Die moderne Form der Job-Empfehlung ist das eigene Netzwerk.

Wer „auf Empfehlung“ einen neuen Job antritt, der kann verschiedene Wege gegangen sein. Entweder es gab einen Tippgeber, auf den sich der Bewerber sogar bezieht, oder ein Vorgesetzter hat einen Mitarbeiter bzw. Bewerber empfohlen oder – und das ist Jobsuche 2.0 – es wurde gar keine Bewerbung verfasst, sondern das eigene Netzwerk hat beim beruflichen Neustart geholfen.

Grundsätzlich gilt: Es ist immer ein wenig riskant, sich im Rahmen einer Empfehlung für eine andere Person stark zu machen, denn wenn der Versuch floppt, kann dies schnell auf den „Empfehlenden“ zurückfallen und ihm entsprechend angekreidet werden. So ist es zwar stets ein zweischneidiges Schwert, jedoch muss das nicht heißen, dass keine Empfehlungen ausgesprochen werden dürfen. Sie werden allerdings meist auf Basis von Vertrauen ausgesprochen.

Variante „Tippgeber“ – welche Formulierung passt?

Im Freundes- und Bekanntenkreis ist bekannt, dass Sie auf der Such nach einer neuen Stelle sind, und ein Bekannter gibt Ihnen den Tipp, sich doch bei seinem Arbeitgeber zu bewerben. Dann haben Sie diese Möglichkeiten:

  1. Sie verschweigen den Tipp und schreiben eine Initiativbewerbung.
  2. Sie nehmen den Tipp an und verwerten diesen anonym mit den Worten: „Mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie nach einem Mitarbeiter im Bereich XXX suchen, deswegen habe ich Ihnen meine Bewerbungsunterlagen zusammengestellt, die zeigen, dass ich gut zu dieser Stelle passen wird.“
  3. Sie nehmen den Tipp an und geben Ihren Tippgeber preis: „Ihr XXX hat mich auf die Idee gebracht, mich auf die Stelle als XXX in Ihrem Betrieb zu bewerben. So kam ich auf die Idee, auch ohne Inserat Ihnen meine Unterlagen zusammenzustellen.“

Variante „berufliche“ Empfehlung

Wer sich im ländlichen Bereich um eine Ausbildungsstelle bewirbt, schreibt dabei in der Regel nicht nur einen Betrieb an. Und: Oft sprechen sich die Betriebe, die dergleichen Branche angehören auch ab beim Run auf den gemeinsamen Azubi. Das heißt, dass nicht der Azubi in der Bewerbung eine Empfehlung ausspricht, sondern dass ein Personalreferent den Azubi quasi weiterempfiehlt, weil er ihn selbst aus irgendwelchen Gründen nicht selbst anstellen kann. Dazu ist aber eine Vorlage des Azubis nötig, um „ins Gespräch“ zu kommen. Diese Vorlage ist in der Regel eine Bewerbung.

Die berufliche Empfehlung der heutigen Zeit funktioniert aber auch ganz ohne eine Bewerbung –rein über ein gutes Netzwerk und eine Empfehlung in diesem. Wer sich also langfristig um einen neuen Job bemühen möchte, diesen vielleicht sogar in einer führende Position anstrebt und bei all dem keine Eile hat, weil er sich in einer ungekündigten Stellung befindet, kann auch ohne ein Bewerbungsschreiben sich darum bemühen, dass es mit der Empfehlung klappt.

Wie wird ein Netzwerk aufgebaut?

Wer Kontakte knüpft, kann auch via Empfehlung zum Job kommen.

Wer ein Netzwerk hat, sollte dieses in punkto „Jobsuche“ auf den Prüfstand stellen. Der Kontakt, der für die Jobsuche helfen kann, wird intensiviert, andere werden vorerst weniger intensiv gepflegt. Neben dieser „Reinigung“ des bestehenden Netzwerks, ist auch die Erweiterung von großer Bedeutung.

Das funktioniert so:

  • Fahnden Sie nach Ihrem Wunscharbeitgeber – und nach Akteuren, die Sie ansprechen können. So finden Sie heraus, in welche Netzwerke Sie sich einklinken sollten, um Kontakte zu knüpfen.
  • Erfassen Sie die Gesprächsthemen, sobald Sie sich im selben Kommunikationskreis eingeklinkt haben. Entwickeln Sie ein Gefühl dafür, wie der Umgang ist, was ankommt und an welcher Stelle Sie mit Ihren Qualifikationen vielleicht anknüpfen können.
  • Wenn Sie die Gegeben- und Gepflogenheiten in den Kreisen des Wunsch-Arbeitgebers ausgemacht haben, verwandeln Sie sich vom stillen Konsumenten zum aktiven Part. Dabei gilt: Jeder Beitrag muss perfekt sein, denn jede Zeile entscheidet darüber, ob Sie als professionell empfunden werden – oder nicht. Dominante Egotrips sind dabei genauso out wie 0-8-15-Beiträge. Spam ist out, Mehrwert ist in!
  • Wer einige Zeit im Netzwerk verbracht hat, wird so zum geschätzten Gesprächspartner. Nun besteht die Kunst darin, vom wertigen Gesprächspartner zum „empfehlungswürdigen“ Kontakt zu werden. Dazu muss das Netzwerk erst einmal wissen, dass Interesse an einer neuen Herausforderung besteht. Dezent und möglichst in Einzelunterhaltungen kann das Thema dann anklingen.

Nachhaltigkeit im Netzwerk sichert Chancen langfristig

Der größte Fehler, den Sie machen können, ist nach einer ausgesprochenen Empfehlung (die zum Erfolg oder zum Misserfolg geführt hat), das Netzwerk zu kappen. Denn damit zeigen Sie nur, das Sie inhaltlich keinerlei Interessen hatten und sich lediglich als Mittel zum Zweck eingeklinkt haben – und das ist letztlich ein fast schon kindisch wirkendes Verhalten, als ob Sie die beste Freundin nach ihrem Spielzeug oder den Reiseinteressen der Eltern ausgewählt hätten.

Ein nachhaltiges Verhalten im Netzwerk ist immer wichtig, denn es gilt der Spruch: „Man sieht sich im Leben immer zweimal.“ Eine leichte Reduktion des Engagements kann passieren, wenn die Empfehlung nicht zum Erfolg geführt hat, doch vielleicht gibt es wieder einmal eine Chance. Wenn die Empfehlung zum neuen Job geführt hat, darf der Kontakt nicht abbrechen, wohl aber in die „reale“ Welt der neuen Kollegen verlagert werden.

Bildnachweis: Romolo Tavani/fotolia.com, Coloures-pic/fotolia.com

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