Wer um eine Stärke eine persönliche Geschichte kreiert, kann damit im Bewerbungsschreiben punkten.

Achtung: Missverständnis! Wer glaubt ein Bewerbungsschreiben wie eine Tag-Wolke nutzen zu können und einfach nur alle Stärken, die in irgendeinem Ranking stehen, in einen endlos langen Satz schreiben zu müssen, der irrt. Bei Stärken gilt nämlich: Weniger ist oft mehr. Und auch wenn die Auswahl schwer fällt, macht es mehr Sinn, die persönlichen (!) Top-3-Stärken in den Fokus zu rücken und dazu eine persönliche Geschichte zu erzählen – als möglichst viele Signalworte unterzubringen, die einfach nur lieblos aneinandergereiht werden.

Eine Befragung aller Personalreferenten würde wohl nicht ein einheitliches Ergebnis zutage fördern, da Stärken von Betrieb zu Betrieb und auch von Position zu Position variieren, doch es gibt eine Liste von Stärken, die im Grunde alle Personalreferenten (neben den speziellen fachlichen Informationen) von ihren Bewerbern fordern. Must-Haves sind dabei Motivation, Expertenwissen und Verantwortungsbewusstsein. Doch auch Kreativität, Leidenschaft und Ehrgeiz sind für manche wichtig. Strategisches und analytisches Denkvermögen werden ebenso in Abhängigkeit von der Stelle eingefordert wie beispielsweise Auslandserfahrung.

Wie bereits eingangs erwähnt, geht es nun im Bewerbungsschreiben nicht darum, möglichst viele Schlagworte zu nennen, sondern vielmehr sich auf einige wenige Schlagworte zu begrenzen und dazu aber inhaltlich Sinnvolles auszusagen. Die folgende Tabelle zeigt beispielhafte Formulierungen für die oben genannten Eigenschaften:

Analysevermögen„Mein derzeitiger Arbeitgeber nennt mich ‚Prozessfreak‘ und das meint er positiv. Ich bin im Grunde eine ruhige Person, die sich lieber erst einmal einen Überblick verschafft, um sich ein Gesamtbild zu machen. Dann kann ich überlegte Schritte einleiten und Veränderungen initiieren.“
Auslandserfahrung„Viele meiner Kommilitonen zog es in die USA. Doch mich faszinierten immer schon die skandinavischen Länder. Deswegen habe ich mich entschieden, ein Jahr in Norwegen zu verbringen. Ich arbeitete als Au-Pair in einer Familie. So entstand auch mein Wunsch, Erzieherin zu werden.“
Ehrgeiz„Als ich klein war, sind wir oft umgezogen, weil meinem Vater die Familie sehr wichtig war – und er aber berufsbedingt immer wieder versetzt wurde. Schon damals wusste ich, dass ich die Schulwechsel nur hinbekommen würde, wenn ich offen auf meine neuen Schulkameraden zugehen würde – und natürlich auch viel lernen würde. So bin ich zum ehrgeizigen Kämpfer geworden.“
Fachwissen„Schon als Kind habe ich Bücher wahrlich gefressen. Ich war ständig auf der Suche nach Input. So erklärt sich auch mein ambitionierter Werdegang: Erst habe ich das Duale Studium abgeschlossen, dann einen Master-Studiengang mit Auszeichnung bestanden.“
Kreativität „Probleme sind für mich Herausforderungen. Anders könnte ich, glaube ich, mein Ehrenamt als Vereinsvorstand nicht ausführen. Ständig gibt es neue Herausforderungen, die es zu meistern gilt.“
Leidenschaft„Zugegeben, ich bin ein Perfektionist. Wenn ich etwas beginne, muss ich diese Aufgabe zu meiner vollsten Zufriedenheit abschließen, sonst geistert sie ewig in meinem Kopf herum. Meist kreieren sich daraus zig weitere Ideen, die ich gleich im Anschluss umsetzen will.“
Motivation„Nicht dass ich in meinem Privatleben ein ebenso großer Planungsfreak bin, wie im Beruf, doch vielleicht resultiert auch meine Motivation aus meiner Vita. Nach Aus- und Weiterbildung habe ich einige Jahre im Beruf gearbeitet. Nach der Geburt meiner zwei Kinder und vier Jahren Familienzeit bin ich nun bereit, wieder in meinen Beruf zurückzukehren und freue mich schon auf die neuen Herausforderungen in Ihrem Betrieb.“
Strategie„Obwohl ich während meiner Schulzeit vergleichsweise lernunwillig war, fiel mir spätestens bei meiner Ausbildung zum Mechatroniker ein, dass ich mehr wollte, als nur zu schrauben. Nach meiner Weiterbildung zum Industriemeister hatte ich die Hochschulzugangsberechtigung erlangt und ein Studium der Mechatronik begonnen.“
Verantwortungsbewusstsein„Wenn ich groß bin, werde ich Feuerwehrmann. Diesen Kindheitstraum hegte auch ich. Verwirklicht habe ich mir diesen Traum privat, denn ich bin seit meinem 14. Lebensjahr bei der Jugendfeuerwehr aktiv. Seit drei Jahre leite ich die künftigen Feuerwehrleute an – als Jugendwart der Freiwilligen Feuerwehr.“

Fachwissen muss immer in Abhängigkeit von der jeweiligen Profession dargestellt werden. Dabei gilt unabhängig von der Branche, dass sowohl Theorie- als auch Praxiskenntnisse nötig sind, um von Expertenwissen zu sprechen. Wer frisch von der Universität kommt, hat vielleicht professionelle Theoriekenntnisse, doch ohne Praxiserfahrung kann er sich auch nur auf eine „Junior“-Stelle bewerben.

Personalrecherche 2.0

Neben dem Bewerbungsschreiben, dem Lebenslauf und den Anlagen sind Personalreferenten zunehmend auch am „Leben“ der Bewerber interessiert – und das spielt sich nicht selten in sozialen Netzwerken ab. Worüber sie sich informieren, zeigt die folgende Grafik.
Infografik: Personaler haben Soziale Netzwerke im Blick | Statista

Auf Platz 1 der Dinge, die Personalreferenten im Netz herausfinden wollen, steht die fachliche Qualifikation. Dazu zählen auch fachspezifische Äußerungen. Interessant sind demnach auch Statements, die der Bewerber über das Unternehmen und Wettbewerber trifft. (Noch) unter 50 Prozent liegen Hobbys und Fotos. Die reine Anzahl der Kontakte, die ein Bewerber hat, sind jedoch nur in den seltensten Fällen wichtig. Ebenso uninteressant scheinen politische Ansichten zu sein.

Bildnachweis: L. Klauser/fotolia.com

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