Vorstellungsgespräch Rechtsanwalt

Die Ausbildung als Rechtsanwalt gilt nach wie vor als sehr angesehen. Sie haben erfolgreich Ihr Jurastudium absolviert, sind gerade mit Ihrem Rechtsreferendariat durch und möchten sich auf eine Stellenanzeige bewerben? Oder Sie haben schon etwas Passendes gefunden und fragen sich, wie Sie bei einem Vorstellungsgespräch in einer Kanzlei überzeugen können?

Es gibt gute Neuigkeiten für Sie! Sie sind mit Ihren Fragen rund um Bewerbung und Vorstellungsgespräch beim Rechtsanwalt nicht allein und deshalb gibt es auch die passenden Antworten sowie Tipps, die Ihnen helfen, Ihre Bewerbung zu einem Erfolg werden zu lassen.

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Fragen bei einem Vorstellungsgespräch in einer Kanzlei auf Sie zukommen und mit welchen Antworten Sie überzeugen können. Wir zeigen Ihnen, wie Sie sich am besten vorbereiten, damit das Gespräch mit Ihrem neuen Arbeitgeber zu einem Erfolg wird.

Das macht ein Rechtsanwalt in einer Kanzlei

Der Rechtsanwalt vertritt seine Mandanten in sämtlichen Rechtsangelegenheiten vor Behörden, Gerichten oder Schiedsgerichten. Er verhilft seinen Auftraggebern zu ihrem gesetzlichen Recht und seine Mandanten können sowohl Personen als auch Personengruppen sein. Der Anwalt berät seine Mandanten über die Rechtsgrundlage ihres jeweiligen Interessengebiets und klärt über Kosten und Erfolgsaussichten sowie über etwaige Kostenrisiken auf.

Zu den Aufgaben eines Anwalts gehören zum Beispiel:

  • Gestaltung von rechtssicheren Verträgen und Geschäften
  • Mandanten über ihre Ansprüche und Gegenansprüche informieren
  • gerichtliche oder außergerichtliche Durchsetzung von Ansprüchen
  • Verfahrenshilfe leisten
  • Prozesshandlungen vornehmen

Das bringen Sie als Bewerber mit

Wenn Sie sich in einer Kanzlei als Rechtsanwalt bewerben, müssen Sie einige Voraussetzungen erfüllen. Sie müssen zunächst erfolgreich eine Ausbildung zum Rechtsanwalt abgeschlossen haben. Diese erfolgt an einer Hochschule in Form eines Jurastudiums, das aus einem Grundstudium und einem Hauptstudium besteht. Das Grundstudium dauert in der Regel vier Semester und das Hauptstudium fünf Semester. Im Hauptstudium spezialisieren Sie sich dann auf einen Schwerpunkt.

Dem Studium folgt eine zweijährige Praxisphase – das Referendariat. In dieser Phase besuchen Sie Lehrveranstaltungen der Universität und nehmen gleichzeitig am Berufsalltag einer Kanzlei oder einer anderen Stelle mit Rechtsabteilung teil, zum Beispiel in einem Amtsgericht.

Nach dieser Ausbildung folgt die Bewerbung als Rechtsanwalt, die aus einem Anschreiben, einem Lebenslauf, Ihren Zeugnissen und etwaigen Nachweisen von Zusatzqualifikationen besteht. Wenn Sie das hinter sich haben und die Kanzlei von Ihnen überzeugt ist, werden Sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. In diesem Gespräch geht es darum, Ihren zukünftigen Arbeitgeber von sich zu überzeugen und Ihre Stärken hervorstechen zu lassen.

Ablauf eines Vorstellungsgesprächs beim Rechtsanwalt

Im Bewerbungsgespräch als Rechtsanwalt geht es um drei verschiedene Punkte, auf die geschaut wird. Als erstes geht es um Ihre fachlichen Kompetenzen. Dabei spielen Ihre Qualifikationen ebenso eine Rolle wie Ihre Erfahrungen und Fähigkeiten. Die Kanzlei möchte wissen, wie Sie sich als Person darstellen und ob Sie in das Profil der Stelle passen.

