Wer sich im öffentlichen Dienst bewirbt, dem bleibt das Feilschen ums Gehalt erspart, denn hier gilt der Tarifvertrag.

Wer beim Stichwort „öffentlicher Dienst“ gleich an bieder gekleidete Schreibtischtäter denkt, die nichts weiter tun, als nach einem festgezurrten Schema Akten zu bearbeiten und dabei vom linken Stapel auf den rechten Stapel zu befördern, der irrt. Sicherlich gibt es auch und gerade auch im öffentlichen Dienst viel Verwaltungsarbeit zu stemmen, doch per Definition sind viele weitere Berufe im öffentlichen Dienst angesiedelt wie zum Beispiel in Energieversorgungsunternehmen, Kinderbetreuungseinrichtungen, Finanzverwaltungen, Gerichten, Gesundheitszentren, Behörden, Verkehrsunternehmen sowie Institutionen des Wissens. So kann der klassische Schreibtischtäter, den jeder nur zu gerne mit dem Begriff „öffentlicher Dienst“ verbindet, schnell aus dem Kopf verbannt werden. Wer im öffentlichen Dienst seinen Traumberuf findet, muss bei der Bewerbung allerdings so einiges beachten.

So modern und vielseitig die Berufslandschaft im öffentlichen Dienst auch ist, die Bewerbungsstrukturen können manchmal ganz schön veraltet sein. Ganz grundsätzlich gilt: Bei der Bewerbung im öffentlichen Dienst sollten Sie sich mit Ihrer Kreativität zurückhalten und lieber auf Standard setzen, denn hier ticken die Uhren manchmal etwas anders. Die folgende Checkliste verrät, worauf es bei der Struktur der Bewerbungsmappe für den öffentlichen Dienst ankommt:

  1. Halten Sie sich an die folgende Reihenfolge: Deckblatt, Anschreiben, Lebenslauf, Arbeitszeugnisse, schulische Zeugnisse, ggf. Arbeitsproben. Haben Sie viele Anlagen, können Sie zusätzlich ein Anlagenverzeichnis einfügen, welches dann nach dem Lebenslauf und vor den Arbeitszeugnissen positioniert wird.
  2. Achten Sie akribisch genau auf die Formalitäten: Richten Sie die Bewerbung immer direkt an die Person, die auch wirklich Entscheidungsträger ist. Achten Sie darauf neben dem Vor- und Nachnamen auch die Position bzw. die Berufs- oder Abteilungsbezeichnung akribisch genau ins Bewerbungsschreiben aufzunehmen. Gängig ist die Einrichtung des Bewerbungsschreibens nach DIN 5008, die Sie hier nachlesen können.
  3. Der Lebenslauf sollte in jedem Fall mit einem Datum und Ihrer Unterschrift unterzeichnet werden. Beim Bewerbungsfoto sollten Sie auf die klassische Variante setzen.
  4. In punkto Layout gilt: Schlichtheit ebnet den Weg in den öffentlichen Dienst.
  5. Auch im öffentlichen Dienst sind Onlinebewerbungen heute üblich. Achten Sie darauf, die Anlagen ordentlich zu beschriften, so dass sie eindeutig zuzuordnen sind. Für die Bewerbung im öffentlichen Dienst gilt die Ordnung mehr als in vielen anderen Berufen.

Attraktives Detail: die Gehaltsfrage

Während die meisten Bewerber über dem Hinweis „bitte geben Sie Ihre Gehaltsvorstellungen in Ihrem Bewerbungsschreiben an“ brüten, haben es diejenigen, die sich für den öffentlichen Dienst entscheiden, hier zumindest etwas einfacher, denn es gelten die Tarifverträge des öffentlichen Dienstes und in der Regel wird bereits in der Stellenanzeige darauf hingewiesen, in welcher Entgeltgruppe der Job liegt. Das heißt einerseits, dass Ihnen die Suche nach der passenden Formulierung erspart bleibt, andererseits wiederum müssen Sie sich auch mit der Tatsache anfreunden, dass Sie nicht selbst für Ihr Gehalt kämpfen können, sondern in eine Tarif-„Schublade“ gesteckt werden. Tipp: Wer in Anbetracht der Gehaltsgruppe stutzt, sollte bedenken, dass gerade im öffentlichen Dienst weitere Vergünstigungen möglich sind, die als Benefit gerechnet werden können.

Formulierungshilfen: Drei Berufe – drei Geschichten

Wer in einem staatlichen Kindergarten arbeitet, ist im öffentlichen Dienst beschäftigt.

Auch wenn bei der Bewerbung im öffentlichen Dienst auf Standard gesetzt wird, heißt dies nicht, dass es einfacher sein muss, denn schließlich ist es um ein Vielfaches schwerer, eine standardisierte Bewerbung zu schreiben, die unter vielen Interessenten hervorsticht als eine kreative und flippige Bewerbung zu basteln, die gleich auf den ersten Blick überzeugt. Der Schlüssel zum Erfolg ist dabei die Persönlichkeit, die insbesondere bei der Bewerbung im öffentlichen Dienst besonders wichtig ist, denn schließlich repräsentieren Sie auch ein öffentliches Organ. Lassen Sie sich von den folgenden Formulierungen einfach inspirieren.

  • „Gleich nach meinem Realschulabschluss habe ich mich nach Irland aufgemacht. Mich reizte das Land und ich wollte herausfinden, ob ich unter ‚erschwerten‘ (Sprach-) Bedingungen immer noch an meinem Traumberuf als Erzieherin festhalten wollte. Ich arbeitete ein Jahr als Au Pair-Mädchen bei einer irischen Familie und kümmerte mich um die siebenjährigen Zwillinge. Mein Fazit: Mein Berufsziel hat sich verfestigt, deswegen habe ich die Ausbildung zur Erzieherin absolviert und möchte mich nun bei Ihnen als Gruppenleiterin in Ihrem Kindergarten bewerben.“
  • „Chemie und Physik faszinieren mich. Deswegen habe ich mich nach einem Ausbildungsberuf umgesehen, in dem ich diese Tätigkeiten in der Praxis anwenden kann. Der Hygienekontrolleur bietet mir hier viele Möglichkeiten, als Chemie-Fahnder Proben zu nehmen und unter dem Mikroskop ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Gerne möchte ich mich deswegen um eine Ausbildung in Ihrem Haus bemühen.“
  • „Ich war nie ein Baywatch-Fan, allerdings bin ich bereits seit meinem 10. Lebensjahr aktiv bei der örtlichen Wasserwacht. So stand für mich gleich nach der Schule fest: Ich will Fachangestellter für Bäderbetriebe werden.“
  • „Eigentlich haben mich meine Eltern dazu überredet, die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten zu machen. Heute bin ich froh darüber, denn es ermöglicht mir nun, mich auf Ihre Stellenanzeige als Ordnungsamtsmitarbeiter zu bewerben. Ordnung und Disziplin habe ich bereits durch mein Engagement bei der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr beweisen können, jetzt möchte ich mein Gerechtigkeitsgefühl in den Dienst des Ordnungsamtes stellen.“

Bildnachweis: Felix Pergande/fotolia.com, Robert Kneschke/fotolia.com

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