Wer bereit ist, für den Job umzuziehen, kann dies auch im Bewerbungsschreiben angeben und mit „Mobilität“ punkten.

Schreibt ein Unternehmen in die Stellenanzeige „Mobilität ist erwünscht“, lohnt sich der Griff zum Telefon auf jeden Fall – oder wissen Sie etwa, was die Firma unter „mobil sein“ versteht?

Von Führerschein bis Umzugswille könnte das nämlich ganz viel bedeuten.

Gerade wer privat gebunden ist, aber nicht für Jahre im Ausland arbeiten könnte oder wollte, für den ist es nämlich letztlich ein Entscheidungskriterium, ob eine Bewerbung in dem Betrieb überhaupt Sinn macht.

Das Who-is-who der „Mobilität“

Geografische Mobilität … bedeutet im Berufsleben sowohl, dass ein Pendler einen vergleichsweise langen Arbeitsweg auf sich nimmt, als auch, dass er zu Dienstreisen bereit ist. Bei Führungskräften ist geographische Mobilität eine der Grundvoraussetzungen, denn in einem großen Unternehmen nur in der Zentrale zu sitzen ist wenig zielführend, wenn die zu führenden Mitarbeiter beispielsweise im Außendienst tätig sind. Doch auch bei vielen anderen Arbeitnehmern wird die Forderung nach Mobilität immer deutlicher.
Geistige Mobilität … bedeutet im Berufsleben nicht in einem begrenzten Radius zu denken, sondern auch Raum für Alternativen und Flexibilität zu lassen. Mit einer steigenden Berufsqualifizierung steigt auch der Mobilitätsdruck, denn Abteilungsdenken ist kein Karrieresprungbrett. Vielmehr gilt es, mobil und auch vernetzt zu denken. Auch kann in diesem Zusammenhang die Bereitschaft für eine Weiterbildung gemeint sein.
Mobilität … kann auch bedeuten, dass die Stelle, deren Inserat Sie auf dem Tisch haben, einen Umzug voraussetzen würde. Ist dies der Fall (oder kommt dies bei einer telefonischen Nachfrage heraus), sollten Sie sich VOR Ihrer Bewerbung klar darüber werden, ob Sie (gegebenenfalls mit Ihrer Familie) bereit wären, umzuziehen. Achten Sie dabei darauf, sowohl Ihre persönlichen Bindungen als auch die ihrer Familienmitglieder zu berücksichtigen und darüber hinaus die Wohnsituation zu bedenken. Tipp: Ein Umzug ist in jedem Fall erst nach Ablauf der Probezeit sinnvoll.

Auch wenn seitens des Unternehmens eventuell finanzielle Unterstützung beim Umzug angeboten wird, so fallen die persönlichen Rahmenbedingungen unter das Kapitel „Private Management“, was bedeutet, dass jeder Arbeitnehmer selbst eine Lösung für private Schwierigkeiten finden muss, die durch einen Umzug anstehen könnten. Bei Führungskräften gilt als ungeschriebenes Gesetz: Wer sein Privatleben gut managet, wird sich auch im Betrieb bewähren.

Sie haben herausgefunden, was „Mobilität“ bedeutet – dann folgt nun der Formulierungsratgeber

Wie eingangs bereits erwähnt, ist es in jedem Fall sinnvoll, herauszufinden, was der künftige Arbeitgeber unter „Mobilität“ versteht. Dann fällt auch die Formulierung leichter, wie folgende Beispiele zeigen:

  • Ein Führerschein ist gefordert? Dies könnten Sie so formulieren: „Pünktlich zum 18. Geburtstag habe ich meinen Führerschein bestanden. Seither bin ich (unfallfrei) unterwegs.“
  • Sie müssten für die Stelle umziehen? Das können Sie Ihre Mobilität so formulieren: „Es freut mich sehr, dass Sie mir bereits im Vorfeld mitgeteilt haben, dass ich – falls ich die Stelle bekomme – zum Aufbau einer neuen Niederlassung umziehen müsste, da die neue Außenstelle rund 400 Kilometer von meinem aktuellen Wohnort weg ist. Nach reiflicher Überlegung (auch mit meinem privaten Umfeld) sind wir gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass wir das für meinen Traumjob durchaus in Kauf nehmen würden.“
  • Sie sollen sich während der Einarbeitung ein Bild über die aktuellen Prozesse machen und diese unter Berücksichtigung einer Wettbewerbsanalyse und gängiger EDV-Möglichkeiten innovativ und praxisnah neu gestalten (Stichwort: geistige Mobilität), dann können Sie das so formulieren: „Input zu sammeln und anschließend etwas Neues daraus zu kreieren, konnte ich schon bei meiner jetzigen Stelle zeigen, in dem alle Prozesse ausnahmslos digitalisiert wurden. Gerne würde ich nun auch für Ihr Unternehmen mein Abstraktionsvermögen einsetzen.“
  • Bewerben Sie sich auf eine Führungsposition, bei der Sie sich um eine Außendienstmannschaft kümmern sollen, so könnten Sie dies wie folgt formulieren: „Zuerst sprechen, dann schreiben. Dies ist mir persönlich sehr wichtig im Umgang mit meinen Mitarbeitern. Das bedeutet auch, dass ich sehr viel unterwegs bin, was ich gerne in Kauf nehme, wenn ich dafür die Ziele erreiche, die ich mir gesteckt habe bzw. die mir gesteckt werden.“

Nicht um jeden Preis

Karriere und Gehalt sollten nicht die einzigen Faktoren sein, die über einen Jobwechsel entscheiden.

Mag sein, dass Sie schon lange nach einem Job suchen, doch sollten Sie nicht um jeden Preis sich auf eine Stelle einlassen, die Sie dazu zwingt, Ihr gewohntes Umfeld zu verlassen. Jeder Mensch braucht einen Ausgleich in Form von Freizeit, Freunden, Kunst, Kultur, Sport oder ehrenamtlichem Engagement. Fällt dies von heute auf morgen weg, fällt auch eine wichtige emotionale Stütze weg, die gerade beim beruflichen Neustart immer auch sehr wichtig ist.

Bedenken Sie also genau, ob Sie einen Umzug auch emotional so gut verkraften würden – selbst wenn Sie es für Ihren Traumjob tun. Auch Bewerber mit Familie sollten nicht nur auf sich selbst achten, sondern auch auf ihre Familienmitglieder hören. Gerade Kinder, die gerade in die Pubertät kommen oder einen Schulwechsel hinter sich haben, verlassen nur ungern die alte Heimat. Oft fällt ihnen die Eingewöhnung im neuen Umfeld sehr schwer.

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