sollten Sie zwar motiviert und ambitioniert agieren, aber wenn Sie sich auf eine Sachbearbeiter-Stelle in Elternzeitvertretung bewerben, dann passt es nicht, nach den Sternen zu greifen und sich als Führungskraft zu positionieren.

Bewerben Sie sich aus einer festen Anstellung heraus, sollten Sie sich sicher sein, dass Sie den Jobwechsel auch durchziehen möchten. Eruieren Sie die Umstände, fragen Sie sich, warum sie wechseln wollen, überlegen Sie sich, was Ihr Umfeld dazu sagt und sehen Sie sich nach innerbetrieblichen Alternativen um. Erst wenn Sie sich sicher sind, wechseln zu wollen, sollten Sie sich auch bewerben. Personalreferenten haben ein untrügliches Gespür dafür, wer es ernst meint und wer nur seine Marktchancen testen will.

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41 Fragen aus dem Einstellungstest

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