Beim ausführlichen, ausformulierten Lebenslauf in Aufsatzform zählt die Beantwortung dieser Fragen.

Grundsätzlich gelten die Stichworte „ausführlich“ oder „ausformuliert“ als Indiz dafür, dass Ihr Wunsch-Arbeitgeber sich im Lebenslauf Aufsatzform wünscht. Das heißt, Sie nehmen Ihren regulären, tabellarisch gestalteten Lebenslauf zur Hand und formulieren diesen aus. Verbindliche Regeln für die Lebenslauf Aufsatzform gibt es ebenso wenig wie für den tabellarischen Lebenslauf, bei dem auch Variationen möglich sind, was die Sortierweise und die Chronologie angeht. Dennoch soll dieser Beitrag einige Empfehlungen beinhalten, auf was es im ausführlichen Lebenslauf ankommt.

Das Minimum in der Lebenslauf Aufsatzform

… sind die persönlichen Daten sowie die schulischen und beruflichen Meilensteine. Das heißt, dass diese Absätze in aller Regel ausformuliert werden und in dieser ausformulierten Variante auch in sich chronologisch geordnet sind. Nein, Sie müssen nun nicht bei Ihrer Geburt beginnen, aber der ausformulierte Passus „persönliche Daten“ könnte so aussehen:

„Seit XX Jahren, also seit meiner Geburt, lebe ich in der XXX-Straße in XXX. Telefonisch bin ich unter der Mobilfunknummer XXX zu erreichen. Meine offizielle E-Mail-Adresse lautet: XXX“

Im nächsten Absatz, der der sich um die Schulzeit dreht, ist es natürlich nicht nötig, jede Schulaufführung und jedes Detail der Schulzeit auszuformulieren, denn eine Herausforderung besteht auch darin, die wichtigsten Details auszuwählen und aus diesen Sätze zu bilden. Ein Beispiel könnte lauten:

„Die Abizeitung zu gestalten war mein größtes Erlebnis während meiner Schulzeit. Besonders gefreut hat mich, dass sogar Lehrkräfte, die seit Jahren an unserer Schule unterrichten, neue Textformen finden konnten, denn in die Anlage von Charakteristika, Comics und auch Steckbriefen legte ich meine ganze Kreativität. Sicherlich war das auch ein Grund, der mich zu meinem Berufswunsch (Mediengestalterin) motiviert hat.“

Geht es um die berufliche Qualifikation, bietet die Lebenslauf Aufsatzform einen entscheidenden Vorteil: Sie reduziert die berufliche Tätigkeit nicht etwa auf eine Positionsbeschreibung in einer Firma, sondern gibt die Möglichkeit, diese Positionsbeschreibung auch inhaltlich mit Leben zu füllen. In der Praxis könnte dies so aussehen:

„Ich startete nach meinem Studium als Projektmanager bei der Firma XXX. Wie ich später lernen sollte, waren alle meine Kolleginnen und Kollegen Projektmanager, deswegen verzichtete ich in Gesprächen mit Interessierten lieber auf den Titel und erklärte, was ich eigentlich im Verlag zu tun hat. Meine Aufgabe lag (und liegt bis heute) darin, hochwertige Buchproduktionen zu koordinieren. Dazu gehört im Grunde die Zusammenführung von Inhalten und finanzierenden Anzeigen. Dass diese nicht nur nebeneinander gestellt werden können, sieht mit Blick auf die Optik der Produkte jeder. Neben dieser Kreativleistung kümmere ich mich auch um die wirtschaftliche Produktion der Bücher – inklusive Angebotseinholung und Vergabe von Einzelleistungen wie Grafik, Redaktion und Druck an Partnerunternehmen. So begleite ich die Produktion der Bücher von der Konzeptionsphase bis zur Anlieferung bei Buchhandlungen.“

Im Lebenslauf Aufsatz dürfen auch Hobbys, Interessen und Zukunftswünsche geäußert werden

