Quereinsteigen ist erlaubt – nur die Formulierung muss auch passen.

Quereinsteiger gibt es fast in jedem Beruf. Unter diese Bezeichnung fallen im Grunde alle Arbeitskräfte, die nicht in dem Beruf qualifiziert sind, den sie ausüben oder auf den sie sich bewerben. Natürlich gibt es beim einen Beruf mehr und beim anderen eher weniger Parallelen, daher gilt es die Frage zu stellen: Wie gut sind Quereinsteiger im Betrieb gesehen und wie formulieren sie das im Bewerbungsschreiben möglichst passend? Ein Personalreferent gibt Auskunft.

Angenommen eine Stelle wird ausgeschrieben. Wie viele Bewerber passen dann zu 100 Prozent zum Stellenprofil und welche sind sogenannte Quereinsteiger?

Personalreferent: Pauschal lässt sich das nicht sagen, denn es gibt natürlich immer mal wieder Bewerbungen, die auf den ersten Blick absolut keine Parallele zur ausgeschriebenen Stelle zu haben scheinen. Wenn meine Kollegen dann den Fokus auf den Lebenslauf legen, ist der Quereinsteiger in der Regel sofort raus aus dem Bewerbungslauf. Ich persönlich lege meinen Fokus auf das Bewerbungsschreiben und die Dritte Seite – falls es eine gibt. Nicht weil ich unbedingt mutige neue Wege gehen will, sondern weil ich wissen will, was der Bewerber über sich denkt, wie er sich präsentiert und warum er meint, für unser Unternehmen die perfekte Wahl zu sein.

Das heißt, dass die Qualifikationen in den Hintergrund treten?

Bei Branchen mit Fachkräftemangel haben Quereinsteiger gute Chancen.

Personalreferent: Nein, das kann man auch nicht pauschal sagen, allerdings zeigt sich tendenziell schon, dass Quereinsteiger immer dann besonders erfolgreich sind, wenn sie sich in einer Branche bewerben, in der es an Fachkräften mangelt. Die IT-Branche ist hierfür ein gutes Beispiel: Mit Blick auf die vielen unterschiedlichen Ausbildungsberufe und Studiengänge zeigt sich erst wie breit das IT-Spektrum ist und wie viel Fachkräfte eigentlich nötig wären, um alle Themen abzudecken. In diesem Fall sind „Selfmade-ITler“ mit nachgewiesenen Fähigkeiten natürlich immer eine gute Wahl – auch wenn sie nicht die entsprechende schulische Qualifikation haben.

Gibt es denn weitere Branche, die für Quereinsteiger empfehlenswert sind?

Personalreferent: Ja, im sozialen Bereich zeigt sich dasselbe Problem. Zu wenige möchten Erzieher oder Altenpfleger werden. Auch Lehrer sind mit manchen Fächerkombinationen Mangelware, daher mein Tipp: Wer bereits Berufserfahrung gesammelt hat, kann sich vergleichsweise schnell über (teilweise sogar geförderte) Weiterbildungen soweit qualifizieren, dass ein Einsatz im sozialen Bereich möglich ist.

Und wie ist es um den kaufmännischen Sektor bestellt?

Personalreferent: Besonders hoch ist die Quereinsteiger-Quote in Maklerberufen sowie in der Medienbranche. Hier gibt es nur sehr wenige, die zielgerichtet eine Aus- und eine Weiterbildung oder alternativ ein Studium absolvieren. Viele qualifizieren sich in der Praxis – entweder durch Praktika oder entsprechende nebenberufliche Tätigkeiten. Und natürlich kann auch jemand mit einer klassischen kaufmännischen Ausbildung (Bürokaufmann /-frau, Kaufmann /-frau für Bürokommunikation, Kaufmann /-frau im Einzelhandel usw.) verschiedene Tätigkeiten im Büro ausüben – auch wenn die Berufsbezeichnung nicht immer 1:1 zur Bezeichnung des Ausbildungsberufes passt.

Gibt es denn Trendberufe, die förmlich nach Quereinsteigern suchen?

Personalreferent: Die gibt es durchaus. Mit dem Trend zu immer mehr Online-Aktivitäten, gibt es einen großen Bedarf an Social Media- und Content-Managern. Natürlich gibt es dafür mittlerweile schon Studienfächer oder zumindest Einzelmodule, aber ich persönlich würde einem „native Blogger“ bestimmt ebenso eine Chance geben wie einem Kommunikationswissenschaftler. Auch die Gesetzgebung verhilft zu immer mehr Quereinsteiger-Berufen. Denn mit gestiegenen Anforderungen im Energiebereich, wird die Frage nach Energieberatern immer deutlicher. Wer eine handwerkliche Ausbildung hat und eine Zusatzqualifikation als Energieberater erwirbt, kann hier sicherlich punkten – auch ohne ein entsprechendes Fachstudium.

Gibt es denn einen besonderen Trick, wie das „Quereinsteiger-Dasein“ möglichst gut formuliert werden kann?

Personalreferent: Ja, den gibt es. Verbannen Sie das Wort „Quereinsteiger“ komplett aus dem Bewerbungsschreiben. Mein Tipp lautet: Beschreiben Sie im Bewerbungsschreiben, welche Qualifikationen Sie mitbringen, um die ausgeschriebene Stelle zu besetzen. Hier geht es um die punktgenaue Auswahl Ihrer Qualifikationen und die Formulierung dieser für das Bewerbungsschreiben. Ist der Quereinstieg doch sehr dramatisch (z.B. vom Bäcker zum Webseiten-Programmierer), sollten Bewerber die Dritte Seite einer Bewerbung nutzen, um dort auszuformulieren, warum Sie trotz fehlender schulischer Qualifikation eine gute Besetzung für die Stelle sind. Die folgenden zwei Formulierungen stehen dabei auf meiner ganz persönlichen Hitliste:

1.)

„Der Startschuss fiel mit der Aufforderung meines Chefs, die Homepage der Bäckerei aufzubauen und so zu gestalten, dass auch Cateringleistungen angepriesen werden können. Heute frage ich mich schon, warum ich nicht einfach den Kopf geschüttelt habe, denn bei der Bäckerlehre steht Webseitengestaltung nun mal nicht im Entferntesten auf dem Ausbildungsplan, aber ich habe mich durchgewurschtelt. Ich habe in Foren Profis gefragt, welches Programm sinnvoll wäre, habe nach Hosting-Anbietern gefahndet und mich schlau gemacht, welche Funktionalitäten nötig sind – und machbar sind. Mein Erstlingswerk entstand in vielen Stunden – und damit fiel auch der Startschuss für mein privates Webseiten-Business. Die folgenden QR-Codes führen zu Homepages aus meiner Feder. Ich würde mich freuen, auch für Ihre Kunden, Webseiten umsetzen zu können.“

2.)

„Sieben Jahre lang habe ich meinen Vater gepflegt, der nach einem Schlaganfall zum Pflegefall wurde. Meinen gelernten Beruf als Versicherungskauffrau konnte ich nicht mehr ausführen, aber dafür weiß ich nun, dass ich auch künftig im sozialen Bereich tätig sein möchte. Bei der Arbeitsagentur habe ich bereits eine berufsqualifizierende Weiterbildung im Altenpflegebereich absolviert – nun möchte ich bei Ihnen als Pflegefachkraft einen beruflichen Neustart wagen.“

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