Wer mit dem Job die Branche wechselt, braucht eine gute Formulierung dafür.

Wenn wir ehrlich sind, gibt es im Leben zig Möglichkeiten, sich um zu entscheiden und eine alternative Route zu wählen – warum also auch nicht auch im Job. Die Antwort darauf ist vergleichsweise einfach, denn ein Branchenwechsel sollte gut durchdacht und wohlbegründet sein. Und auch dafür gibt es eine Begründung: Wer die Branche nur aus Spaß wechselt, der wirkt auf künftige Arbeitgeber sehr schnell sprunghaft oder gar unzuverlässig. Ergo: Ein Branchenwechsel ist erlaubt – nur im Bewerbungsschreiben sollte dieser wohl formuliert werden.

Die schönsten Formulierungen lassen sich immer finden, wenn die Branche nicht etwa Unterschiede wie Himmel und Hölle aufweist, sondern sich sogar Parallelen ziehen lassen. Die folgende Tabelle zeigt unterschiedliche Formulierungen – für den Fall, dass mit der Bewerbung die Branche gewechselt werden soll, und für den Fall, dass ein vergangener Branchenwechsel erklärt werden soll.

Formulierungsratgeber: Die neue Stelle beinhaltet einen Branchenwechsel.Formulierungsratgeber: Vor einigen Jahren fand ein Branchenwechsel statt – so wird’s erklärt.
„Brötchen zu belegen anstatt diese zu backen, ist mein beruflicher Wunsch, deswegen bewerbe ich mich als Bäckerin auf die Stelle in Ihrer Metzgerei mit Imbissbetrieb. Der Grund: Die Arbeitszeiten im Bäckerhandwerk lassen sich nicht mit den Betreuungszeiten meiner Tochter vereinbaren, gerne möchte ich jedoch im Lebensmittelhandwerk tätig bleiben.“ Tipp: Die Parallele „Lebensmittelhandwerk“ wird hier sehr deutlich. Darüber hinaus wird ein Grund angeführt, der plausibel ist, denn ein Bäcker steht schon morgens um 3 Uhr in der Backstube – und zu dieser Zeit gibt es keine organisierte Kinderbetreuung.„Rückblickend habe ich wohl wie eine typische 16-Jährige gehandelt: Die Ausbildung zur Bürokauffrau sollte drei Jahre dauern, die zu meinem Traumberuf Erzieherin fünf Jahre. Da ich schnell Geld verdienen wollte, wählte ich die Ausbildung zur Bürokauffrau. Vor sechs Jahren habe ich dann meine eigentliche Wunsch-Ausbildung nachgeholt und arbeite seither in einem Kindergarten. Aus privaten Gründen möchte ich mich nun regional verändern und würde mich sehr freuen, als Erzieherin in Ihrem Kindergarten tätig sein zu dürfen.“ Tipp: Dieses Beispiel zeigt zwar einen „Fehler“ auf, doch Fehler sind nun mal menschlich und das lässt diese Bewerbung sehr authentisch wirken. Zudem zeugt es von einem ungemeinen Ehrgeiz, nach einer abgeschlossenen Ausbildung noch einmal von Null zu beginnen.
„Meine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau habe ich in einem Betrieb absolviert, der Gartengeräte vertreibt. Da ich nach dem Ende meiner Elternzeit einen Branchenwechsel anstrebe, interessiere ich mich sehr für Ihre Stellenanzeige, in der Sie eine Fachverkäuferin für Haushaltswaren suchen.“Tipp: In diesem Fall ist die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau der gemeinsame Nenner, der ebenso impliziert, dass grundlegende Expertise vorhanden ist und lediglich fachspezifisches Wissen ergänzt werden muss.„Nach meiner Ausbildung zur Hotelfachfrau habe ich fünf Jahre lang in meinem Ausbildungsbetrieb weitergearbeitet. Auf der Suche nach einer Weiterbildungsoption wurde ich auf einen Weg aufmerksam, der mir meinen heutigen Beruf ermöglichte: Ich bin seit drei Jahren Fachlehrerin für Auszubildende in Gastronomie und Hotellerie. Gerne würde ich meine pädagogischen und fachlichen Fähigkeiten an Ihrem privaten Aus- und Weiterbildungsinstitut unter Beweis stellen.“ Tipp: Wer in dem Fachbereich tätig war, den er später zu lehren versucht, dem wird dies nicht negativ, sondern gar als wertvolle Praxiserfahrung ausgelegt.
„Vor einigen Jahren habe ich mir meinen Kindheitstraum verwirklicht: Ich habe die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin absolviert. Aus gesundheitlichen Gründen werde ich allerdings nicht langfristig in diesem Job arbeiten können, daher habe ich die Weiterbildung zur sozialmedizinischen Assistentin angeschlossen und möchte mich nun als Mitarbeiterin in der Leistungsabteilung Ihrer Krankenkasse bewerben.“Tipp: Der gesundheitliche Bereich bleibt, nur wechselt die Bewerberin von der pflegerischen Praxis hinter den Schreibtisch. Auf eine Frage nach den gesundheitlichen Gründen, die zum Ausstieg bewegt haben, sollte die Bewerberin in jedem Fall gefasst sein.„Nach Abschluss der Realschule wählte ich zunächst einen klassischen Ausbildungsberuf: Ich wurde Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Nach einigen Jahren bekam ich die Möglichkeit, mein größtes Hobby – die Freiwillige Feuerwehr – zum Beruf zu machen und war für einige Jahre in der Werkfeuerwehr eines großen Industrieunternehmens tätig. Heute kann ich mir nichts anderes mehr vorstellen und möchte mich daher um die Weiterbildung zum Feuerwehrmann bei der Berufsfeuerwehr bewerben.“Tipp: Dieser kurze Abriss zeigt, dass es sich um einen engagierten, zielstrebigen Bewerber handelt, der sich seiner Fähigkeiten bewusst ist und diese nun zum Beruf machen möchte.

Einmal ist erlaubt – aber was sagt der Personalreferent zum Job-Hopping!?

Erkrankt ein Bäcker an einer Mehlallergie, ist dies ein guter Grund, die Branche zu wechseln.

Begeistert ist sicherlich kein Unternehmen, wenn der Lebenslauf drei komplett verschiedene Branchen aufweist, in denen der Bewerber nur jeweils drei Jahre gearbeitet hat. Ein Personalreferent wird dann nämlich berechtigte Zweifel am Durchhaltevermögen des Bewerbers haben – und entsprechend skeptisch mit der Bewerbung umgehen. Eine Möglichkeit dennoch mit der Bewerbung zu überzeugen ist, gewichtige Gründe für den Wechsel anzuführen. Das bedeutet: Umzug, Krankheit, etc. sind Gründe, die einen Branchenwechsel rechtfertigen. Wer der Liebe wegen eine andere (branchenfremde) Stelle angenommen hat, wird deswegen nicht aus dem Bewerbungsprozess ausscheiden, wer als Bäcker im Laufe der Berufstätigkeit eine Mehlallergie bekommt, wird ebenso wenig schief angesehen. Wer jedoch schreibt „gerne probiere ich mich in unterschiedlichen Bereichen aus“, unterstreicht nur noch die Sorge des Personalreferenten und hat wenig Chancen auf den Job.

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