Selbstständigkeit muss nichts für die Ewigkeit sein. Auch ein Wechsel in eine Festanstellung ist möglich.

„Ich war selbstständig und möchte künftig wieder in einer Festanstellung arbeiten.“ Wer diesen Satz ausspricht oder so ins Bewerbungsschreiben setzt, ruft beim Personalreferenten ein großes Fragezeichen im Gesicht hervor. In der Praxis liegt nämlich ein großer Unterschied dazwischen, ob ein Festangestellter sich eine neue Festanstellung sucht oder ob ein Selbstständiger auf der Suche nach einer Festanstellung ist. Warum das so ist und wie sich das im Bewerbungsschreiben formulieren lässt, soll dieser Beitrag zeigen.

Wer sich nun wundert, warum diesem vermeintlich unwichtigen Nischenthema so viel Raum gewidmet wird, sollte zunächst einmal einen Blick auf die folgende Gegenüberstellung werfen. Diese zeigt nämlich, dass ein Festangestellter und ein Selbstständiger in der Regel von Grund auf verschieden sind. Das heißt für den Personalreferenten auch, dass er es letztlich mit ganz unterschiedlichen Personentypen zu tun hat.

Der typische Festangestellte …Der typische Selbstständige …
  • hat meist geregelte Arbeitszeiten.
  • bearbeitet die ihm zugewiesenen (Teil-) Aufgaben.
  • arbeitet für ein Unternehmen.
  • hat eine festgeschriebene Zahl an Urlaubstagen.
  • erhält Gehalt (bzw. Lohn).
  • ist im Rahmen einer Festanstellung kranken- und sozialversichert.
  • arbeitet zu den Zeiten, zu denen es Arbeit gibt.
  • bearbeitet oft alle im „Betrieb“ anfallenden Aufgaben.
  • nimmt Urlaub, wenn es die Auftragslage zulässt.
  • bekommt das Geld, was er für Aufträge verdient.
  • muss sich selbst um Kranken- und Sozialversicherungsabgaben kümmern.

Was denkt der Personalreferent?

Auf den ersten Blick gibt es also zwar eklatante Unterschiede, jedoch ist nicht gerade leicht zu sehen, was eigentlich befürchtet wird, wenn ein Selbstständiger sich bewirbt. Drei Personalreferenten sprechen über ihre Erfahrungen:

  1. „Auch wenn ich im Grunde kein Pessimist bin, so gehe ich doch davon aus, dass ein Selbstständiger, der sich auf eine Festanstellung bewirbt, entweder nicht erfolgreich war oder es ihm schlicht zu anstrengend geworden ist, sich um alles selbst zu kümmern.“
  2. „Mir ist es im Grunde egal, wie das Geschäft des Selbstständigen gelaufen ist, aber ich fürchte mich ein wenig vor der Persönlichkeit, die hinter einem Selbstständigen steckt. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie man sich nach zeitlicher und räumlicher Freiheit wieder in feste Strukturen einfügen kann.“
  3. „Ich habe durchweg positive Erfahrungen mit ehemaligen Selbstständigen gemacht. Ob das Glück war oder nicht, kann ich nicht sagen, jedenfalls waren es durchweg engagierte Mitarbeiter, die besonders in punkto Stressresistenz so einiges gewohnt waren.“

Unterschiedliche Meinungen machen Erläuterungen nötig

Natürlich ist es „erlaubt“, sich als Selbstständiger eine Festanstellung zu suchen. Doch die Formulierung muss passend gewählt sein.

Die große Bandbreite an Ansichten der Personalreferenten zeigen: Es gibt nicht ein Vorurteil gegen Selbstständige sondern viele Erfahrungen mit Selbstständigen. Um dem Personalreferenten, an den Sie sich wenden, zu helfen, Sie besser einzuschätzen, ist es empfehlenswert zu erklären, was Sie während ihrer Selbstständigkeit gemacht haben und warum sie sich nun auf eine Festanstellung bewerben. Die folgenden Formulierungstipps können an dieser Stelle helfen:

  • „Nach meiner Ausbildung zur Grafikerin fand ich leider keine Festanstellung, hatte jedoch gleich eine ganze Menge an Anfragen von Kunden, für die ich Auftragsarbeiten machen konnte. So kam es, dass ich mich selbstständig gemacht habe und seither als Grafikerin insbesondere mit Marketingabteilungen größerer Handwerksbetriebe zusammenarbeite. Da ich gerne im Team arbeite und als Selbstständige eher als Einzelkämpfer unterwegs bin, habe ich mich sehr gefreut, als ich Ihre Stellenanzeige gelesen habe. Gerne würde ich in Ihrem Team als Grafikerin arbeiten.“
  • „Mit der Geburt meiner Tochter vor sechs Jahren gab es für mich erst einmal keine Möglichkeit, wieder zu meinem Arbeitgeber zurückzukehren. Zu ungleich waren die Vorstellungen von Familie und Beruf. Arbeiten wollte ich aber dennoch und so entschloss ich mich als Webseitenprogrammierer selbstständig zu machen. In Fachkursen erlangte ich das nötige Fachwissen – und freue mich nun, Ihnen in den Anlagen dieser Bewerbung einige Referenzen zeigen zu dürfen. Nun, da meine Tochter zur Schule geht, wäre natürlich eine Teilzeitstelle wie die von Ihnen ausgeschriebene für mich eine Traumoption, um wieder im Team arbeiten zu können.“
  • „Nach fünf Jahren in einer Festanstellung wusste ich, ich würde bereuen, wenn ich mir nun nicht den Traum von der Selbstständigkeit verwirklichen würde. Deswegen wagte ich den Sprung und bin nun seit fünf Jahren erfolgreich selbstständig. Warum ich mich dennoch bei Ihnen bewerbe? Weil ich mich natürlich regelmäßig am Markt umsehe – und Sie den absoluten Traumjob ausgeschrieben haben, für den ich gerne wieder die Seiten wechseln würde.“

Ein Blick in die Statistik zeigt …

Die Zahl der Angestellten ist in den vergangenen Jahren rasant angestiegen (um fast 50 Prozent). Die Zahl der Selbstständigen steigt hingegen in geringerem Maß – um circa 15 Prozent. Und auch der Traum von den Millionen, die Selbstständige erwirtschaften können, ist schnell ausgeträumt, denn 90 Prozent der Angestellten verdienen mehr als Selbstständige. Letztlich ist die Entscheidung, selbstständig oder angestellt zu arbeiten auch eine Frage der Persönlichkeit, denn Selbstständigkeit bedeutet Selbstdisziplin und Eigenmotivation. Als Lohn winkt dann aber nicht nur Geld, sondern auch das Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmtheit.

Bildnachweis: Coloures-pic/fotolia.com, tashatuvango/fotolia.com

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