Ihr Auftreten ist ein weiterer Punkt, der beobachtet wird. Ihre Eignung für die Stelle ist zwar wichtig, aber wenn Sie in Ihrem Erscheinen wenig vertrauenserweckend sind und einen unsympathischen Eindruck machen, passen Sie weniger in eine Anwaltskanzlei.

Außerdem ist von Bedeutung, wie motiviert Sie für den Job sind. Wenn Ihr zukünftiger Chef Ihre Motivation spürbar erkennen kann und sieht, dass Sie ehrgeizig sind und auch vor Weiterbildungen nicht zurückschrecken, macht das einen guten ersten Eindruck.

Mit diesen Fragen können Sie beim Vorstellungsgespräch rechnen

Warum möchten Sie als Rechtsanwalt arbeiten?

Diese Frage kommt häufig in Vorstellungsgesprächen vor. Es ist wichtig, dass Sie Ihre Gesprächspartner von sich überzeugen und Ihnen sagen, dass Sie sehr erfolgsorientiert und zielstrebig sind und dass das erfolgreiche Vertreten Ihrer Mandanten und ihrer Interessen Sie glücklich macht. Sie können erwähnen, dass Sie bereits als Kind Rechtsanwalt werden wollten und dass Sie seither immer diesen Traum verfolgt haben. Wenn Sie bereits Erfahrungen in dem Beruf haben, kann das an dieser Stelle ebenfalls gesagt werden.

Ich habe schon als Kind davon geträumt, Anwalt zu werden. Ich spielte oft kleine Szenen mit meiner Schwester nach und plante schon mit sechs Jahren meine Karriere. Ich habe Freude daran, Menschen in Ihren Belangen rechtssicher zu beraten und zu vertreten und mag es, dass dieser Job so abwechslungsreich und vielseitig ist.

Auf welches Rechtsgebiet sind Sie spezialisiert und warum?

Am besten ist es, wenn Sie hier einen Bezug zur Stelle herstellen. Wenn zum Beispiel ein Anwalt mit dem Schwerpunkt „Verkehrsrecht“ gesucht wird, dann sind Sie das im günstigsten Fall auch. Haben Sie sich auf ein ganz anderes Rechtsgebiet spezialisiert, erklären Sie die Gründe dafür.

Ich habe mich in meinem Studium auf das Erbrecht spezialisiert. Grund dafür war eine familiäre Situation, wo es um Erbstreitigkeiten ging, die dazu führten, dass meine Familie jahrelang nicht miteinander gesprochen hat. Das wollte ich anderen gern ersparen. Ich finde es aber sehr spannend, mich auch in neue Themenbereiche einzuarbeiten.

Was reizt Sie an der Stelle am meisten?

Hier kommt es auf die Ausschreibung an. Wenn es sich zum Beispiel um eine Stelle in einem für Sie fremden Fachgebiet handelt, können Sie sagen, dass Sie es als eine spannende Herausforderung sehen, ein neues Rechtsgebiet mit neuen Fällen bearbeiten zu dürfen und dass Sie sich schon länger umorientieren wollen.

An dieser Stelle reizt mich besonders, dass ich mich bei dieser Tätigkeit in ein neues Fachgebiet einarbeiten darf. Ich sehe das als eine große Herausforderung.

Wie würden Freunde und Bekannte Sie beschreiben?

Bei dieser Frage zielen die Personaler auf Ihre Stärken und Schwächen ab. Sie wollen erfahren, wie eine Ihnen nahestehende Person Sie als Mensch beschreiben würde. Versuchen Sie, sich in jemanden aus Ihrem Umfeld hineinzuversetzen und überlegen Sie, wie diese Person Sie wahrnehmen könnte. Ihnen werden sicher direkt ein paar gute und ein paar schlechte Eigenschaften von Ihnen einfallen. Fangen Sie an, Ihre Stärken zu betonen, und erzählen Sie erst danach etwas über Ihre Schwächen.

