Der ultimative Bewerbungsmappencheck: Ein Personalreferent erklärt Schritt für Schritt auf was es ankommt.

Natürlich kann an ganz unterschiedlichen Stellen nachgelesen werden, was denn zwingend oder obligatorisch Teil der Bewerbungsmappe werden soll, doch in der Praxis liegt die Trefferquote der Bewerber leider auf einem beschämend niedrigen Niveau. Oft sind es kleine Flüchtigkeitsfehler, die zeigen, dass die Bewerbung nicht mit der vollen Aufmerksamkeit erstellt wurde – und das schmeckt natürlich keinem Unternehmen. Gemeinsam mit einem Personalreferenten machen wir den ultimativen Bewerbungsmappencheck – und finden so manchen Flüchtigkeitsfehler. Der Test beginnt mit mehreren Umschlägen, die direkt an den Personalreferenten adressiert sind.

Was fällt Ihnen mit Blick auf die Umschläge auf?

Personalreferent: Da gibt es gleich mehrere Dinge, die ich anmerken kann. Dieser Bewerber ist entweder sparsam oder hat einfach keinen Blick fürs Detail, denn der Umschlag platzt an den Rändern gleich auf. Er ist schlicht zu klein für die Bewerbungsmappe. Auch die Adresse ist wahrlich auf den Umschlag gekritzelt. Anno dazumal, als der Lebenslauf noch handschriftlich einzureichen war, um einen Blick auf das Schriftbild des Bewerbers werfen zu können, hätte dieser wohl kaum eine Chance gehabt, denn selbst ich kann kaum Straße und Ort entziffern.

Tipp zum Umschlag

Achten Sie darauf, dass der Umschlag ausreichend groß ist. Besonders empfehlenswert sind übergroße Umschläge, die etwas aufklappbar sind. Die bieten genug Stauraum für die Bewerbungsmappe und das Bewerbungsschreiben. Bei der Beschriftung gilt: Wer handschriftlich Name und Adresse auf den Umschlag schreibt, muss sich beim gerade und ordentlich schreiben besonders viel Mühe geben. Eine Alternative sind bedruckte Etiketten.

Die Umschläge werden geöffnet. Heraus kommen ganz unterschiedliche Arten von Bewerbungsmappen. Welche kommt an?

Nicht etwa die Farbe der Bewerbungsmappe ist wichtig, sondern wie ordentlich diese ist.

Personalreferent: Die Ordentliche ohne Eselsohren und die, bei der das Bewerbungsschreiben lose beiliegt. Im Ernst: Mir persönlich ist es nicht wichtig, welche Farbe die Mappe hat, aber ich bin allergisch gegen Bewerbungsmappen, die aussehen, als seien wir Unternehmen Nummer 15, die die Mappe in Händen hält. Zudem achten viele Bewerber nicht auf das Detail, dass das Bewerbungsschreiben in aller Regel lose beigelegt wird und nicht etwa eingeheftet wird. Natürlich finde ich als Mensch die Mappe mit dem transparenten Deckblatt ganz gut, weil es bereits meine erste Neugierde befriedigt, wer sich wohl bewirbt.

Tipp zur Bewerbungsmappe

Eine ordentliche Bewerbungsmappe ist die halbe Miete. Heutzutage fordern ohnehin nur noch wenige Unternehmen eine schriftliche, postalische Bewerbung, bei der eine Bewerbungsmappe nötig wird. Damit hält sich auch der finanzielle Aufwand für den Kauf von Bewerbungsmappen im Rahmen.

Worauf fällt anschließend Ihr erster Blick?

Personalreferent: Ich lese mir wirklich zunächst das Bewerbungsschreiben durch, weil ich der Meinung bin, dass ein Bewerber dieses auch inhaltlich als Auftakt seiner Bewerbungsunterlagen gestalten sollte. Das heißt: Wer mich hier mit Persönlichkeit überzeugt, der bringt mich zum Weiterlesen.

Tipp zum Bewerbungsschreiben

0-8-15-Formulierungen, die in jedem Bewerbungsbuch zu finden sind, sind nicht der Weg, über den Sie zu Ihrem Traumberuf gelangen. Vielmehr geht es darum, in wenigen Sätzen ein spannendes Konstrukt zu erzeugen das aussagt: Ich bin persönlich und fachlich bestens qualifiziert.

Lebenslauf oder Zeugnisse – was wird als nächstes unter die Lupe genommen?

Personalreferent: Ganz klar der Lebenslauf – und zwar das Ende des Lebenslaufs. Steht dort keine Unterschrift, klappe ich die Bewerbungsmappe rigoros und vor allem ausnahmslos wieder zu. Der Grund ist einfach: Es ist eines der letzten Regeln, die noch geblieben sind – das ungeschriebene Gesetz, dass das Bewerbungsschreiben handschriftlich unterschrieben werden muss. Also erwarte ich genau das auch von den Bewerbern. Steht die Unterschrift dort, wage ich einen Blick in die Details des Lebenslaufs. Dabei gilt: Je mehr ich hier schon erfahre, desto mehr imponiert mir der Bewerber, denn es zeigt mir, dass er mir helfen will, mich schnell und unkompliziert über ihn zu informieren. Hauptfächer in Schule oder Studium sind hier ebenso gut platziert wie entsprechende Abschlussnoten. Dann muss ich nicht erst noch in den Zeugnissen kramen.

Tipp zum Lebenslauf

Unterschrift drunter ist Pflicht. Darüber hinaus gilt, dass der Lebenslauf nach wie vor tabellarisch gehalten werden muss. Eine vorgeschriebene Reihenfolge gibt es nicht, wohl aber die Pflicht, den Lebenslauf stimmig zu halten. Das heißt: Entweder es liegt in jedem Unterkapitel das aktuellste Zeugnis obenauf oder es wurde streng chronologisch sortiert. Die Reihenfolge muss dann aber bei allen einheitlich erfolgen.

Wie liest ein Personalreferent ein Zeugnis?

Personalreferent: Nur oberflächlich, das gebe ich zu. Meist habe ich schon beim Lesen des Lebenslaufes einen Meilenstein notiert, bei dem ich mir das Zeugnis noch durchlesen möchte – und hoffe dann, dass genau dieses Zeugnis auch beigelegt wurde. Grundsätzlich aber sind Zeugnisse für mich eher wichtig, um den Tätigkeitsbereich des Bewerbers verstehen zu können. Mir ist wichtig, welche beruflichen Erfahrungen der Bewerber gemacht hat und nicht welche Zeugnisnoten sich hinter kryptischen Formulierungen verbergen. Der Grund dafür ist denkbar einfach: Zeugnisse müssen wohlwollend geschrieben sein. Das heißt auch, dass die Bewertung dahinter für mich wenig Aussagekraft hat. Deswegen versuche ich hier nur zu sehen, welche Erfahrung der Bewerber hat.

Tipp zum Zeugnis

Achten Sie bereits dann auf den Inhalt des Zeugnisses, wenn Sie dieses ausgestellt bekommen. Es sollte in jedem Fall detailliert dargestellt sein, welche Aufgaben Sie haben. Das hilft dem Personalreferenten dabei, abzuschätzen, ob Sie auch bei der angebotenen Stelle Ihre Erfahrungen aus der Praxis einbringen können.

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