Wie bereits erwähnt, befasste sich der erste Abschnitt mit dem Minimum an Informationen, die in einem ausformulierten Lebenslauf erwähnt werden müssen. Doch natürlich ist es (wie im tabellarischen Lebenslauf auch) legitim und inhaltlich vielleicht sogar sinnvoll, Hobbys und Interessen in die Lebenslauf Aufsatzform zu integrieren. Warum? Weil das Ihr persönliches Profil schärft. Achten Sie allerdings darauf, diesem Themenkomplex nicht zu viel Raum zu geben, denn Sie werden nicht aufgrund Ihrer Hobbys eingestellt, sondern aufgrund Ihrer fachlichen Qualifikation.

Lebenslauf Aufsatzform = Motivationsschreiben!?

Wünscht der Arbeitgeber ein Motivationsschreiben, gelten andere Aufsatz-Regeln.

An dieser Stelle besteht Verwechslungsgefahr. Sie sollten das Stelleninserat also genau im Hinblick darauf überprüfen, ob ein ausformulierter Lebenslauf (anstatt eines tabellarischen Lebenslaufes) gewünscht ist, oder ob der Betrieb vielleicht ein zusätzliches Motivationsschreiben wünscht. Der ausformulierte, ausführliche Lebenslauf wurde bereits im ersten Teil dieses Beitrags ausführlich beschrieben. Das Motivationsschreiben hingegen müssen Sie anders angehen.

Ein Motivationsschreiben ist immer zweigeteilt:

  1. Informationen zur Person
  2. Informationen zur Motivation der Person

Das heißt, dass Sie (ähnlich wie bei einem amerikanischen Lebenslauf auch) zunächst Ihre Person darstellen – und zwar mit Blick auf Leistungen, Qualifikationen, Einsatzmöglichkeiten. Ein Beispiel:

„Bei meinem jetzigen Arbeitgeber, bei dem ich auch die dreijährige Ausbildung zur Restaurantfachfrau absolviert habe, bin ich mittlerweile Mädchen für alles – und das meine ich durchweg positiv. Ich freue mich sehr, dass ich alle Abläufe in unserem Vier-Sterne-Themenrestaurant kenne und auch Ideen einbringen kann, wie Prozesse optimiert werden können. Gerne möchte ich mit gerade einmal 22 Jahren diese Fähigkeiten nun in einem neuen Umfeld einsetzen.“

Anschließend kommt Teil 2, der in dem es um die Motivation geht. Und das heißt: Liefern Sie Argumente, warum Sie die richtige Besetzung für den Job sind und unterstreichen Sie dabei punktuell wichtige Meilensteine in Ihrem (Berufs-)Leben. Auch können Sie hier erklären, wenn Details in Ihrem Lebenslauf vielleicht stutzig machen. Ein Beispiel:

„Möglicherweise haben Sie sich gewundert, warum ich erst eine Ausbildung in der Gastronomie absolviert habe und anschließend eine zweite im Bereich Pflege und nun in die Erwachsenenbildung strebe. Für mich gibt das sehr wohl ein Bild ab, das ich Ihnen gerne hiermit erläutern möchte. Mein Kinderwunsch war es, Bedienung zu werden, denn ich mag den Umgang mit Menschen, half schon als kleines Kind bei Familienfesten mit und jobbte auch während der Schulzeit als Kellnerin. Nach Abschluss meiner Ausbildung erkrankte meine Mutter schwer und ich entschied mich, sie zu pflegen. Drei Jahre übernahm ich ihre Pflege bevor ich mich dafür entschied, meine Praxiskenntnisse auch theoretisch untermauern zu wollen – und absolvierte daher eine entsprechende Ausbildung. Da ich meine Kenntnisse und Fähigkeiten aus diesen ganz unterschiedlichen Bereichen gerne an weitere Interessierte weitergeben möchte, möchte ich nun in der Erwachsenenbildung tätig werden.“

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