Wer sich nach der Familien-Auszeit wieder bewirbt, muss selbstbewusst und kompetent auftreten.

Sie waren weg und wollen wiederkommen? Dann haben Sie sicher bereits vielfältige Erfahrungen gemacht, die Sie nun gewinnbringend für das Unternehmen einsetzen können. Ist das nicht der Fall, werden wir nun ein wenig in Ihrer Abwesenheit „wühlen“, um nach diesen Erfahrungen zu suchen, denn grundsätzlich gilt: Ein Wiedereinsteiger darf kein zurückhaltendes, graues Mäuschen sein, sondern muss selbstbewusst auftreten – dann kann der Wiedereinstieg sogar zum Karrierekick anstatt zum Karriereknick werden. Im folgenden Beitrag sollen zwei Erfolgsstorys zeigen, wie’s funktionieren kann.

Erfolgsstory Nummer 1: Mia disponiert Babysitter und Lkw-Fahrer

Mia ist 35 Jahre alt. Die gelernte Bürokauffrau hat einen Realschulabschluss und hat ihre Ausbildung in einem mittelständigen Unternehmen absolviert. Nach drei weiteren Jahren in ihrem Ausbildungsbetrieb war es für Mia an der Zeit, etwas Neues kennenzulernen. Sie hat sich als Bürokauffrau beworben und in einer Spedition die Stelle als Assistentin des Geschäftsführers bekommen. Dort hat Mia gearbeitet bis sie schwanger wurde. Als ihr Sohn Lukas zweieinhalb war, plante Mia den Wiedereinstieg. Ihre Bewerbung formulierte sie so:

„Ja, ich bin Mutter. Ja, ich bin Hausfrau. Aber ich verrate Ihnen etwas: Ich habe den X-Factor – und zwar nicht den für Ihre nächste Firmenfeier, sondern für die von Ihnen ausgeschriebene Stelle als Speditionskauffrau. Allein schon die Tatsache, dass ich diesen Beruf nicht von der Pike auf gelernt habe, sondern in diesen Fachbereich vielmehr hineingestolpert bin, müsste mich eigentlich auf den Absage-Stapel katapultieren, aber dahin möchte ich nicht – denn Disponieren, Organisieren und Dokumentieren ist mein Leben. Im Grunde habe ich die Kernaufgaben des Jobs auch während der Elternzeit weitertrainiert – nur eben mit Babysittern und Co. Und wer weiß, vielleicht braucht so mancher Fahrer in Ihrer Spedition auch einige strenge ‚Mutti-Worte‘.“

Mia wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und bekam die Stelle, denn sie konnte persönlich überzeugen. Bereits ein Jahr nach dem Wiedereinstieg begann sie ihre Fortbildung zur Verkehrsfachwirtin. Heute verantwortet sie das Team des Paket- und Kurierdienstes eigenverantwortlich im Betrieb.

Erfolgsstory Nummer 2: Holger sattelt um und steigt wieder ein

Eigentlich ist Holger gelernter Werkzeugmechaniker, doch heute arbeitet er als Lehrkraft in einer sozialen Einrichtung und lehrt geistig und körperlich behinderten Menschen das Handwerk des Werkzeugmechanikers. Mit 35 ist Holger ausgestiegen. Raus aus der Industrie, raus aus Lärm, Schmutz und Hektik. Doch das war nicht der Grund. Nach einem schweren Unfall entschied er sich dazu, seine Frau zuhause zu pflegen. Holger wurde drei Jahre nach seinem Ausstieg Witwer und alleinerziehender Vater – und wünschte sich eine neue Aufgabe. Mitleid wollte er nicht, aber er wollte deutlich zeigen, dass er nicht nur die Hände in den Schoß gelegt hat:

„Ich wusste, dass die Pflege meiner Frau nur von temporärer Dauer sein würde. Dennoch entschied ich mich, dafür meine Festanstellung als Werkzeugmechaniker aufzugeben – um mich um sie zu kümmern. Nie möchte ich die vier Jahre missen. Heute bin ich soweit, den Wiedereinstieg zu wagen, denn nun weiß ich auch: Mir fehlte seither die soziale Komponente in meinem Job. Gerne möchte ich nun bei Ihnen meine Fähigkeiten als Werkzeugmechaniker einsetzen, um Menschen mit Handicap in Ihrer Einrichtung eine sinnvolle Aufgabe zu ermöglichen.“

Holger bekam den Job. Was genau mit seiner Frau passiert ist, weiß der Personalreferent bis heute nicht, denn es ging nicht darum, Mitleid zu bekommen, sondern eine neue Chance.

Grundregeln für den Wiedereinstieg

Wer stolz ist auf seine eigene Leistung, strahlt das auch im Job aus.

Grundsätzlich gilt: Der Wiedereinstieg ist in der Regel keine Schande, denn die Gründung einer Familie muss nicht zwingend einen Karriereknick bedeuten – wenn Sie es nur richtig anpacken.

  1. Auch wenn es einige Monate oder Jahre her ist – erklären Sie dem Personalreferenten, was Sie in Ihrer letzten beruflichen Stellung getan haben. Tätigkeits- und Verantwortungsbereich sind Grundbestandteil einer Bewerbung – auch wenn Sie Wiedereinsteiger sind. Ein Beispiel: „Vor meiner zweijährigen Elternzeit war ich stellvertretende Teamleitung im Bereich Finanzbuchhaltung-Kreditoren. Gerne möchte ich wieder mit Zahlen arbeiten – ob es sich dabei um Kreditoren oder Debitoren oder andere finanzbuchhalterische Zahlen handelt, ist nicht ausschlaggebend. Wichtig ist: Ich möchte zurück zu meinen Zahlenkolonnen und Buchungen.“
  2. Erklären Sie, wie Sie während Ihrer Auszeit Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten verbessert haben. Das kann im Rahmen einer Weiterbildung passiert sein, durch eine nebenberufliche Beschäftigung oder schlicht durch die Organisation einer Familie. Das bedeutet nämlich, dass Sie Ihre Soft-Skills ausgebaut haben. Ein Beispiel: „Ganz untätig zuhause zu sitzen, war nie mein Fall, deswegen habe ich mich um die Verbesserung meiner Spanischkenntnisse gekümmert. Dabei ging es nicht nur um das Lernen an sich, sondern auch darum, die Betreuung zu den Lernzeiten vernünftig zu organisieren. Das war ein gutes Training für meinen Wiedereinstieg.“
  3. Stehen Sie zu Ihrer Auszeit! Jetzt mal Hand aufs Herz: Möchten Sie wirklich in einem Betrieb arbeiten, der Frauen nicht einstellt, weil sie Kinder haben oder weil der Unternehmer Gefahr läuft, dass die Frau ein Kind bekommt und aussteigt? Na also! Aber Achtung: Achten Sie darauf, sich als Mitarbeiter zu bewerben – und nicht etwa als säuselnde Glucke. Ein Beispiel: „Meine Zeit als Einzelhandelskauffrau vor der Babypause war schön – meine Zeit als Einzelhandelskauffrau nach der Babypause wird noch besser. Sicher sehe ich manche Dinge nun mit anderen Augen, eines aber ist gleich: Ich bin nach wie vor zielstrebig und möchte gerne irgendwann als Centerleitung agieren dürfen.“

Bildnachweis: Tom-Hanisch/fotolia.com, Jeanette Dietl/fotolia.com

41 Fragen aus dem Einstellungstest

41 Fragen aus dem Einstellungstest