Das beste Zeugnis, was ein Betrieb bekommen kann, ist die Weiterempfehlung durch Kunden. Dazu braucht es jedoch Mitarbeiter, die die Goldenen Regeln des Kundenkontakts beherrschen.

Wenn Sie das von sich behaupten können, bringen Sie schon einmal eine wichtige Eigenschaft mit, doch verpackt haben Sie diese denkbar schlecht. Das wäre in etwa wie wenn Sie schreiben „ich habe gute Englischkenntnisse“, doch die erbeteten drei Motivationssätze auf Englisch wollten sie nicht liefern. Dieser Vergleich soll Ihnen eines deutlich machen: 0-8-15-Worte sind Schall und Rauch, aber für Taten ist im Bewerbungsschreiben oft kein Platz, deswegen müssen Sie versuchen den Empfänger Ihres Bewerbungsschreibens mit Worten zu beeindrucken. In punkto Kundenumgang heißt das: Erklären Sie dem Personalreferent, wie Sie mit Kunden umgehen – das zeigt, dass Sie die Worte nicht als Floskel gebrauchen, sondern wissen, was in der Praxis dahintersteckt.

Wer mit Kunden Kontakt hat, kann dies im Grunde direkt haben – wie beispielsweise im Einzel- oder Fachhandel – oder indirekt am Telefon, per E-Mail oder per Brief. Unabhängig davon, wo Sie mit Kunden in Kontakt kommen, gelten diese Goldenen Regeln des Kundenkontakts immer:

  • Achten Sie auf eine positive Grundeinstellung.
  • Ein Gespräch beginnt mit Begrüßung und Vorstellung.
  • Wer im direkten Kundenkontakt steht, muss auf ein gepflegtes Aussehen sowie Körpersprache und Körperhaltung achten.
  • Kommunizieren Sie stets kunden- und situationsgerecht.
  • Agieren Sie zuverlässig, pünktlich, freundlich, diskret und aufmerksam.

Die Goldenen Regeln des Kundenkontakts müssen via Praxisbeispiel in die Bewerbung

Übersetzt für Ihr Bewerbungsschreiben bedeutet das, dass Sie Beispiele aus Ihrer Berufspraxis finden sollten, die zeigen, dass Sie die Goldenen Regeln des Kundenkontakts perfekt beherrschen. Vielleicht finden Sie sich ja in einer der folgenden Formulierungen wieder:

„‘Grüß Gott und herzlich Willkommen bei XXX. Sie sprechen mit XXX. Wie kann ich Ihnen helfen?‘ Das war unser Eingangssatz jedes Mal, wenn das Telefon des Kundenservices geläutet hat. So haben wir versucht eine positive Grundstimmung zu erzeugen, auch wenn natürlich beim Kundenservice in der Regel diejenigen anrufen, die Hilfe brauchen. Einmal jedoch hatte ich die Ausnahme am Telefon. Die Dame rief nur an, um zu sagen, dass Sie sich freut, dass Sie uns in all den Jahren nie gebraucht hat – weil ihr Gerät problemlos gelaufen ist. Das war ein ganz besonderer Moment für mich. Gerne möchte ich mehr dieser besonderen Momente erleben und künftig in Ihrer Vertriebsabteilung proaktiv auf Kunden zugehen. Welche Reaktionen mich dabei erwarten können, habe ich in den letzten Jahre ausgiebig trainiert.“

„Ich erinnere mich noch an einen Moment an dem mir klar wurde, dass mein Beruf auch meine Berufung ist. Eine junge Frau kam zu mir, Hand in Hand mit ihrem Freund. Sie kam direkt auf mich zu und bedankte sich bei mir. Ich muss zugeben, dass ich sie zunächst nicht wiedererkannt habe, aber dann klärte sie die Szene auf. Sie kam vor einem halben Jahr zu mir, um ein Make-up von mir zu bekommen, was ihrem Typ entsprechen sollte. Sie war auf dem Weg zu ihrem ersten Speed Dating. Der Erfolg war ihr nicht nur an den funkelnden Augen anzusehen, sondern auch an der Hand – denn ihren Freund hatte sie unter anderem mit meinem Augen Make-up betört. Gerne möchte ich auch in Ihrem Parfümerie- und Kosmetik-Fachgeschäft atemberaubende Augenaufschläge auf die Lider Ihrer Kunden zeichnen.“

„Zu einem Vor-Ort-Termin komme ich regelmäßig zehn Minuten zu früh, warte dann im Auto, gehe die mir vorliegenden Informationen noch einmal durch und überprüfe mein Outfit. Ich glaube fest daran, dass der Moment, in dem ich vor der Tür stehe, darüber entscheidet, ob ich die Chance haben werde, einen Versicherungsabschluss zu erwirken oder nicht. Öffnet sich die Tür und es besteht Sympathie, ist es leichter neben branchenspezifischem Fachwissen auch praxisnahe Anwenderbeispiele zu nennen, die letztlich emotional vom Produkt überzeugen. Ich würde das nicht als eine ‚Masche‘ bezeichnen, sondern als meine Art, mich auf die Kundenberatung vor Ort einzustellen.“

Wenn die Praxiserfahrung so individuell ist wie im folgenden Formulierungsbeispiel, kann dieser Text auch gut auf einer Dritten Seite wirken.

„Meine Oma war im Verkauf tätig. An den Wochenenden verkaufte sie lange Zeit Flohmarktartikel – und ich durfte mit. Dabei erklärte sie mir ihre Grundregeln:

  • Eine Verkäuferin müsse gerade stehen und einen wachen Blick haben. Während also hinter den anderen Flohmarktständen die Menschen in ihren Klappstühlen lümmelten, stand ich aufrecht am Tisch und blickte freundlich drein.
  • Eine Verkäuferin muss immer beschäftigt sein. Anstatt also gelangweilt in die Gegend zu blicken, sortierte ich die mitgebrachte Ware neu und drapierte sie möglichst schick auf dem Tisch.
  • Eine Verkäuferin muss beraten. Wenn also Eltern mit ihrem Kind am Stand vorbeischauten und meine Spielsachen musterten, wartete ich gekonnt mit entsprechenden Geschichten auf.

So lernte ich, eine gute Verkäuferin zu sein. Gerne möchte ich dies nun auch im wirklichen Leben werden und bewerbe mich deswegen bei Ihnen als Kauffrau im Einzelhandel.“

Praxistipp: Das Bewerbungsschreiben muss auf nur eine Seite passen

Natürlich ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass das Bewerbungsschreiben auf eine Seite passen muss. Und natürlich werden Sie zu Recht stutzig, wenn Sie die oben genannten Beispiele lesen, denn die können durchaus den Rahmen sprengen. Aber auch für diesen Fall habe ich eine Lösung: Legen Sie eine Dritte Seite bei, auf der Sie Ihr persönliches Berufserlebnis wie in diesen Beispielen niederschreiben.

Bildnachweis: MK-Photo/fotolia.com, nenetus/fotolia.com

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