Sie würden sagen, dass meine Stärke darin liegt, mit Menschen zu reden und sie von etwas zu überzeugen. Ich bin sehr verhandlungssicher und habe kein Problem damit, vor einer größeren Menschenmenge eine Rede zu halten. Meine Schwäche würden sie wahrscheinlich in meinem Eifer sehen, zehn Dinge gleichzeitig tun zu wollen. Das bringt mich manchmal durcheinander.

Wie gehen Sie mit schwierigen Aufgaben um?

Die Personaler beobachten Sie ganz genau. Besonders bei dieser Frage schauen sie, wie Sie sich selbst reflektieren können. Gehen Sie auf eine ganz bestimmte Situation aus Ihrer bisherigen Laufbahn ein, die Ihnen Schwierigkeiten bereitet hat. Erklären Sie, welche Schritte Sie gegangen sind, um diese Schwierigkeiten zu meistern.

Während meines Studiums zwang mich eine familiäre Notsituation dazu, kürzer zu treten, als ich wollte. Ich verpasste dadurch viel Stoff und die Folge war, dass ich ein paar Prüfungen nicht bestand. Eine war jedoch so wichtig, dass das Nichtbestehen meine berufliche Laufbahn als Jurist gekostet hätte. Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, da ich die Abgabefrist dieser schriftlichen Prüfung nicht einhalten konnte. Doch ich entschloss mich, nicht aufzugeben, und sprach mit dem Professor. Nach einem langen Gespräch konnte er einwilligen, mir noch mehr Zeit zu geben. So konnte ich die Prüfung doch noch abgeben.

Sind Sie ein Teamplayer?

Wenn Sie in einer Kanzlei als Jurist arbeiten wollen, ist es von großer Bedeutung, dass Sie teamfähig sind. Sie arbeiten sowohl mit weiteren Anwälten zusammen als auch mit Rechtsanwaltsfachangestellten. Deshalb sollten Sie Ihren Gesprächspartnern vermitteln, dass Sie bei Problemen oder Absprachen immer mit dem Team zusammenarbeiten. Erläutern Sie auch anhand einer Problemsituation, wie Sie diese im Team gelöst haben.

In meiner Praxisphase kam es zu einem Mandantenansturm auf die Kanzlei – kurz vor Weihnachten. Es war unmöglich, alle Fälle zu bearbeiten, doch hatten wir mit allen von Ihnen eine Geschäftsbeziehung. Wir lösten das Problem gemeinsam, indem wir strukturierten, welche Fälle mit welcher Dringlichkeit an die erste Stelle gesetzt werden müssten und welche warten sollten. Dies besprachen wir im Team und dann mit unseren Mandanten.

Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?

Der Blick in die Zukunft ist immer spannend. Die Personaler wollen mit dieser Frage wissen, wie langfristig Sie planen und wie zielstrebig Sie wirklich sind. Wenn Sie es anstreben, in zehn Jahren eine eigene Kanzlei zu besitzen, ist das ein groß gestecktes Ziel. Das sollten Sie nicht verschweigen.

Ich sehe mich in zehn Jahren in meiner eigenen Kanzlei mit zehn Angestellten.

Haben Sie sich auch bei anderen Kanzleien beworben?

Die Personaler wissen natürlich, dass Sie sich vermutlich bei mehreren Kanzleien beworben haben. Deshalb ist es gut, wenn Sie ehrlich darauf antworten und auch zeigen, dass Ihnen mehrere Möglichkeiten offen stehen.

Ja, ich habe mich auf fünf weitere Jobs in einer Kanzlei beworben und war schon bei zwei Gesprächen. Das Zusammentreffen mit Ihnen war jedoch mein Favorit und ich freue mich, dass wir miteinander sprechen können.

Welche Gehaltsvorstellungen haben Sie?

