Provoziert der Abschluss des Bewerbungsschreibens diesen Gesichtsausdruck beim Personalreferenten, ist gehörig etwas schief gegangen.

Wussten Sie schon, dass die meisten Personalreferenten bereits beim Schlusssatz der Bewerbung entscheiden, ob sie überhaupt weiterblättern, um sich Lebenslauf und Zeugnis anzusehen? Das heißt, dass der Abschluss des Bewerbungsschreibens entweder ein „Doppelpunkt“ ist, nachdem persönliche Daten und Anlagen betrachtet werden – oder es ist nicht nur der Schlusssatz, sondern auch das Ende des Bewerbungsverfahrens. Wie so etwas tunlichst vermieden werden kann, verrät ein Personalreferent im Interview.

Was sind Ihre persönlichen No-Gos in einem Bewerbungsschreiben, die Sie gar nicht erst bis zum Schluss der Bewerbung lesen lassen?

Personalreferent: Diesbezüglich machen es uns die Bewerber oft einfach, denn wer schon im Bewerbungsschreiben alle Regeln und Grundlagen an ein gutes Bewerbungsschreiben bricht, der raubt uns keine Zeit, sondern erhält gleich eine Absage. Diese „Todsünden“ im Bewerbungsschreiben sind beispielsweise Fehler in der Form des Bewerbungsschreibens, die nun wirklich leicht nachgeschlagen werden kann. Auch Rechtschreibfehler sind tabu und führen zum sofortigen Platzieren der Bewerbung auf dem „Absage“-Stapel. Darüber hinaus bekommen all diejenigen eine Absage, die sich auf den „falschen“ Job bewerben bzw. durch ein unachtsames Copy-and-Paste-Verfahren noch die falsche Stelle in der Betreffzeile stehen haben. Natürlich werden auch alle Bewerbungen aussortiert, bei denen der Ansprechpartner falsch ist.

Diese Liste ist ganz schön lang. Das heißt, dass Sie diese Bewerbungen gar nicht erst weiter in Betracht ziehen?

Personalreferent: Das stimmt beides. Die Liste ist lang und alle Bewerber mit diesen Fehlern erhalten rigoros eine Absage. Für uns wäre jede weitere Aktion schlicht Zeitverschwendung. Warum? Weil Bewerber, die sich nicht um eine ordentliche Abgabe Ihrer Bewerbungsunterlagen bemühen und schludrig arbeiten, vielleicht ein ähnliches Verhalten in der Arbeit an den Tag legen. Danach suchen wir nicht. Wir suchen nach verantwortungsbewussten und gut qualifizierten Bewerbern.

Das heißt, Sie lesen erst alle Bewerbungsschreiben durch und sortieren so in diesem ersten Schritt aus?

Personalreferent: Nein. Im Grunde sortieren wir erst einmal all die Bewerbungsunterlagen aus, die einfach nur unordentlich, unvollständig oder unprofessionell sind. Und man sollte nicht glauben, was dabei alles auf dem Tisch landet: Bunte Haftklebezettel, Butterbrotpapiere und Bierdeckel sind uns schon auf den Tisch geflattert. Kinderfotos statt Bewerbungsfotos und Loseblattsammlungen waren auch schon dabei. Da kommt man sich doch manchmal ganz schön bescheuert vor, wenn mehr als die Hälfte der Bewerbungen gleich von vornherein unbrauchbar sind. Wie gesagt: 1. Kriterium ist das äußere Erscheinungsbild der Bewerbung. Das 2. Kriterium sind offensichtliche Fehler im Bewerbungsschreiben.

Und was ist dann das dritte Kriterium?

Personalreferent: Das ist in jedem Fall der Inhalt des Bewerbungsschreibens. Je nach Anzahl der Bewerbungen, die für eine Stelle eintreffen, bin ich mittlerweile so frei und sortiere alle Bewerbungsschreiben mit 0-8-15-Floskeln rigoros aus. Natürlich gibt es Inhalte, die einfach nicht pfiffig formuliert werden können wie zum Beispiel der Eintrittstermin oder die Kündigungsfrist, aber der Rest sollte schon mit Mühe formuliert worden sein. Neben dem Auftakt – also dem ersten Satz – ist für mich auch das Ende des Bewerbungsschreibens wichtig. Gerne lese ich ein Bewerbungsschreiben dann zweimal durch, um es in der Gesamtheit wirken zu lassen.

Und worauf kommt es Ihnen beim letzten Satz der Bewerbung an?

Personalreferent: Auf das richtige Maß. Demütige Bewerber und Überflieger kommen in den seltensten Fällen weiter. Das bedeutet für mich, dass ich weder „bedroht“ werden will mit Floskeln, die vermuten lassen, dass der Bewerber binnen fünf Tagen vor meinem Schreibtisch steht, wenn ich ihm keine Einladung zum Vorstellungsgespräch zukommen lassen, noch, dass ich mit einem Übermaß an Konjunktivkonstruktionen überfrachtet werden will. Wer das Mittelmaß findet, bei dem werfe auch ich einen Blick ins Bewerbungsschreiben.

Und welche Formulierungen gelten bei Ihnen als „Mittelmaß“?

Natürlich wird eine junge Bewerberin nicht dieselbe Souveränität an den Tag legen, wie ein „alter Hase“, aber auch das wirkt authentisch.

Personalreferent: Beschließt jemand seine Bewerbung mit der freundlichen Info, für etwaige Rückfragen zur Verfügung zu stehen und sich über ein persönliches Gespräch zu freuen, wirkt das auf mich positiv. Auch wer am Ende des Bewerbungsschreibens darauf hinweist, dass das aktuelle Abschlusszeugnis der Universität nachgereicht wird, sobald es vom Prüfungsamt kommt, hat für meinen Geschmack ein gutes Mittelmaß gefunden.

„Mittelmaß“ wird damit nur schwer messbar oder gar zur unkalkulierbaren Größe. Gibt es denn auch Berufe, bei denen der Abschluss ganz anders aussehen muss?

Personalreferent: Jemand, der sich auf die Position als Vertriebsleiter bewirbt, muss, glaub ich, sein „Superman-Gen“ rauslassen. Alles andere wäre nicht authentisch. Aber vielleicht ist dies ein guter Ansatzpunkt: Authentizität. Wenn ich dem Bewerber glaube, was er sagt, dann stört es mich auch gar nicht, wenn er sich etwas zu sehr verkaufen möchte. Und wenn er dieses „Verkäufergen“ für den Job braucht, dann gibt es auch keinen Grund, abzusagen.

Gibt es einen Schlusssatz, an den Sie sich noch erinnern können?

Personalreferent: Ja, den gibt es und er bringt mich noch heute zum Schmunzeln. „Ich bin 33 Jahre alt und habe mit diesem Bewerbungsschreiben meine 33. Bewerbung abgeschickt. Was soll ich sagen? Greifen Sie zu, denn sonst (so habe ich mir selbst geschworen) werde ich eine Ausbildung oder ein Studium in einem ganz anderen Fachbereich absolvieren.“ Der eine oder andere mag sagen, dass dies ja einer Drohung gleich kommt, aber ich musste lachen – und habe den Bewerber zum Gespräch eingeladen. Er arbeitet heute übrigens in seinem erlernten Beruf als Industriekaufmann in diesem Betrieb.

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