Hemd und Krawatte sind für viele Berufe ein passendes Outfit. Doch das Hemd muss keinesfalls immer weiß sein.

Jeder, der der Meinung ist, dass der Personalreferent nicht auf das Outfit auf dem Bewerbungsfoto achten soll, sondern lieber auf Fähigkeiten, Qualifikationen und Leistungen, der hat absolut und uneingeschränkt Recht, ABER: Die Realität sieht leider anders aus. UND: Kleider machen Leute. Mit diesen noch so altbackenen Weisheiten im Gepäck begeben wir uns mit diesem Beitrag vor den Kleiderschrank dreier Bewerber – die die Frage beschäftigt: Welche Hemdfarbe ich für das Bewerbungsfoto angebracht? Der Style-Coach ist natürlich mit von der Partie.

Fallbeispiel Nummer 1: Jens hat sein BWL-Studium abgeschlossen, Schwerpunkt Logistik

In seinem Fachbereich macht Jens so schnell keiner etwas vor, denn sein BWL-Studium mit Schwerpunkt Logistik hat er mit Bravur gemeistert. Da er diese Ausbildung im Dualen System absolviert hat, weiß er genau, wie es in der Praxis zugeht – und gerade im Speditionsgewerbe kann der Ton durchaus einmal harscher werden. Nun möchte sich Jens auf einen Job als Projektleiter in einer großen, internationalen Spedition bewerben – doch was soll er anziehen?

Jens schlägt seinen grauen V-Ausschnitt-Pullover vor und wendet sich mit einem fragenden Gesicht an den Style-Coach. Dieser rät: „Wenn du dich auf einen Job als Disponent bewerben möchtest, ist dieser V-Ausschnitt-Pullover eine gute Wahl, denn er ist ordentlich, seriös und nicht overdressed. Da du aber nicht nur gelernter Speditionskaufmann bist, sondern auch ein BWL-Studium absolviert hast – und dies auch beruflich nutzen willst – darf es durchaus etwas mehr sein. Von einem schwarzen Anzug und einem weißen Hemd würde ich abraten, denn du bist ein junger Mann, der nicht zu bieder auftreten muss – obgleich Business-Look in jedem Fall angebracht ist. Doch dieser muss nicht zwingend schwarz-weiß bedeuten. Sieh mal hier. Dieses Hemd hat einen dunklen lila Ton. Darüber trägst du ein Sakko. In der Speditionsbranche kannst du auf eine Krawatte auch verzichten.“

Fallbeispiel Nummer 2: Mike möchte sich als Mechatroniker bewerben

Mike ist 17 und lebt für sein Hobby: das Skaten. In seiner Freizeit trägt er ausschließlich Skater-Kleidung. Er vertritt den Standpunkt, sich nicht äußerlich verändern zu wollen – auch nicht für einen Job. Doch mit Blick auf den Schulabschluss und seinen Berufswunsch, Mechatroniker zu werden, muss er diese vehemente Meinung vermutlich etwas zurücknehmen, denn in weiter Kleidung und mit Baseballcap auf dem Kopf wird’s eher schwierig, als verantwortungsvoller junger Mensch rüberzukommen.

So wird sein Vorschlag – eine schwarze Hose mit bunten Schuhen und einem auffällig bedruckten Sweatpullover mit Kapuze und Cap – rigoros vom Style-Coach abgelehnt. Der wiederum rät: „Die Schwierigkeit ist nun, ein Styling auszuwählen, in dem du dich wohlfühlst, denn wenn du dir verkleidet vorkommst, dann wirst du diese Unsicherheit auch ausstrahlen – und das ist kontraproduktiv im Battle um eine Lehrstelle. Also suchen wir nun etwas aus deinem Kleiderschrank aus und kombinieren das.“ Die Wahl fällt auf ein Shirt, das mäßig bedruckt ist und ordentlich aussieht (nicht verwaschen, dafür frisch gebügelt). Darüber darf Mike eine Sweatjacke tragen. Allerdings eine dünne Variante ohne Kapuze und ohne Kängurutaschen. Die Jacke hält er halb geschlossen, als er ins Bild lächelt.

Fallbeispiel Nummer 3: Samuel ist Bürokaufmann und möchte sich beruflich verändern

Samuel ist 23. Er ist kein Workaholic, hat aber für sich beschlossen, dass er so viel Zeit in der Arbeit verbringt, dass diese ihm zumindest Spaß machen sollte – und das tut sie bei seiner jetzigen Stelle aktuell nicht mehr, weswegen Samuel sich auf Jobsuche begibt. Bei seinem aktuellen Arbeitgeber hat Samuel gelernt. Oft schleppt er sich sogar nur mit einem T-Shirt in die Arbeit. Nun möchte er sich auch äußerlich verändern, denn bei seinem neuen Arbeitgeber möchte er nicht mehr nur als junger Azubi gelten. Was rät der Style-Experte?

„Samuel, im Grunde hast du es ja schon selbst auf den Punkt gebracht: Du solltest rein optisch schon aussagen, dass du ein erwachsener Mann bist, der berufliche Fähigkeiten besitzt und diese im Rahmen eines neuen Wirkungskreises einsetzen möchtest. Ein Anzug käme hier wohl einer Verkleidung gleich oder wäre schlicht ein Tick zu viel des Guten. Was ich aber hier sehe, könnte durchaus funktionieren.“ Mit diesen Worten zieht der Stylecoach ein dunkles Hemd aus Samuels Schrank. Darunter soll der 23-Jährige ein helles T-Shirt tragen, das am Hals etwas hervorlugt, wenn er den obersten Hemdknopf öffnet. Schick. Elegant. Und nicht übertrieben.

Bye, bye 0-8-15-Styling

Dieses Hemd ist durch Farbe und Musterung sehr auffällig – und eignet sich nicht als Outfit fürs Bewerbungsfoto.

Die Beispiele haben eindrucksvoll gezeigt: Dunkler Anzug und weiße Krawatte sind längst nicht mehr das Nonplusultra bei einer Bewerbung, vielmehr kommt es darauf an, auf welchen Job man sich bewirbt – und vor welchem persönlichen Hintergrund man dies tut. Und dann, dann darf der Bewerber auch bei der Hemdfarbe buchstäblich „Farbe bekennen“.

Grundsätzlich gilt:

  • Je heller die Farbe, desto schlichter wirkt der Bewerber.
  • Dunkler hingegen wirkt meist edler.
  • Wer Karomuster bevorzugt, sollte auf schlichtes Karo setzen, denn eine große Musterung wirkt oft ungehobelt.
  • Das gestreifte Hemd hingegen wirkt oft bieder.
  • Ein Hemd mit Aufdruck ist in Positionen ohne Führungsaufgaben durchaus erlaubt.

Bildnachweis: Robert Kneschke/fotolia.com‚ Jeanette Dietl/fotolia.com

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