Selbst wenn Sie einen Lebenslauf ohne Foto einreichen, können Sie online gefunden werden.

Ein Lebenslauf ohne Foto ist mittlerweile legitim, oder vielmehr noch sogar gesetzlich erlaubt, denn im Antidiskriminierungsgesetzt (dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz) steht, dass niemand aufgrund des Alters, seiner Hautfarbe oder seiner Religion benachteiligt werden darf. Soweit die juristisch festgehaltene Theorie. Wer nun „gesetzestreu“ agiert und kein Foto einreicht, dem kann also rein rechtlich betrachtet nichts passieren, vielmehr hat er nun sogar eine Handhabe, wenn er glaubt, aufgrund des fehlenden Fotos eine Absage erhalten zu haben. Doch was bringt’s? Wer vor Gericht geht, der kann vielleicht einen Vergleich aushandeln. Einen Job gibt es deswegen nicht. Und wer das Foto nicht mitschickt, sollte sich auch überlegen, was dies beim Personalreferenten auslöst.

Wer neugierig ist, findet Sie!

Natürlich ist es bei dem einen einfacher und bei dem anderen schwerer, aber die allermeisten Menschen findet man heute im Internet – und zwar auch mit Foto. Wo man Sie findet?

Wenn Sie in sozialen Netzwerken aktiv sind, dann haben Sie dort meist ein Profilfoto hinterlegt. Selbst wenn Sie selbst kein Bild eingestellt haben, was Sie zeigt, könnten Online-Verlinkungen doch ermöglichen, dass Sie auf einem Bild gefunden werden, das jemand anderes gepostet hat. In der Praxis funktioniert das recht einfach, wenn Sie in einem user-generated Beitrag erwähnt werden und ein Dritter diesen verlinkt.

So werden Inhalte und damit auch Informationen von Ihnen oder besser noch über Sie vernetzt und erscheinen kompakt, sobald man nach Ihnen sucht. Das heißt: Selbst das Bild vom Kegelausflug, das ein Kegelfreund online einstellt, könnte zu Ihnen führen, wenn Ihr Name in der Bildunterschrift steht. Und auch wenn Ihre Großeltern die Diamantene Hochzeit feierten und Sie neben ihnen und dem Bürgermeister sitzend geknipst wurden, landen Sie schneller in der Online-Welt (meist der regionalen Tageszeitung), als Sie es sich gedacht hätten.

Recherchieren Personalreferenten beim Lebenslauf ohne Foto?

Durch die Vernetzung im Internet, ist es heute viel einfacher, ein Foto, aber auch Informationen über Dritte zu bekommen.

Eine pauschale Antwort auf diese Frage kann es nicht geben. Ist der Bewerber über 45 Jahre alt, wird kaum recherchiert. Ist der Bewerber mit Blick auf die Qualifikation interessant, wird dieser eingeladen – und dann kann sich das Unternehmen selbst ein Bild von ihm machen.

Bei Jüngeren hingegen, wird öfter recherchiert – nicht etwa, weil es so interessant ist, wie der Bewerber aussieht, sondern, um etwas über den Bewerber herauszufinden. An denselben Orten und nach demselben Prinzip wie jemand dann Informationen über Sie bekommen kann (Stichwort: Kegelausflug, Diamantene Hochzeit), wird nach Ihrem Leben gefahndet. Feiern Sie häufig exzessiv? Sind Sie mit Ihrem Ex-Arbeitskollegen oder vielleicht auch Ex-Vorgesetzten nach wie vor aktiv vernetzt? Wie groß ist Ihr Online-Netzwerk und wie aktiv sind Sie dort?

Grundsätzlich gilt:

  • Kontakte sind nichts Negatives, auch nicht wenn Sie zum Ex-Arbeitgeber sind (wenn nicht die Gefahr besteht, dass intern wichtige Wettbewerbsinformationen weitergetragen werden).
  • Viele Kontakte werden Ihnen nicht negativ ausgelegt, außer Sie bestehen zu zwielichtigen Personen oder man sieht, dass Sie nur auf Kontakt-Fang sind.
  • Die Zeit, zu der Sie online aktiv sind, ist für Personalreferenten sehr spannend. Wenn dies nämlich nicht außerhalb der regulären Arbeitszeit liegt, dann wirft das schnell ein schlechtes Licht auf Sie.
  • Fotos sind immer spannend für Personalreferenten. Haben Sie Fotos online, die Sie beim Feiern mit Freunden zeigt? Ab und an ist das mittlerweile geduldet. Permanentes Komatrinken hingegen bringt Ihnen einen großen Minuspunkt beim Wunsch-Arbeitgeber ein.
  • Achten Sie auf Ihre Statements. Geben Sie häufig unqualifizierte Statements im Netz ab, so wirft das ein negatives Licht auf Sie.

Die Diskussion um den Lebenslauf ohne Foto ist mit Blick auf die Online-Welt umsonst

Nein, der bisherige Artikel war keine Themaverfehlung im Hinblick auf das Fokusthema „Lebenslauf ohne Foto“, sondern sollten Ihnen zeigen: Selbst wenn Sie sich dafür entscheiden, einen Lebenslauf ohne Foto einzureichen, verhindert das noch lange nicht, dass Ihr künftiger Arbeitgeber Sie findet oder Informationen über Sie bekommt, denn in der heutigen Online-Welt gibt es viele Möglichkeiten, die findige User auch kennen und zu nutzen wissen.

Davor die Augen zu verschließen, ist indes keine Lösung. Viel sinnvoller ist in diesem Zusammenhang ein offener, aber bedachter Umgang mit Online-Netzwerken und mit persönlichen Daten in der Online-Welt.

Daher raten Bewerbungs-Coaches:

  • Achten Sie darauf, wo Sie sich registrieren.
  • Wenn Sie erst einmal namentlich auftauchen, sollten Sie das dort angelegte Profil auch pflegen bzw. regelmäßig prüfen, wer darauf verlinkt. So können Sie ggf. eingreifen, wenn Sie mit einem Thema nicht in Verbindung gebracht werden möchten.
  • Verhalten Sie sich wach in der Online-Welt. Posten Sie nichts unüberlegt und vermeiden Sie zum Dauer-Netzwerker zu sein (denn diese haben kaum Zeit zum Arbeiten!).
  • Private Fotos sollten in keinem Fall „unter der Gürtellinie“ sein und auch nur in Maßen gepostet werden – oder möchten Sie die ganze Welt permanent im Wohnzimmer haben?
  • Mit dem immer größer werdenden Hype um Online-Videos weiten sich die Warnungen auch auf diesen Bereich aus: Wer einen eigenen Video-Kanal hat, sollte Filme hier mit Bedacht einstellen, denn man wird diese in jedem Fall bis zu Ihnen zurückverfolgen können.

Bildnachweis: niroworld/fotolia.com, Markus Mainka/fotolia.com

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