Ein Beinbruch ist im Lebenslauf längst kein Beinbruch. Eine psychische Erkrankung indes schon.

Eine Krankheit fällt (gedacht in Lebenslauf-Kategorien) in die Kategorie Auszeit, negativ ausgedrückt „Lücke“. Und jede Lücke im Lebenslauf wirft die Frage auf: Wie schreibe ich das am besten in den Lebenslauf? Eine detaillierte Frage dazu könnte also lauten: Soll ich im Lebenslauf Krankheit nennen? Sicherlich nicht, wenn es um einen Beinbruch geht. Spätestens dann aber, wenn Ihre Krankheit (ebenso wie eine andere Auszeit) Ihren beruflichen oder schulischen Werdegang unterbricht, sollten Sie sie im Lebenslauf erwähnen. Der Stil einer üblichen Berufstätigkeit (mit Angabe des Zeitraums) ist dabei üblich. Detailliertere Antworten auf diese wichtige Frage erhalten Sie in diesem Beitrag.

Im Lebenslauf Krankheit zu erwähnen, ist ein heikles Thema, denn oft schellen dann die Alarmglocken beim Personalreferent, wenn dieser Angst haben muss, dass Sie ihm auch im neuen Betrieb regelmäßig eine Krankmeldung auf den Tisch legen. Natürlich können Sie ohne Probleme sagen, wenn Sie durch einen Autounfall längerfristig ausgefallen sind, nun aber genesen sind, denn in einen Autounfall kann jeder verwickelt sein. Schwieriger wird’s etwa bei psychischen oder chronischen Krankheiten. Wer unter Herz-/Kreislauferkrankungen leidet, regelmäßig Rückenprobleme hat oder vielleicht schon einmal wegen Burnout oder Depressionen therapiert wurde, sollte dies verschweigen. So lautet der Rat von Berufsberatern, denn Personalreferenten würden in jedem Fall das Risiko scheuen, eine nachweislich kranke Person erneut einzustellen.

Ist die Lücke, die die Krankheit im Lebenslauf wirft, zu groß, müssen Sie sich überlegen, diese sinnvoll zu füllen – denn große Lücken sind wie große Alarmschilder für Personalreferenten und definitiv ein Grund nachzufragen. Ein möglicher Ausweg könnte sein zu schreiben „Krankheit und Rehabilitationsphase“. Das ist so unverfänglich wie es nur sein könnte, ist aber immerhin nicht geschwindelt.

Vom Problem Lebenslauf Krankheit zur Herausforderung Vorstellungsgespräch Krankheit

Wenn Sie nicht sagen können, dass es sich um einen Unfall gehandelt hat, und Sie stattdessen auf eine Behelfs-Formulierung ausgewichen sind, steht die Chance 50:50, dass Sie im Vorstellungsgespräch danach gefragt werden. Direkt nach Ihrem Gesundheitszustand („Haben Sie Krankheiten?“) dürfen Personalreferenten im Vorstellungsgespräch ohnehin nicht fragen, es sei denn, dass sich Ihre Erkrankung direkt auf die Arbeit auswirken würde. Darüber hinaus gibt es Ausnahmen wie Berufe mit Lebensmittelkontakt sowie diverse Pflege- und Sozialberufe, bei denen Personalreferenten durchaus danach fragen dürfen, ob Sie eine Krankheit haben. Meist zielt diese Frage dann aber darauf ab, ob Sie Allergien haben oder unter einer ansteckenden Krankheit leiden.

Unterm Strich ist die Frage nach den Krankheiten im Vorstellungsgespräch zwar nicht erlaubt, doch was nützt jegliche gesetzliche Regelung, wenn Sie in der Praxis gefragt werden – und nun antworten müssen (oder durch den Satz „darauf muss ich nicht antworten“ auch ihre Chancen auf den Job verspielen). Tipp: Halten Sie sich kurz. Bleiben Sie sachlich. Erwähnen Sie kurz Ihre Krankheit, Ihre Rehabilitation und betonen Sie, dass sich die Krankheit nicht auf Ihre aktuelle Leistungsfähigkeit auswirkt.

Gibt’s noch andere Lücken im Lebenslauf?

Natürlich gibt es immer wieder Gründe, die Ihren auch noch so gut geplanten Durchmarsch in punkto Schule, Ausbildung oder Beruf durchkreuzen – und das nennt man Leben. Wenn also nach einer überraschenden Kündigung nicht am nächsten Tag eine neue Anstellung auf Sie wartet, dann ist das kein Grund, im Lebenslauf oder im Vorstellungsgespräch in Grund und Boden zu versinken, denn das geht den meisten so. Auch können Sie eine gute genutzte Auszeit sogar noch positiv verkaufen, indem Sie im Lebenslauf angeben, dass Sie auf Auslandsreise waren (um die Sprache oder die Kultur kennenzulernen) oder sich um einen pflegebedürftigen Angehörigen gekümmert haben (ein großes Plus auf Ihrer Persönlichkeitsseite). Auch die Familienphase, in der heutzutage Männer und Frauen gleichermaßen in Elternzeit gehen, ist längst nichts mehr, was im Lebenslauf kaschiert werden muss. Und last but not least bietet das sogenannte „Sabbatical“ sogar die Chance, eine einjährige Auszeit zu nehmen, um einem Ausfall vorzubeugen oder sich neu zu orientieren.

Wird Aussteigen zum neuen Trend?

Durch die zunehmende Mobilität scheinen sich Wanderungsbewegungen zu intensivieren.

Nein, das sicher nicht, doch scheint Aussteigen zumindest in Mode zu kommen, denn immer häufiger lassen sich Menschen dabei beobachten, wie sie das gesicherte Leben gegen eine unsichere Zukunft eintauschen, die ihnen aber weitaus mehr zu geben scheint, als festes Einkommen oder eine eigene Wohnimmobilie. Laut faz.net verlassen jährlich 25.000 Menschen Deutschland. Die beliebtesten Ziele seien die Schweiz, USA und Österreich. Aber auch Polen, Großbritannien, Spanien und Frankreich waren in den vergangenen Jahren beliebte Ziele von Auswanderern.

Als ein „Verlust“ dürfe diese Wanderungsbewegung indes nicht begriffen werden, denn diejenigen, die Deutschland den Rücken kehren, tun dies meist nur temporär. Und kehren dann mit neuen Qualifikationen, Erfahrungen und Know-how zurück – und machen sich dann daran, einen Lebenslauf zu entwerfen, der die Zeit außerhalb Deutschlands als genau diese wichtige Erfahrung beschreibt.

Die eingangs genannte Zahl von 25.000 Menschen, die Deutschland jährlich „verliert“, komme im Prinzip aus der Differenz von Fort- und Zuzügen zustande, denn natürlich wandern auch viele nach Deutschland ein. Und diese Rückwanderer sind im Übrigen aus derselben sozialen Gruppe wie die hochqualifizierten Auswanderer. So ist der leichte Negativtrend durchaus zu verkraften.

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