Berufseinsteiger mit praktischen Kenntnissen haben gute Chancen auf einen Job, Theoretiker eher weniger.

Wer sich als Berufseinsteiger bewirbt, bewirbt sich im Grunde genommen erst einmal mit einem großen MINUS, denn wer sich als Berufseinsteiger bewirbt, beschwört beim Personalreferenten das Bild eines Theoretikers, der noch nie in der Praxis tätig war. Dass solch eine Person nicht zum beliebten Mitarbeiter auserkoren wird, liegt auf der Hand. Und das heißt für Bewerbungen von Berufseinsteigern: Betonen Sie Praxiskenntnisse so gut Sie können! Worauf es beim Lebenslauf Berufseinsteiger noch ankommt, erklärt ein Personalreferent im Interview.

Was ist das schlimmste Detail im Lebenslauf Berufseinsteiger?

Personalreferent: Das Wort! Wer bereits im Bewerbungsschreiben sich als Berufseinsteiger beschreibt und sich auch mit diesem Wort tituliert, der landet in den Kopf-Schubladen ganz schnell im Absagen-Fach, wenn dies nicht sogar gleich auch in der realen, der physischen Welt passiert.

Aber warum ist das so?

Personalreferent: Mit dem Wort Berufseinsteiger verbindet der Personalreferent einen Menschen, der sein Leben lang die Nase in Bücher gesteckt hat, ohne jemals praktisch gearbeitet zu haben – und mal ganz ehrlich: Um was geht es im Job? Um Theorie oder Praxis?

Um die Praxis natürlich. Das heißt, der Tipp lautet: Verbannen Sie die Klassifizierung als Berufseinsteiger am besten komplett aus dem Vokabular?

Personalreferent: Super Idee! Wer sich als Student mit Master-Abschluss tituliert impliziert, dass er stolz darauf ist, einen hohen akademischen Grad zu haben und sich auch zutraut, diesen praktisch zu füllen. Wer sich hingegen als Berufseinsteiger bewirbt, sagt damit eigentlich aus, dass er von der praktischen Materie keine Ahnung hat und bei Null anfängt. Das ist natürlich wenig attraktiv für einen Arbeitgeber.

Also plädieren Sie dafür, akademisches Wissen in den Fokus zu rücken?

Personalreferent: Nein, das wäre doch sehr einseitig und das K.O.-Kriterium für alle, die keine Hochschule besucht haben. Wichtig ist, eine gewisse authentische Größe auszustrahlen. Das heißt: Wer studiert hat, regelmäßig Praktika absolviert hat, als Werkstudent tätig war oder in irgendeiner Form Praxisluft geschnuppert hat, sollte dies deutlich machen, denn es ist im Lebenslauf Berufseinsteiger ein großer Pluspunkt.

Dann haben also Berufseinsteiger mit dualer Ausbildung weniger Probleme, einen Job zu finden?

Personalreferent: Kommt auf den Job an. Wenn sie sich auf einen Job im Management bewerben, kommen sie allein mit dem Abschluss einer dualen Ausbildung nicht weit. Dafür ist schon ein Studium nötig. Wer sich aber als Sachbearbeiter oder Mechaniker bewirbt, der muss in erster Linie eine gute Ausbildung absolviert haben und plausibel erklären, warum er dann nicht in seinem Ausbildungsbetrieb weiterarbeiten möchte.

Ist das denn nicht selbstverständlich, im Ausbildungsbetrieb weiterzuarbeiten?

Personalreferent: Offensichtlich zeichnet sich ein Trend auf beiden Seiten ab. Die Betriebe bilden ihrerseits nicht mehr nur für den Eigenbedarf aus, sondern auch für den Markt und die Branche und können gar nicht alle Auszubildenden übernehmen. Andererseits möchten nicht alle Absolventen einer Ausbildung sofort weiterarbeiten, sondern überlegen sich dann manchmal nochmal eine weiterführende Schule zu besuchen, zu studieren oder bei einem anderen Arbeitgeber weiterzuarbeiten, um möglichst schnell aus der Rolle als „Azubi“ herauszukommen.

Und was würden Sie raten?

Personalreferent: Grundsätzlich ist es am einfachsten, erst einmal Praxiserfahrung im Ausbildungsbetrieb zu sammeln, wenn dieser so fair ist und den Ex-Azubi auch als Fachkraft beschäftigt. Bleibt er der Hiwi, ist es sinnvoll, die Stelle zu wechseln. Natürlich dürfen Bewerber das nicht so deutlich im Vorstellungsgespräch sagen, weil man nicht schlecht über Betriebe spricht. Sinnvoll ist dann zu sagen, dass man sich einen neuen praktischen Schwerpunkt in einem anderen Unternehmen erhofft.

Gesetzt den Fall, ein Bewerber, der gerade seinen Bachelor-Abschluss gemacht hat, würde sich bei Ihnen nach den Einstellungschancen erkundigen. Was würden Sie sagen?

Personalreferent: Hat der Bewerber nichts anderes getan, als zu studieren, würde ich ihm raten mindestens ein Jahr Praxiserfahrung zu sammeln. Wenn er gut ist und sich vielleicht auch im Studium in eine für uns passende Richtung bewegt hat, könnte ich mir sogar gut vorstellen, ihn als Jahres-Praktikant einzustellen. So kann ich mir ein Jahr lang ansehen, ob der Mensch fähig ist, das theoretisch Gelernte auch in die Praxis umzusetzen. Funktioniert das, könnte man sowohl über eine Einstellung sprechen, als auch über die Möglichkeit, zu arbeiten und berufsbegleitend ein Master-Studium anzuschließen.

Wer den Sprung von der Theorie in die Praxis nicht scheut, kann schnell Erfolge erzielen.

Damit werden wohl nun einige Studenten aufatmen. Es ist also nicht alles verloren, wenn keine Berufserfahrung zu vermelden ist.

Personalreferent: Nein, keineswegs. Wichtig ist nur, sich das auch einzugestehen und keinen super Posten zu erwarten, ohne jemals wirklich gearbeitet zu haben. Das wäre natürlich vermessen. Wer dann ehrlich ist und die Fähigkeit besitzt, Theorie und Praxis zu verquicken, wird nach einem Hardcore-Praxiseinsatz schnell den Stempel „Berufseinsteiger“ ausradieren können.

Gibt es denn keine bessere Möglichkeit, sich theoretisch und praktisch zu qualifizieren?

Personalreferent: Grundsätzlich ist die klassische duale Ausbildung immer eine gute Möglichkeit, sich theoretisch und praktisch zu qualifizieren. Wer die Möglichkeit hat und über eine Hochschulzugangsberechtigung verfügt, hat heute zunehmend häufiger die Chance, ein Duales Studium zu absolvieren, was eigentlich das Nonplusultra ist, denn neben theoretischen Inhalten auf Uni-Niveau erfolgt eine praktische Ausbildung im Betrieb.

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