… im Vorstellungsgespräch.

… mittlerweile bei deutschen Bewerbungen üblich, weil das Bild nicht mehr Pflicht ist und häufig auch aus optischen Gründen auf dem Deckblatt platziert wird. In englischen oder amerikanischen Bewerbungen ist ein Lebenslauf ohne Bild das Einzige, was überhaupt erlaubt ist. Hier hat bereits ein Umdenken stattgefunden, denn man will alles vermeiden, was Raum für Diskriminierungen schafft. Und das bedeutet neben dem Bild auch auf Hinweise zum Alter, zur Religion und zur Staatsangehörigkeit zu verzichten, wenn dies nicht explizit gefordert ist. Wie der Personalreferent mit vorhandenen oder fehlenden Informationen umgeht, soll dieser Beitrag zeigen.

Wie kommt’s an, wenn auf das Bild oder andere Angaben, die nicht mehr verpflichtend sind, gänzlich verzichtet wird?

Personalreferent: Das kommt immer auf die individuelle Arbeitsweise des Personalreferenten an. Ich persönlich werfe den ersten Blick auf den Lebenslauf und gleiche diesen mit der Stellenanzeige ab. Wichtig sind hierbei ja grundsätzlich die ersten Punkte, also der Ausbildungs- oder Studienabschluss, eine etwaige Weiterqualifikation oder Spezialkenntnisse, die unter den Qualifikationen gelistet sein müssten. Dies ist mein erster Schritt, um mich einem Bewerber rein mit Blick auf dessen Passgenauigkeit zu nähern.

Und was rückt dann beim zweiten Blick ins Visier?

Personalreferent: Die Stimmigkeit. Mir persönlich ist es wichtiger, dass der Lebenslauf und damit auch das Leben des Bewerbers stimmig ist, als dass er eine Staatsangehörigkeit hat, die heute ja schon fast nichts mehr darüber aussagt, welche Sprache man spricht und welche Wertvorstellungen man vertritt. Ich achte darauf, dass keine Lücken im Lebenslauf sind. Ich lege viel Wert darauf, dass nicht nur Positionen genannt werden, sondern auch Tätigkeiten beschrieben werden.

Glauben Sie denn alles, was in der Bewerbung steht?

Personalreferent: In der Regel prüfe ich an drei Stellen nach. Kommt mir etwas spanisch vor, tue ich das öfter oder ich höre auf mein Bauchgefühl und sondere den Bewerber lieber aus. Nach einigen Jahren im Beruf, traue ich mir durchaus zu, auch mal intuitiv zu arbeiten.

Und wie prüfen Sie?

Personalreferent: Wenn im Lebenslauf steht, dass die Englischkenntnisse Business Niveau haben, suche ich nach einem entsprechenden Beweis dafür. Das kann ein Zertifikat sein, das dieses Niveau bescheinigt oder aber ein Hinweis auf die englischsprachige Tätigkeit im Zeugnis des Arbeitgebers. Ähnlich verfahre ich mit speziellen IT-Kenntnissen. Werden diese als so wichtig erachtet, dass der Bewerber diese unter den Qualifikationen listet, dann möchte ich auch in den Zeugnissen sehen, dass er das IT-Programm angewendet hat. Was nützt es, wenn er beispielsweise ein JAVA-Buch gelesen hat und das Programm theoretisch kennt, aber praktisch nicht umsetzen kann?

Und was ist Ihr dritter Ansatzpunkt?

Personalreferent: Ich kucke mir genau an, ob der Bewerber verstanden hat, auf was es bei uns ankommt. Das heißt, ich suche mir die Qualifikation im Lebenslauf aus, die am wichtigsten für die ausgeschriebene Stelle in unserem Betrieb ist und kucke mir dann an, ob der Bewerber genau diese auch im Bewerbungsschreiben genannt hat – denn dort hat er schließlich die Aufgabe kurz und prägnant herauszustellen, warum er eine gute Wahl für uns wäre. Dieses Prinzip habe ich mir selbst einmal zurechtgelegt und es funktioniert wirklich ganz gut so.

Das heißt, dass Sie gar nicht darauf achten, ob ein Lebenslauf ohne Bild ist oder mit?

Personalreferent: Ein Bild ist immer ein Eyecatcher. Das ist schon rein optisch begründet. Und natürlich würde jeder lügen, der sagt, dass er das Bild nicht ansieht, nur weil er es eigentlich nicht ansehen darf bzw. nicht in seiner Entscheidung berücksichtigen darf. Aber mal andersherum gefragt, was soll das Bild denn heutzutage schon aussagen?

Wie meinen Sie das?

Aus Bewerbungsfotos ist ein riesen Markt geworden, der nur wenig Aussagekraft für Personalreferenten hat.

Personalreferent: Es gibt zig Tipps und Tricks und sogar Ankleidelisten für bestimmte Jobs. Was sagt denn dann ein Bild noch über den Bewerber wirklich aus? Dass er recherchieren und lesen kann, das ist richtig. Aber im Grunde genommen ist aus dem ganzen Thema Bewerbungsfoto doch ein riesen Markt geworden – einer für die Fotografen versteht sich. Der Personalreferent hat nur wenig davon, denn letztlich wird ohnehin keiner die Katze im Sack kaufen und ohne ein Vorstellungsgespräch einen Arbeitsvertrag ausgeben. Und Doubles fürs Vorstellungsgespräch oder Schattenwände gibt es meines Wissens nach noch nicht.

Das heißt, ein Lebenslauf ohne Bild ist Ihnen persönlich ganz gleichgültig?

Personalreferent: Im Grunde ja. Wenn ich mit meinem sehr standardisierten Verfahren Bewerber auswähle, weiß ich, dass ich das nicht aufgrund einer persönlichen Eigenschaft der Bewerber tue. Das ist mir persönlich wichtig, denn ich will auch niemanden bevorzugen oder benachteiligen. Ich will schlicht denjenigen finden, der in punkto Erfahrung und Qualifikation das perfekte Puzzlestück ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Das heißt, Sie ermutigen die Bewerber dazu, aufs Foto zu verzichten?

Personalreferent: Manchmal würde ich das gerne, denn wenn ich sehe, dass angehende Azubis für Standard-Fotos horrende Summen zahlen müssen, tun sie mir einfach leid. Ich schätze, dass sich der Lebenslauf ohne Bild sicher durchsetzen wird. In England und Amerika ist es bereits verpönt, Bilder mitzuschicken. Das heißt, es wird auch bald bei uns so sein.

Bildnachweis: stockphoto-graf/fotolia.com, Dan Race/fotolia.com

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