Für diese Frage sollten Sie sich im Voraus darüber informiert haben, wie der Gehaltsdurchschnitt bei Rechtsanwälten aussieht. Es ist wichtig, dass Sie Ihre Vorstellungen nicht zu hoch ansetzen, aber auch zu niedrige Gehaltswünsche können schlecht ankommen und den Eindruck hinterlassen, dass Sie sich unter Wert verkaufen.

Meine Gehaltsvorstellungen liegen bei einem Einstiegsgehalt von 45.000 EUR.

Wieso sollten wir gerade Sie einstellen?

Diese Frage löst bei vielen Bewerbern Stress aus. Dabei ist sie souverän zu meistern, wenn Sie sich in die Lage Ihres Arbeitgebers versetzen. Zeigen Sie ihm, wieso gerade Sie einen Mehrwert für das Unternehmen bieten.

Der Beruf als Jurist ist für mich nicht nur ein Job, er ist viel mehr als das. Ich habe einfach Freude daran, die Menschen, mit denen ich arbeite, zufrieden und glücklich zu sehen. Ich kann mich stundenlang auf einen Fall konzentrieren – nur, um eine passende Lösung für den Mandanten zu finden. Der Mandant steht für mich immer an erster Stelle und deshalb glaube ich, dass ich perfekt zu Ihrem Stellenangebot passe. Sie suchen einen kompetenten Anwalt, der es versteht, seinen Job ernst zu nehmen. Das kann ich für Sie sein!

Wir machen Ihnen hier und jetzt ein Angebot. Was sagen Sie?

Bei dieser Frage sollten Sie Fingerspitzengefühl beweisen. Das Angebot klingt verlockend für Sie, aber Sie sollten auch zeigen, dass Sie Bedenkzeit brauchen.

Ich danke Ihnen für dieses großzügige Angebot. Ich denke, es ist gut, wenn ich eine Nacht darüber schlafe und mich morgen noch einmal bei Ihnen melde. Ist das in Ordnung für Sie?

Wie sehen Ihre persönlichen Verhältnisse aus?

Diese Frage ist nicht unüblich, auch wenn Sie sie nicht zwingend beantworten müssen. Ihre Gesprächspartner freuen sich aber, wenn Sie kurz etwas zu sich und Ihrer familiären Situation erzählen.

Ich bin ledig und habe keine Kinder, lebe aber mit einer Frau zusammen in einem Haushalt.

Mit diesen letzten Tipps überzeugen Sie die Kanzlei

  • Kleidung und Auftreten: Achten Sie auf Ihre Kleidung. Ein Anwalt ist immer gut gekleidet, schließlich vertritt er die Interessen seiner Mandanten in der Öffentlichkeit. Zeigen Sie das also auch schon beim Vorstellungsgespräch. Treten Sie außerdem souverän auf und legen Sie jegliche Form von Schüchternheit ab.
  • Körpersprache: Mit Ihrer Körpersprache verraten Sie viel über sich. Stehen und sitzen Sie deshalb gerade und aufrecht und zeigen Sie keine Schwäche. Halten Sie Blickkontakt mit den Personalern und wirken Sie stets interessiert. Vermeiden Sie übermäßiges Gestikulieren und achten Sie auf eine angemessene Wortwahl.
  • Motivation: Zeigen Sie Ihre Motivation! Wenn Sie wirklich für den Job brennen, sollten Ihre Gesprächspartner das auch spüren.

Zum Schluss bekommen Sie noch einen wichtigen Tipp mit auf den Weg: Seien Sie ehrlich und authentisch! Wenn Sie nur eine Rolle spielen, dann fliegt das früher oder später auf.

Sie haben gelesen, wie ein Vorstellungsgespräch in einer Kanzlei abläuft und worauf Sie bei Fragen achten sollten. Sie kennen einige Beispiele, wie Sie auf Fragen antworten, und dazu noch weitere Tipps. Beherzigen Sie die Ratschläge, die Sie gelesen haben, und bereiten Sie sich auf das Vorstellungsgespräch gut vor. Dann kann nicht mehr viel schief gehen!

 

41 Fragen aus dem Einstellungstest

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