Wer im Schichtdienst arbeitet, muss das außerberufliche Leben gut planen.

Eins vorweg: „Ich bin bereit für die Schichtarbeit“ steht auf der Liste der verpönten Bewerbungsfloskeln, denn dieser Satz ist ebenso abgedroschen wie „ich bin teamfähig und motiviert. Liest ein Personalreferent diese Floskel, wandert die Bewerbung (nur mental) oder sogar gleich physisch in den Papierkorb. „Auswendig gelernte Phrasen sind das Schlimmste an unserem Job“, formuliert ein Personalreferent dazu. Grund genug einmal nachzuhören, wie das Thema Schichtarbeit besser im Bewerbungsschreiben verpackt werden kann.

Wie nötig ist es heutzutage eigentlich noch, bereit für die Schichtarbeit zu sein?

Personalreferent: Das ist immer branchen- und berufsabhängig. Die meisten denken bei Schichtarbeit an größenwahnsinnige Chefs, die ihre Arbeiter Tag und Nacht arbeiten lassen. So ist es ja nun sicher nicht. Sicherlich gibt es einige Branchen, insbesondere im Bereich des produzierenden Gewerbes, bei dem Schichtarbeit an der Tagesordnung ist, weil Maschinen nicht stillstehen dürfen. In Chemiefabriken und in der teilautomatisierten Fertigung ist Schichtarbeit üblich und in einem ausgeklügelten Schichtsystem geregelt. Ein Schichtplan verrät, wer, wann, wie arbeitet und danach richten sich die Arbeitnehmer.

Und woran erkennt man diese Jobs?

Personalreferent: Steht in der Stellenanzeige „die anfallenden Aufgaben werden im Schichtdienst bearbeitet“ ist klar: Hier wird grundsätzlich in mehreren Schichten gearbeitet.

Gibt es denn noch andere Schichtdienst-Modelle?

Personalreferent: Natürlich. Es gibt auch Berufe, für die Arbeiter mit der Formulierung „Bereitschaft zu Schichtdienst ist mitzubringen“ gesucht werden. Oft heißt das, dass es ein wechselndes System gibt, bei dem immer wieder ein anderer Mitarbeiter „Springer“ ist und quasi „Bereitschaft“ hat. Klingt dann das Bereitschaftstelefon, ist das in der Regel unabhängig von der Tageszeit. Mitarbeiter in der Energieversorgung oder im technischen Servicebereich kennen dieses Thema sehr genau.

Fallen Ärzte, Schwestern und Polizisten nicht auch unter Berufsgruppen, die im Schichtdienst arbeiten?

Personalreferent: Doch. Wer in diesen Berufen arbeitet weiß: Ich muss mich in ein strenges Schichtsystem einfügen. Das ist Grundvoraussetzung, um in diesem Beruf Freude und Erfolg zu haben.

Wenn Sie also eine Stelle ausschreiben, die regelmäßige Schichtarbeit bedingt – welche Bewerbungen bekommen Sie?

Personalreferent: Viele einfallslose, muss ich zugeben. Die meisten schreiben „Schichtarbeit ist für mich kein Problem“ oder gehen gar nicht erst auf dieses wichtige Jobdetail ein. Ich gebe zu, das ärgert mich oft maßlos. Ebenso schlimm ist, wenn sich Bewerber gar keine wirklichen Gedanken darüber machen, was Schichtdienst eigentlich bedeutet. Offensichtlich glauben die meisten derer, die die Stellenanzeige lesen, dass der Personalreferent den Hinweis nur spaßeshalber eingefügt hat.

Und warum ist Schichtarbeit mehr als nur eine Randnotiz?

Tagsüber zu schlafen und nachts zu arbeiten, bedeutet für den Körper Stress. Nur wenige kommen daher mit dem Schichtdienst klar.

Tagsüber zu schlafen und nachts zu arbeiten, bedeutet für den Körper Stress. Nur wenige kommen daher mit dem Schichtdienst klar.

Personalreferent: Schichtarbeit bedeutet Stress – für den Körper und oft auch für den Partner oder die Familie. Schichtarbeit heißt, dass der Körper sich in regelmäßigen Abständen an einen anderen Wach-Schlaf-Rhythmus gewöhnen muss, dass – je nach Schichtzeiten – Abendessen mit der Familie ausfallen oder die Kinder nicht mehr selbst ins Bett gebracht werden können.

Gibt es denn Menschen, die an der Schichtarbeit scheitern?

Personalreferent: Ja, die gibt es – und das sind vergleichsweise viele. Zu beobachten ist, dass wer in jungen Jahren mit der Schichtarbeit beginnt, sich leichter tut, sich darauf einzustellen. Wer indes erst spät in die Schichtarbeit einsteigt, hat oft massive körperliche Probleme. Ich kenne Beispiele, die den Job nur wegen der Schichtarbeit wieder an den Nagel hängen mussten.

Ist das auch der Grund, warum Sie Bewerbungen ablehnen, die das Thema Schichtarbeit gar nicht thematisieren?

Personalreferent: Ja, richtig. Im Grunde verfahre ich so: Diejenigen, die den Hinweis auf Schichtarbeit komplett ignorieren, die erhalten eine Absage. Die Bewerbungen, in denen die Floskel steht „ich komme gut klar mit Schichtarbeit“, lege ich auf den „Vielleicht-Stapel“. Eingeladen werden diese Bewerber aber wirklich nur, wenn sonst keine guten Bewerber dabei sind oder die vermeintlich Guten im Vorstellungsgespräch nicht das halten konnten, was die Bewerbungsunterlagen versprochen haben.

Können Sie denn auch positive Beispiele nennen, wie „Schichtarbeit“ im Bewerbungsschreiben formuliert werden kann?

Personalreferent: Ja, ich habe ein wenig in meinen Unterlagen gewühlt und bin auf die folgenden Formulierungen gestoßen. Diese zeigen, dass der Bewerber erkannt hat, warum es wichtig ist, auf das Thema Schichtarbeit einzugehen:

  • „Direkt nach Abschluss meiner Ausbildung wurde ich volljährig und konnte direkt mit dem Schichtdienst starten. Aktuell arbeite ich in Wechselschicht, was sich meines Erachtens gut mit dem außerberuflichen Leben kombinieren lässt.“
  • „Vor einigen Jahren habe ich bereits im Schichtdienst gearbeitet. Mein damaliger Arbeitsplatz fiel leider Umstrukturierungsmaßnahmen zum Opfer. Bei meiner aktuellen Arbeitsstelle gibt es keinen Schichtbetrieb. Und auch wenn es verwunderlich ist: Ich konnte mich immer gut mit den vergleichsweise seltenen Arbeitszeiten arrangieren.“
  • „Während meines Studiums habe ich jahrelang nachts gearbeitet. Nun bewerbe ich mich als Schichtleiter bei Ihnen – und weiß: Die bisherigen Jahre waren eine gute Vorbereitung auf diesen Job.“
  • „Den klassischen 9-to-5-Job kenne ich nicht – und ich wäre wohl auch nicht glücklich damit. Deswegen sehe ich kein Problem darin, im Schichtdienst zu arbeiten. Als Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr werde ich zudem oft nachts zum Einsatz gerufen – Flexibilität und eine rasche Anpassungsgabe an ungewöhnliche Arbeitszeiten kenne ich daher gut.“

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