Wer als Fotograf sein Handwerk beherrscht, kennt auch das ABC der Belichtungsmöglichkeiten.

Kleine Vorwarnung: In diesem Beitrag wird es technisch, lichttechnisch um genau zu sein, denn die richtige Ausleuchtung eines Motivs zum Fotoshooting ist entscheidend für die Wirkung auf dem späteren Abzug. Wer nun (zu Recht) sagt, „aber dafür gehe ich doch zum Profi-Fotograf, dem können wir nur zustimmen, jedoch zeigt sich auch hier: Ein wacher Blick auf das Handwerk des Profis schadet nicht. Nehmen Sie die Inhalte dieses Beitrags als kleine Checkliste an, um auch dem Fotografen prüfend auf die Finger sehen zu können.

Der Faktor „Licht“ bei der Fotografie

Licht ist essentieller Bestandteil eines guten Fotos. Wer im Freien fotografiert weiß: Licht ist ständig in Bewegung und ändert sich nicht nur nach Tages- oder Jahreszeit, sondern auch durch die geografische Lage. Wetter und Lichtrichtung können ein und dasselbe Motiv ganz unterschiedlich wirken lassen. Wer also Outdoor-Aufnahmen plant, muss wissen, welcher Lichtmoment die gewünschte Aufnahme am besten in Szene setzt.

Das ABC der Belichtungsmöglichkeiten

Beim Bewerbungsfoto steht der Fotograf in aller Regel vor einer ganz anderen Herausforderung: Er muss das künstliche Licht so anwenden, drapieren und arrangieren, dass der Bewerber bestmöglich und gleichzeitig natürlich aussieht. Grund genug einmal einen Blick in das Who-is-Who der möglichen Belichtungsmöglichkeiten eines Fotografen zu werfen. Eins vorweg: Natürlich eignen sich nur die wenigsten Lichtvarianten für das Lichtsetup beim Bewerbungsfoto, doch der Überblick wird auch Verständnis dafür wecken, welche Fähigkeiten ein Fotograf mitbringen muss, um das Licht für sein Werk zu nutzen.

Im Studio gelten andere Regeln als im Outdoor-Bereich.

  • Farbtemperatur. Hierbei geht es nicht etwa darum, wie warm der Lichtstrahl ist, der das Motiv trifft, sondern darum, dass die Temperatur des Lichts (in Korrelation zu schwarzem Licht) die Farbigkeit des Motivs beeinflussen kann. Im Fotostudio werden zur Anpassung der Farbtemperatur Filter eingesetzt. In der Digitalfotografie erfolgt die Anpassung über die Funktion „Weißabgleich“.
  • Gegenlicht. Auf den ersten Blick scheint das Gegenlicht verpönt zu sein denn es hat eine Reihe von negativen Folgen (dunkle Fotos, Blendenflecken, Streulicht), aber: Rein künstlerisch betrachtet, ermöglicht Gegenlicht Einblicke und teils sogar überraschende Motive, die erst auf dem späteren Abzug deutlich werden.
  • Goldene / Blaue Stunde. Wir befinden uns im Outdoorbereich. Die „Goldene Stunde“ ist gekennzeichnet durch sehr warmes Licht, das kurz vor Sonnenaufgang oder kurz nach Sonnenuntergang „verfügbar“ ist. Die „Blaue Stunde“ hat ihren Namen von der blauen Himmelsfärbung. Manchmal, nicht immer, gibt es die „Blaue Stunde“ nach Sonnenuntergang. Tipp für Hobbyfotografen: Mit Stativ funktionieren Aufnahmen zu dieser Zeit am besten.
  • Kunstlicht. Wer nun glaubt, dass Kunstlicht lediglich bedeutet, den Spot anzuknipsen, der irrt sich gewaltig, denn der richtige Einsatz von Kunstlicht ist buchstäblich eine Kunst, denn je nach Licht-Wellenlänge und Farbtemperatur erscheinen die Motivfarben in ganz unterschiedlicher Intensität. Besonders schwierig ist demzufolge das Ablichten von Kunstwerken, denn hierbei kommt es auf Farbechtheit an. Spannend kann grundsätzlich (aber nichts fürs Bewerbungsfoto) die Beleuchtung mit Feuer oder Kerzenschein sein.
  • Lichtintensität. Die Lichtintensität ist ein weites Feld, denn hierunter fallen sowohl Stärke, Dichte als auch Helligkeit. In der Praxis bedeutet das: Eine Anpassung von Belichtungszeit, ISO-Zahl und Blende ist nötig, um die Faktoren der Lichtintensität zu regulieren. Beim Bewerbungsfotoshooting treten in aller Regel keine Probleme in diesem Sektor auf, denn das Studio kann entsprechend ausgeleuchtet werden.
  • Streiflicht / Seitenlicht. Diese Lichteinstellung ist wichtig, um einem Motiv Tiefe zu geben. Wie der Name schon vermuten lässt, ist das Seitenlicht das Licht, das seitlich auf das Motiv trifft. Oft wird es verwendet, um eine Struktur detailliert abzubilden oder vorhandene Konturen deutlich herauszuarbeiten.
  • Weiches Licht / Hartes Licht. Dieses Gegensatzpaar ist eine wichtige Stellschraube im Fotografenhandwerk. Grundsätzlich gilt: Je größer die Abstrahlfläche des Lichts ist, desto weicher wirkt auch das Licht. Das Resultat ist eine gleichmäßige Ausleuchtung mit wenig Schattenbildung. Beim Bewerbungsfoto wird weiches Licht gern genutzt, weil das Gesicht gleichmäßig wirkt und Unebenheiten kaschiert werden. Bei harten Licht hingegen ist sowohl die Abstrahlfläche (die viel kleiner ist) ausschlaggebend, wie auch der Abstand zum Fotomotiv. Das beste Beispiel für hartes Licht sind Blitzgeräte in Kameras. Hartes Licht kann eine Option für das Bewerbungsfoto sein, wenn der Bewerber sehr markant wirken soll. Business Fotos und Aufnahmen von Führungskräften lassen dieses Lichtsetup vermuten.

So sieht das Bewerbungsfoto Lichtsetup des Profis aus

Als Hintergrund wählt der Fotograf einen neutralen Hintergrund (meist grau oder weiß). Nur selten wird ein farbiger oder extrem dunkler Hintergrund ausgewählt (der falls gewünscht auch nachträglich am Computer eingefügt werden kann). Der Bewerber wir mit ein bis zwei Metern Abstand vor der Wand platziert. Das verhindert, dass der sogenannte Schlagschatten beim Fotografieren entsteht – und, dass der Bewerber wirkt, als hätte man ihn vor die Wand gestellt. Als Streif- und Hintergrundlicht nutzt der Fotograf einen Standardreflektor. Der Wabenvorsatz wird beim Haarlicht mit 20 Grad etwas höher gesetzt als beim Hintergrundlicht mit 12 Grad. Eine weiße Styroporwand kann zum Aufhellen der Seite dienen. Der sogenannte Kinnreflektor kaschiert die Kinnregion optisch und macht sie leichter und heller.

Bildnachweis: von Lieres/fotolia.com‚ A_Bruno/fotolia.com

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