Den Zivildienst gibt es in seiner damaligen Form nicht mehr, aber der Bundesfreiwilligendienst muss ebenso im Lebenslauf erwähnt werden.

Selten war eine Frage zur Bewerbungsmappe oder im Speziellen zum Lebenslauf so einfach und ohne Wenn und Aber zu beantworten wie diese, denn sie lautet schlichtweg „Ja“. Im Lebenslauf Zivildienst zu erwähnen ist absolut richtig, denn dieser ist ein Teil Ihres Werdegangs, obgleich sich der Zivildienst heute anders gestaltet als noch vor einigen Jahren. Welche Möglichkeiten des Zivildienstes es heute gibt und wo Sie diese im Lebenslauf erwähnen, soll dieser Beitrag zeigen.

Den Zivildienst von einst gibt es nicht mehr

Wer heute im Lebenslauf Zivildienst aufführt und nichts weiter dazu erklärt, meint vermutlich, dass er als sogenannter „Kriegsdienstverweigerer“ statt seiner Zeit bei der Bundeswehr Zivildienst geleistet hat. Damals, als es noch eine Wehrpflicht gab, war diese eine Option für diejenigen, die nicht etwa beim Gesundheitscheck ausgemustert wurden. Wer eigentlich gesund und fit genug war, um Kriegsdienst zu leisten, konnte sich auf Artikel 4 des Grundgesetzes berufen. Dort steht im Absatz 3, dass es die Möglichkeit gibt „aus Gewissensgründen“ den Kriegsdienst zu verweigern. Statt Dienst an der Waffe zu tun, mussten die jungen Männer dann Zivildienst leisten. Doch mit dem Wegfall des Wehrdienstes fiel folgerichtig auch Plan B, der Zivildienst, weg – und damit fehlten plötzlich zahlreiche helfende Hände (vor allem im Pflegebereich). Und so trat am 1. Juli 2011 an die Stelle des Zivildienstes der Bundesfreiwilligendienst.

Bundesfreiwilligendienst, Freiwilliges Soziales Jahr und Freiwilliges Ökologisches Jahr

Der neu kreierte Bundesfreiwilligendienst gesellte sich also zu zwei alten Bekannten: dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ). So unterscheiden sich die drei ehrenamtlichen Dienstvarianten.

  • Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) richtet sich an all diejenigen, die sich unabhängig von Schule oder Beruf ehrenamtlich engagieren wollen. Die Einsatzbereiche könnten vielfältiger nicht sein, denn der BFD kann im sozialen und ökologischen Bereich abgeleistet werden und stellt Helfer bei Integrationsaufgaben, im Katastrophen- und Zivilschutz und sogar bei Sport und Kultur. Meist wird der BFD im Anschluss an die Schule oder an die Ausbildung absolviert (ähnlich wie der Zivildienst einst). Auch wer schon im Berufsleben steht und älter als 27 Jahre ist, hat die Option, den BFD abzuleisten. Dies ist dann sogar in Teilzeit möglich. In aller Regel dauert der BFD zwölf Monate (sechs, aber auch 18 Monate ist optional möglich).
  • Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) ist älter als der Bundesfreiwilligendienst. Wer sich dafür entscheidet, grenzt den Tätigkeitsbereich auf soziale Projekte ein. Oft werden FSJ bei kirchlichen Trägern absolviert. Der Zeitraum ist dem BFD ähnlich: In der Regel dauert das FSJ ein Jahr, jedoch ist eine Verkürzung um die Hälfte sowie eine Verlängerung auf 18 Monate möglich.
  • Das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) ist das an der Natur orientierte Pendant zum FSJ. Die Rahmenbedingungen sind weitestgehend gleich, doch inhaltlich betrachtet, fokussieren sich diejenigen, die sich für ein FÖJ entscheiden einzig und allein auf Umweltthemen – und zwar in theoretischer und praktischer Form.

Im Lebenslauf Zivildienst, BFD, FSJ und FÖJ angeben hat welchen Effekt?

Meist dienen diese einjährigen „Pausen“ nach der Schule der Orientierung. Wer ein FSJ absolviert, möchte sich selbst testen und herausfinden, ob er für die Arbeit im sozialen Bereich gemacht ist. Ein FÖJ hingegen könnte auf ein entsprechendes Studium im Bereich Umwelt vorbereiten und der BFD ist eine gute Möglichkeit, eine sinnvolle Auszeit zu nehmen, bevor der Startschuss für das Berufsleben fällt. Der Grund, warum sich junge Leute für eine dieser Formen des ehrenamtlichen Engagements entscheiden, ist ein wichtiger Anhaltspunkt dafür, wo Sie die ehrenamtliche Tätigkeit im Lebenslauf einbinden.

Grundsätzlich listen Sie BFD, FSJ und FÖJ im Lebenslauf unter Ausbildung – insbesondere, wenn Sie aufbauend auf den dort erlangten Erfahrungen eine entsprechende Ausbildung anstreben. Wer indes wirklich nur den Auszeit-Gedanken im Kopf hat, kann BFD, FSJ und FÖJ auch unter der Rubrik „ehrenamtliches Engagement“ aufführen, obgleich diese Position eigentlich ein „Understatement“ ist, da dort sonst nur Vereinstätigkeiten gelistet werden.

Guter Ansatz für ein Motivationsschreiben!

Oft ist ein freiwilliges Jahr eine Möglichkeit der Orientierung.

Ein freiwilliges Jahr (ganz unabhängig davon, was Sie inhaltlich in dieser Zeit gemacht haben) ist in jedem Fall ein Grund, um anzugeben. Und das heißt: Wer ein BFD, ein FSJ oder ein FÖJ absolviert hat, hatten allen Grund, eine Dritte Seite zu beanspruchen und ein spezielles Motivationsschreiben dort anzuführen. Dabei kann das einjährige Engagement als berufliche Orientierungsphase gedeutet werden (wenn Sie nach dem FSJ Erzieher oder Altenpfleger werden möchten). Auch kann das BFD die Chance sein, einen Neuanfang zu machen (vielleicht in einer neuen Stadt oder fernab von der Vergangenheit).

Beschreiben Sie dann sowohl inhaltlich das, was Sie während Ihrer einjährigen Auszeit gemacht haben, als auch emotional. Auch wenn es sonst in der Bewerbung nicht erlaubt ist, können Sie sich hier einen Satz erlauben, wie sehr Sie der Einsatz im Waisenhaus geprägt hat oder wie emotional bewegt Sie waren, als Sie das Theaterstück mit den Kindern der Asylbewerber einstudieren durften. Lassen Sie den Leser Ihrer Bewerbung (in der Regel den Personalreferenten) spüren, wie sehr Sie Ihr Einsatz inhaltlich, aber auch persönlich geformt hat.

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