Wer nach Fachkräften sucht, wünscht sich Bewerbungen von Berufserfahrenen.

Der Lebenslauf mit Berufserfahrung sagt ja schon rein durch seine Bezeichnung aus, worauf es ankommt: Darauf die Berufserfahrung in den Fokus zu rücken. Und das bedeutet, dass die Stationen im Lebenslauf umgekehrt chronologisch sortiert werden und die aktuellste Position an oberster Stelle steht, denn die Berufserfahrung hat hier mehr Gewicht als der Schulbesuch. Worauf es aus Sicht eines Personalreferenten beim Lebenslauf mit Berufserfahrung ankommt, soll dieser Beitrag zeigen.

Ein Lebenslauf mit Berufserfahrung ist bestimmt das Alltäglichste, was auf Ihrem Schreibtisch landet, oder nicht?

Personalreferent: Das glaube ich gar nicht einmal, denn meistens bekomme ich Lebensläufe von Schülern, die sich um einen Ausbildungsplatz bemühen. Nachdem wir aktuell im Unternehmen keine Stellen zu besetzen haben, sind angehende Azubis und vielleicht eine Initiativbewerbung ab und an das, was ich zu sehen bekomme.

Gut, aber wenn Sie aktiv suchen, dann sehen Sie doch jede Menge Lebensläufe mit Berufserfahrung. Worauf kommt es Ihnen dabei an?

Personalreferent: In der Tat fällt mein erster Blick auf den Lebenslauf. Hier kann ich in aller Ruhe die Eckdaten abgleichen, die ich für die ausgeschriebene Stelle zuerst einmal checken muss. Das heißt: Ich prüfe, ob Schulbildung und Berufserfahrung mit dem übereinstimmt, was wir als Einstellungskriterium für die Stelle festgelegt haben.

Und das ist dann das erste K.O.-Kriterium für viele, oder?

Personalreferent: Meistens ja, denn an irgendeiner Stelle muss ich ja zunächst einmal ansetzen, um gegen die Berge an Bewerbungen anzukommen und das heißt für mich, dass ich eine möglichst faire Art des ersten Aussortierens gewählt habe: Berufserfahrung und Schulbildung hat nichts mit der Persönlichkeit des Bewerbers zu tun, also kann ich rein auf Basis von Fakten eine erste Auswahl treffen. Das hilft mir persönlich sehr.

Bei der Auswahl der Bewerber haben Personalreferenten einen Blick fürs Detail – ähnlich wie dieser Steuerprüfer hier.

Und was ist Schritt 2?

Personalreferent: Im zweiten Schritt lege ich vor meinem inneren Auge alle Lebensläufe nebeneinander und versuche rein mit Blick auf die Berufserfahrung noch einmal Noten zu vergeben. Das heißt: Stimmt die Branche überein, gibt das einen Pluspunkt. Stimmt die Position überein, gibt das einen Pluspunkt. Stimmen die Aufgaben überein, gibt das einen Pluspunkt.

Das heißt, das sind alles Informationen, die Sie rein aus dem Lebenslauf nehmen?

Personalreferent: Am liebsten ja. Deswegen begrüße ich es immer, wenn in einem Lebenslauf mit Berufserfahrung die beruflichen Stationen gleich oben stehen und Branche, Position sowie Aufgabenbeschreibung dort geschrieben steht. Das ist mir persönlich lieber, als die Zeugnisse zu studieren.

Und wie sehen Ihre Kollegen das?

Personalreferent: Ich denke, dass viele gerne die Zeugnisse der Bewerber lesen, denn dabei lernt man viel über den Menschen, aber es raubt auch Zeit. Daher ziehe ich es vor, den Lebenslauf so lange es nur möglich ist zur Entscheidungsfindung zu nutzen, denn dieser umfasst kompakt die Daten, nach denen ich zunächst auswähle.

Und dann geht’s an die Persönlichkeit?

Personalreferent: Ja. Meist konnte ich im zweiten Schritt nur sehr wenige Bewerbungen aussortieren, weswegen ich mich dann um die Soft Skills der Bewerber und deren Persönlichkeit kümmere. Hier fällt mein Blick auf das ehrenamtliche Engagement, das auch noch im Lebenslauf steht. Zudem lese ich das Motivationsschreiben, falls es eins gibt. Auch das Bewerbungsschreiben an sich verrät viel über den Bewerber, der sich entweder Mühe gegeben hat und selbst ein individuelles Schreiben erstellt hat oder 0-8-15-Floskeln irgendwo abgeschrieben hat.

Das ist ein No-Go?

Personalreferent: Richtig. Das geht gar nicht. Bei Schülern verstehe ich das noch in Ansätzen, denn sie bekommen das meist in der Schule so beigebracht und haben auch noch zu wenig Erfahrung, um hier etwas ganz Individuelles zu schreiben, aber Berufserfahrene müssen hier durchaus mehr bieten, denn wir wollen keine 0-8-15-Mitarbeiter, sondern wir wollen die Besten.

Was ist das Maximum, auf das Sie die Anzahl an Bewerbungen kürzen?

Personalreferent: Kommt ganz auf die Stelle an. Ist geplant ein Assessment Center durchzuführen, brauche ich mehrere Bewerber. Hier kommen sicher 20 Leute in die Auswahl, gerne auch mehr. Weiß ich indes, dass es kein Assessment Center geben wird, versuche ich die Anzahl der Bewerbungen bereits im Vorfeld auf ein Minimum zu kürzen. Unter zehn ist dabei mein Ziel.

Und worauf fällt Ihr Blick bei einem Lebenslauf mit Berufserfahrung noch?

Personalreferent: Auf die Länge der Beschäftigungsverhältnisse. Wer weniger als ein Jahr in einem Unternehmen bleibt, gilt als Job-Hopper. Wer alle drei bis fünf Jahre den Arbeitgeber wechselt, möchte damit meist die Karriereleiter im Eiltempo erklimmen. Wer indes nach über zehn Jahren den Arbeitgeber wechselt, der schockiert mich schon fast. Ich versuche dann herauszufinden, warum er/sie das tut, denn ich halte es für mutig, nach so vielen Jahren im Betrieb die Stelle zu wechseln.

Welche Bewerbung würde bei Ihnen einen glatten Durchmarsch bis zum Vorstellungsgespräch hinlegen?

Personalreferent: Die, bei der ich nicht blättern brauche. Wer es schafft, alle relevanten Daten im Lebenslauf unterzubringen, der gibt mir jeden Grund, gleich die Einladung zum Bewerbungsgespräch rauszuschicken. Ich glaube dann nämlich, dass der Bewerber bei der Erstellung des Lebenslaufes daran gedacht hat, mir möglichst viel Service zu bieten – und das gehört honoriert.

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