So funktional wie dieser Schreibtisch sollte das Design der Bewerbungsmappe sein – aber eben auch Leidenschaft erkennbar machen.

Wahrscheinlich wäre die Frage danach, auf was Sie beim Bewerbungsmappe Design besser verzichten sollten, viel leichter zu beantworten, doch allein schon diese Tatsache ist Grund genug für diesen Beitrag, denn die Frage ist: Muss es bei der Bewerbungsmappe ein spezielles Design sein, sollte es vielleicht berufsbezogen sein, was ist üblich, gibt es „zu“ langweilige Designs … Fragen über Fragen, die nun mithilfe eines Personalreferenten beantwortet werden sollen.

Variante 1: Das funktionale Design

Wer sich für ein vergleichsweise schlichtes Design entscheidet, macht damit ganz und gar nichts falsch, sondern geht auf Nummer sicher. Schlicht und funktional ist das, was nie schlecht ankommt, allenfalls vielleicht als sehr brav eingestuft wird. Brav dürfen im Übrigen die meisten Bewerber sein, denn nur die Wenigsten bewerben sich auf einen hippen, innovativen und trendigen Agenturjob. Die meisten Bewerbungen erreichen nun mal Unternehmen, die klassische Jobs zu vergeben haben. Und dafür erhoffen Sie sich eine Bewerbung mit funktionalem Design, das sich durch diese Details auszeichnet:

  • Eine klare Linienführung bringt Ordnung in die Bewerbung. Das hilft beispielsweise dabei, den tabellarischen Lebenslauf ordentlich wirken zu lassen. Durch eine kreativere Art der Linienführung kann das strenge Design aufgebrochen werden.
  • Ein einheitliches Schriftbild ermöglicht es dem Personalreferenten ohne groß darüber nachzudenken, Überschriften und damit neue Kapitel zu erkennen – wenn Sie für die Überschriften eine einheitliche Schriftgröße wählen. Auch sollten Sie darauf achten, dass Sie eine Schriftart wählen. Maximal zwei Schriftschnitte (kursiv, fett, …) sind erlaubt.
  • Eine inhaltliche Farbführung ist ebenfalls funktional, aber eben eine sehr moderne Form. Im Grunde bedeutet das, dass Sie beispielsweise ein Inhaltsverzeichnis gestalten und in diesem pro Kategorie oder Kapitel eine Farbe verwenden. Greifen Sie diese dann im weiteren Teil der Bewerbung auf, ermöglicht das Orientierung. Aber Achtung: Versuchen Sie nicht, mit zu mächtigen Farbbalken zu arbeiten. Das erschlägt Ihr Gegenüber. Auch die Idee, dass Sie später farbige Papierränder als Orientierung haben werden, wird scheitern, denn dazu müssten Sie randabfallend drucken, was kaum ein privater Drucker kann.

Variante 2: Das berufsbezogene Design

Berufsbezogen heißt „typisch“ und „typisch“ heißt auch ein Stück weit, dass Sie ein bestimmtes Klischee bedienen. Das ist immer gefährlich, denn wenn Sie nicht ein absoluter Profi in Ihrem Beruf sind, können Sie mit einem Klischee auch komplett daneben liegen. Wer sich beispielsweise als Fotograf bewirbt und künstlerische Schnörkel durch die ganze Bewerbung zieht, denkt vermutlich nur an die romantische Hochzeitsfotografie, die wenig mit dem Alltag eines Fotografen zu tun hat.

Auch diejenigen, die sich in einem Kreativberuf bewerben, müssen vorsichtig sein. Gestalten Sie beispielsweise als Mediengestalter Ihre Bewerbung in Form einer Broschüre, ist das verständlich und mutig zugleich, denn schließlich wollen Sie zeigen, was Sie können. Aber während Sie bei Auftragsarbeiten größtenteils nach Vorgaben gestalten, zeigen Sie mit Ihrer individuell gestalteten Bewerbungsmappe auch ein Stück Ihrer Persönlichkeit. Interessieren Sie sich privat für Blumen und lassen Sie daher in der ganzen Bewerbung Blumen sprechen, kann das vielleicht Ihrer Persönlichkeit entsprechen, doch der Personalreferent versteht dies rein anhand der Bewerbung natürlich nicht und wird sicherlich irritiert sein.

Ein absolutes No-go ist in diesem Zusammenhang übrigens das berufsbezogene Bewerbungsfoto. Sicherlich trägt der Rechtsanwalt einen Anzug, aber die Fitnesstrainerin lässt sich bitte nicht im Trainingsoutfit ablichten.

Nachgefragt: Was wünscht sich der Personalreferent?

Erst wenn sich die Mappe öffnet, zeigt sich, welches Design dahinter auf den Personalreferenten wartet.

Wenn Sie Richtlinien festlegen könnten für alle Bewerbungen, wie würden diese aussehen?

Personalreferent: Gute Frage. Vielleicht wäre das ja ein Weg, um Bewerber davon abzuhalten, sich nur auf das Aussehen der Bewerbung zu konzentrieren und den Inhalt darüber komplett zu vergessen.

Passiert das denn?

Personalreferent: Ja, leider ziemlich oft. Es werden wirklich ansprechende Designs gewählt – aber dann fehlt im Lebenslauf der ganze Absatz zur Schulbildung. Das verstehe ich nicht und daher würde ich lieber sagen: Achtet mehr auf den Inhalt als auf die Präsentation.

Interessiert Sie das Bewerbungsmappen Design denn gar nicht?

Personalreferent: Gar nicht wäre falsch. Ich finde ein Design immer dann ansprechend, wenn es den Inhalt unterstreicht. Dann ist es für mich sinnvoll. Wenn es aber förmlich vom (falschen) Inhalt ablenken soll, dann möchte ich am liebsten sagen: „Lieber Bewerber, du wirst hier nicht wegen deiner Liebe zur PowerPoint oder Illustrator eingestellt, sondern aufgrund deiner fachlichen Qualifikation, die erstens in einem ganz anderen Bereich liegen sollte und zweitens gar nicht deutlich wird vor lauter Schnörkel.“

Können Sie sich dennoch an ein Best Practice Beispiel erinnern?

Personalreferent: Oh ja. Einmal hat mich eine Bewerberin absolut irritiert. Sie hatte sich als Kauffrau für Büromanagement beworben und diese Bewerbung war durch und durch 1a. Es handelte sich dabei um eine PowerPoint-Präsentation. Sie hat die Bewerbung in DINA4-Querformat ausgedruckt, einen Link angegeben, wo die Bewerbung in digitaler Form herunterzuladen ist und auch in der Bewerbung selbst viele wertige, weiterführende Informationen wie beispielsweise zu Ihrer Homepage angegeben. Dabei stimmte einfach alles. Der zuständige Abteilungsleiter wählte die Printvariante, ich klickte mich durch die Online-Präsentation, die viele nützliche Querverlinkungen aufwies. Heute ist die Bewerberin übrigens die Sekretärin der Geschäftsführung.

Bildnachweis: Robert Kneschke/fotolia.com, Picture-Factory/fotolia.com

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