Wer vor der schriftlichen Bewerbung beim Betrieb anruft, sollte dafür gute Gründe haben.

Ein Glücksfall hoch 2 ist es wahrlich, wenn Sie bereits Kontakt zu Ihrem Wunsch-Arbeitgeber hatten, weil Sie beispielsweise beim Recherchieren einmal durchgeklingelt und nach dem richtigen Ansprechpartner gefragt haben. Warum? Weil Sie damit (1) schon einmal persönlichen Kontakt zum Betrieb hatten und Sie (2) auch gleich einen guten Anfang für Ihr Bewerbungsschreiben haben. Wie Sie sich beim Telefonat verhalten sollten und wie Sie das Telefonat nützen können, um eine gute Formulierung fürs Bewerbungsschreiben zu finden, verrät ein Personalreferent.

Ist es denn grundsätzlich gut, wenn sich Bewerber vor dem Abschicken der Bewerbung telefonisch im Unternehmen melden?

Personalreferent: Ich denke nun pauschal „ja“ zu sagen, wäre fatal und würde auch sicherlich den einen oder anderen Kollegen gegen mich aufbringen, denn wenn das Telefon heiß läuft, kann auch ein Personalreferent nicht mehr vernünftig arbeiten. Dennoch gibt es sicherlich auch gute Gründe, um vor der Bewerbung durch zu klingeln.

Und die wären?

Personalreferent: Der Klassiker ist natürlich, wenn in der Stellenanzeige unklar ist, ab wann die Stelle zu besetzen ist, wer der genaue Ansprechpartner ist oder wo der Einsatzort. Diese Punkte sind oft K.O.-Kriterien für einen Bewerber, denn nicht jeder ist uneingeschränkt bereit, für den Job sogar wegzuziehen, auch der Eintrittstermin ist wichtig und der Ansprechpartner, nun ja, der sollte ja nun idealerweise im Bewerbungsschreiben direkt angeschrieben werden.

Und wie läuft das optimale Gespräch ab?

Personalreferent: Es ist wohl einfacher zu beschreiben, wie es nicht ablaufen sollte, aber dennoch gibt es einen guten Tipp, den alle telefonwilligen Bewerber berücksichtigen sollten. Ein Anruf beim künftigen Arbeitgeber braucht ebenso eine gute Vorbereitung wie auf ein Bewerbungsgespräch. Natürlich läuft der Bewerber nicht Gefahr, über das Unternehmen abgefragt zu werden, jedoch sollte er sich besser nicht darauf verlassen, dass nur er Fragen stellt. So mancher Personalreferent nutzt dann nämlich schon mal die Gunst der Stunde und versucht im Gespräch zu ergründen, ob es später wert sein wird, die Bewerbung zu lesen.

Woran erkennt denn ein Personalreferent, ob ein Bewerber sich auf das Telefonat vorbereitet hat?

Personalreferent: Wer keine drei Fragen an den Personalreferenten zusammenbringt, der hat sich nicht wirklich Gedanken darüber gemacht, was er am Telefon sagen will, sondern hat wahrscheinlich irgendwo einmal gelesen, dass es gut ist, wenn man sich vorab beim Betrieb meldet. Wer dann sagt „ich wollte mich nur mal melden, um Ihnen zu sagen, dass ich mich für die Stelle interessiere und Ihnen die Bewerbung nun zuschicke“, gibt kein gutes Bild ab, denn das ist nur ein Beispiel dafür, wie ein schlecht vorbereiteter Bewerber dem Personalreferenten die Zeit stiehlt – und das wird sich im weiteren Bewerbungsprozess nicht gut auswirken.

Gibt es denn den ultimativen Vorbereitungstipp?

Spicken ist in diesem Fall erlaubt, oder besser: dringend erwünscht!

Personalreferent: Ja, den gibt es: Ein Anruf ist ebenso wie ein Vorstellungsgespräch keine Prüfung, das heißt auch, dass Spicken erlaubt ist und der Bewerber sich in jedem Fall vor dem Telefonat die wichtigsten Fragen notieren sollte, um dann auch wirklich Antworten auf all seine Frage zu bekommen. Gleiches gilt übrigens auch für die Antworten. Ich kann nur jedem raten, die Antworten ordentlich zu notieren und beim Namen des Ansprechpartners auch nachzufragen, wie dieser genau geschrieben wird. Ach ja, und noch eins: Personalreferenten erinnern sich an Gespräche sehr wohl. Wenn es sich also um ein Show-Gespräch gehandelt hat, bei dem zum Beispiel nach dem Ansprechpartner gefragt wurde, dieser dann aber nicht den Weg ins Bewerbungsschreiben findet, ist das natürlich daneben – und nicht hilfreich auf dem Weg zum Job.

Gibt es denn wirklich ein derartiges Praxisbeispiel?

Personalreferent: Ja, das gibt es. Ich weiß noch, dass ich mich mit dem Bewerber unterhalten habe und mir auch seinen Namen notiert habe. Er hat unter anderem nach dem Ansprechpartner gefragt – und dann in der Bewerbung geschrieben „Sehr geehrte Damen und Herren …“. Das hat mich richtig geärgert, denn er hat einen Teil meiner Aufmerksamkeit bekommen und dann nicht einmal einen Nutzen daraus gezogen.

Apropos Nutzen. Wie kann ein Bewerber ein Telefonat im Vorfeld denn nutzen?

Personalreferent: Ein Telefonat ist eine gute Möglichkeit, einen guten Auftakt im Bewerbungsschreiben hinzulegen – und nicht mit 0-8-15-Formulierungen zu beginnen. Das heißt: Wer sich schon mit dem Wunsch-Arbeitgeber unterhält, sollte das auch in die Bewerbung schreiben. Sätze wie „unser Telefonat vom XX.XX. hat die für mich nötigen Details zur Stellen offengelegt und mich noch einmal darin bestärkt, mich bei Ihnen zu bewerben“ oder „vielen Dank für das freundliche Gespräch vom XX.XX.“ bewirken einen Klick beim Personalreferenten.

Und was bewirkt dieser Klick?

Personalreferent: Im günstigsten Fall erinnere ich mich positiv und denke mir „stimmt, das war der Bewerber, der sich so überaus genau nach den EDV-Kenntnissen erkundigt hat“ oder „ich erinnere mich – das war der Kandidat, der eigentlich schon kurz vor der Zusage bei einem anderen Betrieb steht, aber so gerne bei uns eine Chance bekommen würde“.

Und was kann im schlimmsten Fall passieren?

Personalreferent: Dass ich mich daran erinnere, dass der Bewerber unfreundlich oder unaufmerksam war, mich geduzt hat oder derart arrogant angefragt hat, ob er sich den Bewerbungsquatsch nicht sparen könne, denn er sei so ohnehin der Beste für den Job, dass ich die Bewerbung gleich auf den Absage-Stapel lege.

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