Technisches Verständnis ist Grundvoraussetzung für viele Berufe. Besonders in der Bewerbung um eine Ausbildungsstelle, muss diese Fähigkeit betont werden.

„Lass Taten sprechen“ ist ein Motto, dass insbesondere beim Bewerbungsschreiben gar nicht so leicht umzusetzen ist, denn die Möglichkeiten, im Rahmen einer simplen Mappe Taten sprechen zu lassen, sind vergleichsweise gering. Also sollte es wohl eher heißen: „Lass Storys sprechen.“ Damit ist gemeint, dass das Bewerbungsschreiben nicht mit auswendig gelernten 0-8-15-Floskeln angereichert werden sollte – sondern mit individuellen Storys, die die persönlichen Stärken deutlich machen, anstatt diese nur aufzuzählen. Welche Formulierungen sich beispielsweise für das „technische Verständnis“ eignen, soll dieser Beitrag klären.

„Technisches Verständnis“ gilt als eine Stärke, die in ganz vielen Berufen nützlich ist. Wer als Unternehmen technisches Verständnis voraussetzt, wünscht sich einen Mitarbeiter, der versteht, wie Maschinen aufgebaut sind, wie mechanische Apparate aufeinander abgestimmt sind und welche Einzelteile für einen erfolgreichen Betrieb nötig sind. Nötig ist das insbesondere in den Berufen, bei denen es auf die Bedienung von Maschinen ankommt.

Bei den Top-10 der beliebtesten Ausbildungsberufe (Quelle: ausbildung.de) ist bei einigen, nicht aber bei allen, technisches Verständnis Grundvoraussetzung.

    1. Die Ausbildung zum/zur Kaufmann/-frau für Büromanagement war im Jahr 2014 die beliebteste. Über 29.000 Azubis starteten in diesem Jahr. Die Ausbildung umfasst eigentlich drei Ausbildungsberufe: die zum/zur Kaufmann/-frau für Büromanagement, die zum/zur Bürokaufmann/-frau und die zum/zur Kaufmann/-frau für Bürokommunikation. Technisches Verständnis ist dabei weniger gefragt, eher Bedienerkenntnisse der bürotypischen, technischen Ausstattung.
    2. Mit deutlichem Abstand und einer Azubi-Starter-Quote von über 26.500 im Jahr 2014 rangiert die Ausbildung zum/zur Einzelhandelskaufmann/-frau auf Platz 2. Das einzig „Technische“ an diesem Beruf ist jedoch das Kassensystem und die Bewegung der Waren mit einem Stapler. Ansonsten steht hier Warenmanagement und die Beratung der Kunde im Fokus.
    3. In die Ausbildung zum/zur Verkäufer/-in starteten im Jahr 2014 rund 25.209 junge Erwachsene. Da es sich hierbei um eine kurze Einzelhandelskaufmann/-frau-Ausbildung handelt, ist auch hier das „technische Verständnis“ vergleichsweise unwichtig.
    4. War einst der Kfz-Mechaniker der klassische Beruf für alle Hobby-Autoschrauber, ist seit einigen Jahren bereits die dreieinhalbjährige Ausbildung zum/zur Kfz-Mechatroniker/-in an seine Stelle gerückt. Und dieser Beruf, in den knapp 20.200 Auszubildende starteten, ist der erste Ausbildungsberuf der Hitliste, bei dem technisches Verständnis Grundvoraussetzung ist. Wer sich als Kfz-Mechatroniker/-in bewirbt, könnte diesen Satz nutzen: „Wartungsarbeiten durchzuführen heißt für mich, etwaigen technischen Defekten auf den Grund zu gehen. Das ist für mich spannend, denn es heißt, ich kann meine Leidenschaft fürs Schrauben und Tüfteln, die ich bisher nur an den Kinderfahrzeugen meiner kleineren Geschwister ausleben konnte, endlich auch beruflich nutzen.“
    5. Über 18.000 Auszubildende haben im Jahr 2014 die Ausbildung zum/zur Industriekaufmann/-frau Obgleich sie in erster Linie in Wirtschaftsunternehmen tätig sind, sind Industriekaufleute doch im Büro aktiv – und müssen dabei wenig „technisches Verständnis“ mitbringen.
    6. Das Pendant zum/zur Einzelhandelskaufmann/-frau ist die Ausbildung zum/zur Groß- und Außenhandelskaufmann/-frau, die knapp 15.000 Auszubildende im Jahr 2014 begonnen haben. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich auch hierbei um einen kaufmännischen Beruf, der eigentlich nur dann technisches Verständnis erfordert, wenn die Ausbildung beispielsweise in der Fahrzeugindustrie absolviert wird. Eine mögliche Formulierung könnte dann diese sein: „In mir schlägt ein kaufmännisches und ein technisches Herz. Das technische Verständnis zeigt sich darin, dass ich Bedienungsanleitungen vergleichsweise schnell umsetzen kann. Besonders spannend jedoch war für mich immer die Beschaffung der (laut Bedienungsanleitung) benötigten Einzelteile. Beide Bereiche sind in meinen Augen Grundvoraussetzung, um als Außenhandelskauffrau in Ihrem Betrieb eine Ausbildung absolvieren zu können.“
    7. Über 14.000 Auszubildende haben nach einer kombinierten Ausbildung aus Sekretärin, Verwaltungsfachangestellten und Krankenpfleger gesucht und diese in der Ausbildung zum/zur medizinischen Fachangestellten Im Fokus stehen dabei sicherlich die Beratung der Patienten und die Assistenz bei Behandlungen. Wer indes auch IT-technisch versiert ist, hat es leichter, die elektronische Form von Patientenakten zu pflegen. Ein klassisches „technisches“ Verständnis steht aber in der Regel nicht auf der Liste der Grundanforderungen.

