Auch die Dritte Seite wird bald zum festen Bestandteil einer Bewerbung werden.

Stopp! Zählen Sie jetzt bitte nicht durch, denn die „Dritte Seite“ der Bewerbung kann auch mal die vierte sein. Nachdem die Bezeichnung also noch nicht einmal die Position erläutert, an der die Dritte Seite steht, wird das Rätsel um diesen Teil der Bewerbung in diesem Artikel ganzheitlich betrachtet – und ebenso gelöst.

Geschuldet ist der Trend zur „Dritten“ Seite der Tatsache, dass Lebensläufe heute zunehmend bunter werden und die Fälle, in der jemand von der Ausbildung bis zur Rente in einem Betrieb tätig ist, vergleichsweise gering werden. 

Dabei wird schon der erste Grund für die Erstellung einer Dritten Seite deutlich: Immer dann, wenn Erklärungsbedarf besteht, kann dies auf der Dritten Seite der Bewerbung passieren. Doch auch wenn nichts erklärt werden muss, aber ein Detail im Leben so interessant ist, dass es zur Stelle verhelfen könnte, bietet die Dritte Seite den nötigen Rahmen.

Ist die Dritte Seite Konkurrenz zu Bewerbungsschreiben und Lebenslauf?

Nein. Die Dritte Seite steht nicht in Konkurrenz zu den beiden wichtigsten Punkten in einer Bewerbung, sondern vielmehr hilft sie den beiden genannten Teilen dabei, verstanden zu werden. Deswegen wird die Dritte Seite auch folgerichtig hinter dem Lebenslauf platziert – egal ob das dann die dritte oder die vierte Seite ist.

Was aber ist erklärungsbedürftig und rechtfertigt eine Dritte Seite?

  • Wird nach einer abgeschlossenen Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten eine Lehre zum Gesundheits- und Krankenpfleger angeschlossen und drei Jahre im Lebenslauf schlicht mit der Überschrift „Auslandsaufenthalt“ tituliert – dann besteht an dieser Stelle Erklärungsbedarf! Die Dritte Seite der Bewerbung kann nun genutzt werden, um die persönliche Geschichte zu erzählen, die erklärt, wie aus einem Urlaub in Kenia das dreijährige Engagement in einem kenianischen Waisenhaus wurde und anschließend die Entscheidung fiel, nicht mehr in einen Bürojob zurückkehren zu wollen.
  • So mancher nutzt die Dritte Seite auch dazu, detailliert über das große Maß an ehrenamtlichem Engagement zu berichten – und damit vielleicht die eine oder andere schlechte Note zu rechtfertigen. Aber Achtung! Auf der Dritten Seiten zählt die Wortwahl mehr noch als an anderen Stellen im Lebenslauf. Das Engagement sollte also ausformuliert und mit Praxisbeispielen hinterlegt werden. Auch darf der Personalreferent nicht denken, dass dem Bewerber sein „Hobby“ wichtiger ist als Ausbildung und Beruf.
  • Immer häufiger nutzen auch Wiedereinsteiger die Dritte Seite als Option, um in einer anderen Form des Bewerbungsschreibens noch einmal detaillierter zu beschreiben, welche Erwartungen sie an den Wiedereinstieg haben. Elternteile, die beispielsweise nach der Babypause wieder in den Beruf einsteigen möchten und sich nach einer neuen beruflichen Herausforderung umsehen, können auf der Dritten Seite der Bewerbung ihre Motivation deutlich machen – aber bitte ohne die abgedroschene Phrase „ich leite ein erfolgreiches, kleines Familienunternehmen“.

Grundsätzlich gibt es also nur wenige Gründe, die die Dritte Seite in einer Bewerbung rechtfertigen. Wer eine Dritte Seite in Erwägung zieht, muss sich darüber klar sein, dass dies eine kleine Besonderheit der Bewerbung sein kann – und als solche sowohl extrem positiv, aber auch extrem negativ bewertet werden kann. Gründe für die Bewerbung noch einmal in anderer Form darzulegen und damit darzustellen, warum der Bewerber sich nicht nur durch die Dritte Seite sondern auch in punkto Qualifikation und Persönlichkeit von anderen unterscheidet, ist legitim, aber grundsätzlich gilt: Wer sich des besonderen Werkzeugs der Dritten Seite bedient, muss auch Inhalte präsentieren können, die der Dritten Seite würdig sind.

Alles zur Dritten Seite der Bewerbung finden Sie hier:

So klappt’s mit der Dritten Seiten in der Bewerbung

Wer ein „Aha“-Erlebnis beim Personalreferenten bewirken will, muss sich im Vorfeld gut überlegen, wie – was aufs Papier kommen soll. Befolgen Sie die folgenden Tipps – und Ihre Dritte Seite wird zu Ihrem persönlichen USP, dem sogenannten „Unique Selling Point“.

Wer Softskills nicht nur theoretisch erläutern kann, sondern auch eine persönliche Geschichte erzählen kann, in der Softskills von Bedeutung sind - kann dies auf der Dritten Seite der Bewerbung tun.

Wer Softskills nicht nur theoretisch erläutern kann, sondern auch eine persönliche Geschichte erzählen kann, in der Softskills von Bedeutung sind – kann dies auf der Dritten Seite der Bewerbung tun.

1.) Erzählen Sie eine persönliche Geschichte! Die Dritte Seite einer Bewerbung hilft eine Brücke zwischen Bewerbungsschreiben und Lebenslauf zu schlagen und sollte sich von dem klassisch gehaltenen Bewerbungsschreiben und dem nüchternen Lebenslauf im Stil unterscheiden. Das klappt am besten, wenn Sie eine Geschichte erzählen, die für Sie persönlich eine ganz bestimmte Lehre hatte und aus der der Personalreferent die Folgerung ableiten kann: Dieser Mitarbeiter passt.

2.) Der Ton macht die Musik, aber Betteln ist bei einer Bewerbung ein No-go. Achten Sie darauf, eine wertige Geschichte auf der Dritten Seite Ihrer Bewerbung zu präsentieren – und nicht eine Geschichte, die vermuten lässt, dass Sie die Dritte Seite der Bewerbung dafür nutzen, Mitleid zu erhaschen. Eltern aufgepasst: Beschreiben Sie an dieser Stelle nicht, wie unfair es wäre, wenn Eltern keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt bekommen, obwohl sie doch die künftigen Rentenzahler zur Welt gebracht und aufgezogen haben, sondern erläutern Sie, warum dies für Sie die richtige Entscheidung war – und jetzt eben die richtige Entscheidung lautet, wieder ins Arbeitsleben einzusteigen.

3.) Wer sich um eine Stelle bewirbt, bei der Softskills äußert wichtig sind, für den kann auch die Dritte Seite zu einem wichtigen Instrument werden. Erzählen Sie, wie Sie sich engagieren, nicht platt und in 0-8-15-Worten, sondern so emotional und mitreißend wie Sie auch beruflich agieren. Achten Sie darauf, dass die Geschichte authentisch erzählt ist, denn platziert auf der Dritten Seite Ihrer Bewerbungsunterlagen wird diese sicherlich auch zum Thema im Vorstellungsgespräch werden.

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