Wer als Industriemechaniker arbeiten möchte, muss technisches Verständnis mitbringen, um einmal Gelerntes auch auf andere Anlage übersetzen zu können.

  1. Der/die Industriemechaniker/-in braucht in jedem Fall technisches Verständnis. Ihre Hauptaufgabe liegt darin, die uneingeschränkte Funktionsfähigkeit von Werkzeugmaschinen sicherzustellen. Dabei werden sie nicht nur in der Reparatur aktiv, sondern auch in der regelmäßigen Instandhaltung, die eine langwierige Reparaturphase verhindern kann. Wer sich um eine Ausbildungsstelle bewirbt, könnte dies so formulieren: „Fertigungsanlagen können so unterschiedlich und doch so ähnlich sein. Gerade das ist in meinen Augen auch die Herausforderung an der Ausbildung zum Industriemechaniker, denn ich kann dabei lernen, ein Gerät zu reparieren und habe die Chance durch technisches Verständnis und Transferleistung die Arbeitsschritte auf andere Geräte zu übersetzen.“
  2. Knapp 12.500 Auszubildende haben sich im Jahr 2014 für eine Ausbildung zum/zur Bankkaufmann/-frau Technisches Verständnis wird dabei nicht vorausgesetzt, sondern eher ein gepflegtes, adrettes Auftreten und ein Verständnis für die Welt der Zahlen und Zahlvorgänge.
  3. Über 12.000 Auszubildende sind im Jahr 2014 in die Ausbildung zum/zur Elektroniker/-in Besonders beliebt ist dabei die Ausbildung mit dem Schwerpunkt Energie- und Gebäudetechnik. Allerdings gehört „technisches Verständnis“ in wirklich allen Schwerpunkten dieses Ausbildungsberufes zur Grundvoraussetzung. Wer über technisches Verständnis verfügt, kann dies so ins Bewerbungsschreiben tippen: „Bei der Ausbildung zum Elektroniker mit Schwerpunkt Energie- und Gebäudetechnik reizt mich die Kombination aus Technik und Mechanik. Während eines Praktikums konnte ich meine Fähigkeiten bereits unter Beweis stellen und weiß jetzt: Stromkreise zu ziehen und diese in Schaltgeräten zusammenzuführen, soll meine künftige berufliche Tätigkeit sein.“

Ist technisches Verständnis nur für Azubis wichtig?

Nein, auf keinem Fall. Aber in deren Bewerbung ist es wichtig, deutlich zu machen, dass sie technisches Verständnis mitbringen. Bewirbt sich hingegen ein ausgelernter Elektroniker auf eine Stelle, wird diesem unterstellt, dass er technisches Verständnis hat – sonst hätte er wohl seine Ausbildung nicht bestehen können.

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